Barbara-Künkelin-Preis 2008
Die Dankesrede anlässlich der Verleihung
des Barbara-Künkelin-Preis in Schorndorf, Barbara-Künkelin-Halle
am 16. März 2008, um 11 Uhr.
von Serap Cileli
Meine sehr verehrten Damen und
Herren!
Im November 2007 erhielt ich einen
Brief von Frau Rommel, die Tochter des Stifters und die Vorsitzende
des Preisgerichtes, mit der Nachricht, dass ich mit dem Barbara- Künkelin-
Preis der Stadt Schorndorf ausgezeichnet werde.
Ich freue mich außerordentlich
über die mir zuteil gewordene Ehrung, indem man Einzelkämpfern
wie mich, durch eine Auszeichnung wie dem Barbara- Künkelin- Preis
ermuntert und ermöglicht weiterzumachen. Besonders freut es mich,
dass ich heute - zum Anlass der heutigen Verleihung - meine Stimme für
die Frauen erheben darf, die im Namen der Ehre zum Opfer fallen und
gefallen sind.
Anmerken darf ich hier, dass ich
- im Kampf gegen jegliche Gewalt an Musliminnen - inzwischen engagierter
Mitstreiter gewonnen habe. Mit gleichgesinnten Menschen habe ich „peri-
Verein für Menschenrechte und Integration e.V". gegründet.
Es gibt den Verein noch nicht lange. Erst seit Februar (2008). Wenn
Sie uns durch Ihre Mitgliedschaft unterstützen wollen, würden
wir uns sehr freuen.
Liebe Gäste,
ein unverfälschter Einblick in die Lebenswelt von Musliminnen zeigt
unseren Schmerz und unsere Wut gegen die Gewaltherrschaft und Freiheitsberaubung-
unser Widerstand gegen Unterdrückung und
Ausbeutung- im Namen der Religion und Tradition.
Bei einem Auflehnen gegen die
islamische Tradition riskieren Musliminnen die Bedrohung für Leib
und Leben, wie die 55 Fälle von so genannten „Ehrenmorden“
in den Jahren zwischen 1996 bis 2005 zeigen.
Eine andere Tatsache ist, dass
leider nicht wenige Musliminnen ihre Bevormundung und Fremdbestimmung
als selbstverständliche, islamische Tradition auffassen, die nicht
hinterfragt wird und zum Leben als tugendhafte, sittsame und Allah ergebene
Muslimin einfach dazu gehört.
Diese patriarchalischen Traditionen
und Gebräuche in der muslimischen Gesellschaft, die zum Schutz
der angeblichen Familienehre im täglichen Leben praktiziert und
gepflegt werden, sind nichts anderes als ein Verbrechen gegen die Würde
der Frau.
Unzählige Musliminnen –
zerrissen zwischen dem Wunsch nach Autonomie und der Familientradition
beugen sich aus Angst vor Konflikten dem Wunsch der Eltern.
Damit die Frauen der Familie „gesittet“
und die Familienehre „rein“ bleibt, werden sie nicht selten
bereits mit 12, 13 oder 14 Jahren zwangsverheiratet. Mit jedem Lebensjahr
steigt die Gefahr, dass junge Musliminnen gegen ihren Willen verheiratet
werden. Es handelt sich hier in der Regel um „Cousin-Cousinen-Ehen“.
Diese Ehen unter Verwandten spielen
sich oft in einer undurchsichtigen Grauzone zwischen Nötigung und
Arrangement ab. Deren Zustandekommen kann von Außenstehenden kaum
oder gar nicht durchschaut werden. Denn es heißt: „Wo kein
Kläger, da kein Richter“.
Bei den so genannten „arrangierten“
Ehen, wo die Ehen von den Eltern arrangiert werden,
kann von einer freien Partner Wahl nicht die Rede sein. Oft findet ein
verdeckter, subtiler Zwang statt, weil die jungen Muslime und Musliminnen
– meist sind dass die Mädchen- einen Cousin oder eine Cousine
nicht ablehnen dürfen.
Sie würden sich nicht trauen, den von den Eltern auserwählten
Partner zurückzuweisen - auch, wenn sie im Zweifel sind.
Denn die Bemühungen der Eltern
nicht zu schätzen, deren Meinungen und Gutachten nicht zu würdigen
kommt einem Verrat gleich, der bestraft werden muss.
Folglich ist die Mehrheit dieser
so genannten vermittelten Ehen, in die die Frauen,
in der Regel völlig unerfahren und unaufgeklärt hineinstolpern,
Ehen die unter Zwang geschlossen werden.
Sehr verehrte Gäste,
Zwangsheirat oder arrangierte Ehe? Egal wie sehr die türkische
Community in Deutschland versucht das ganze zu relativieren oder irgendwie
schön zu reden.
Was fest zu halten ist.
Steht eine Hochzeit an, gilt das Wort des Vaters.
Der Wali einer Muslimin ist ihr
Vater. Denn nach der göttlichen Ordnung dieses patriarchalisch-islamisch
dominierten Männerbunds, brauchen Frauen einen Vormund. Vor der
Heirat werden sie von ihrem Vater, danach von ihrem Ehemann bevormundet.
Nach einer Scheidung müssen viele Frauen in das Haus der Eltern
zurückkehren, in dem der Vater wieder die Vormundschaft übernimmt.
Folglich bedeutet das Streben
nach einer Scheidung, ohne den familiären Rückhalt eine Gefahr
für Leib und Leben.
Wenn der Ehemann gleichzeitig ihr Cousin oder Vetter ist, ist die Gefahr
bei dem Trennungswunsch erheblich größer. In den meisten
Fällen droht nicht nur der Ehemann sondern auch weitere Verwandte
mit der Rache.
Bei der Bekämpfung von Zwangsheirat
gehören den „Export- oder Import - Ehen", sowie den
„Verwandtenehen“ ein Riegel vorgeschoben.
Wenn ich von deutschen Politiker,
wie auch von den Kirchenvertreten leichtgläubig und naiv
folgendes höre: "Muslime sind ein Teil der Gesellschaft und
der gemeinsamen Zukunft", dann sehe ich rot.
Die Frage, ob die Stellung und
Rolle der Frau im Islam demokratiefähig ist oder ob das zentrale
Machtinstrument des islamischen Rechtssystems - die Scharia - mit dem
demokratischen Rechtsstaat kompatibel ist, wird nicht unter die Lupe
genommen.
Im Gegenteil, die Demokratie dient
unseren Feinden. Sie sind die, die ihre inhumanen Gegen- Gesetze verbreiten
und Gegen- Gesellschaft fördern. Sie sind die Vertreter der konservativen
und fundamentalistischen Richtungen.
Und das muss ein Ende haben!
Diese islamische Rechts- und Lebensordnung
wird in immer mehr westlichen Staaten stillschweigend - als multikulturelle
Bereicherung- akzeptiert. Statt den Schutz der Menschenrechte muslimischer
Frauen in westlichen Ländern zu erhärten.
Ich frage Sie, wenn der Fortschritt
und die Freiheit für die muslimischen Frauen,
das Recht auf Scheidung, das Recht auf freie Partnerwahl, das Recht
auf ein selbstbestimmtes Leben oder das Recht auf Bildung von ihren
Vätern, Ehemännern oder deren männlichen Verwandten,
wie auch von manchen Imamen – mitten in
UNSERER aufgeklärten Zivilisation- verweigert wird, worin
sehen sie die kulturelle Bereicherung und die demokratische Grundeinstellung
der Muslime?
Im islamischen Kulturkreis werden
Frauen zum Werkzeug eines Verbrechens abgestempelt. Deshalb stellt man
sie unter Verschleierungszwang, damit sie den Allah demütig ergebenen
Männern nicht zu einem Verbrechen anstiften. Weil die weibliche
Sexualität im Islam verteufelt wird.
Nichts scheint die kulturellen
Unterschiede zwischen den westeuropäischen und islamischen Gesellschaften
so deutlich zu markieren wie die Stellung der Frau, sichtbar an Kleidung
und Kopftuch, auch auf unseren Straßen.
Mit den gleichen Gedanken und
Anschauungen wird die weibliche Genitalverstümmelung praktiziert.
Männer die das uneingeschränkte Recht auf Ausbeutung von Frauen
haben, nehmen den Frauen dadurch jegliche Freude am Sex, kontrollieren
die weibliche Sexualität um sie gegenüber ihren Männern
gefügig und treu zu machen und reduzieren die Frauen nur auf ihre
reine Gebärfähigkeit.
Nach westlichem Vorbild, leben
Frauen der islamischen Welt noch viel zu weit weg von Gleichberechtigung
und Emanzipation.
Das häufige Gerede, dass
die Mehrheit der muslimischen Bevölkerung gut integriert und völlig
gleichberechtigt lebe ist nichts anderes, als die Wahrheit zu verkennen.
Und diese unantastbare „multikulti“
Einstellung kann nicht das Geringste zur Befreiung muslimischer Frauen
beitragen. Im Gegenteil: Die Gefahr, diese entscheidende Wahrheit zu
verkennen hat für Musliminnen tödliche Folgen.
Es ist eine verräterische
Form von „Toleranz“ Verständnis gegen über Musliminnen,
die versuchen sich von diesen barbarischen, religiösen und traditionellen
Verpflichtungen zu befreien.
Ich fordere den deutschen Staat
auf sich von ihren Ängsten gegen über dem Islam zu befreien.
Ansonsten wird die heute errungene Freiheit, Menschenrechte und Demokratie
- morgen schon wieder verschwunden sein.
Wir müssen uns unserer freiheitlichen
Geltungen bewusst werden, sie schützen und uns für sie einsetzen.
Unsere westlichen, positiven Errungenschaften wie Gleichberechtigung
von Mann und Frau, persönliche Freiheit, Menschenrechte und die
Würde des Einzelnen sind keine verhandelbaren Werte!
Zum Abschluss möchte ich
meinen tief empfundenen Dank an Sie, sehr geehrter Herr Minister, nicht
unerwähnt lassen.
Lieber Herr Goll, mit Ihnen als
den Initiator des „Zwangsheirat-Bekämpfungsgesetzes“
wurde auch das Land Baden-Württemberg mit der Bundesratsinitiative
bundesweiter Vorreiter im Kampf gegen die Zwangsheirat.
Nochmals herzlichen Dank für Ihre entgegengebrachte Solidarität
mit den Opfern von Zwangsehen.
Es gibt aber noch viel zu tun.
Wenn der Kampf gegen Zwangsheirat mehr werden soll als ein medienwirksames
Thema, müssen endlich Taten folgen.
Wir wollen die Zwangsehe als Straftatbestand.
Denn Zwangsheiraten sind keine Bagatellen. Das Gesetz muss den Männern
signalisieren, dass ihr Ehrenkodex vor deutschen Gerichten nicht zählt.
Will man den Opfern wirklich helfen, müssen die Zwangsehen zumindest
als "besondere Härte" anerkannt werden.
Die einfachere Rückkehrregelung bei Heiratsverschleppung ist ebenfalls
anzustreben.
Die Bundesweite Infrastruktur, die Betroffenen Schutz und Hilfe bietet,
ist schlicht und einfach beklagenswert.
Lieber Herr Goll, es ist mir bekannt,
dass die Bundesregierung zu Ihrem Entwurf des Zwangsheirat - Bekämpfungsgesetz
im Frühjahr 2006 bereits Stellung bezogen hat, doch die Debatte
und Verabschiedung im Bundestag lässt bis heute auf sich warten.
Die Leidtragenden dieser Versäumnisse
sind vor allem Mädchen und Frauen.
In diesem Zusammenhang möchte ich Sie bitten, in ihren Bemühungen
„für die Menschenrechte der Musliminnen“ nicht nachzulassen.
Vielen Dank für Ihr Interesse
und Ihre Aufmerksamkeit!
Serap Cileli
16. März 2008 um 11:00 Uhr
Barbara Künkelin Preis -
Offizielle Seite
Link: www.kuenkelinpreis.de