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Die Unterdrückung der muslimischen Frauen in Deutschland

BuchTest.com / 08 November 2008
Von Marie Hofer

Serap Cileli: "Eure Ehre - unser Leid. Ich kämpfe gegen Zwangsehe und Ehrenmord, blanvalet", 2008, 240 Seiten, ISBN-13: 978-3764503017, 14.95 Euro

Als die türkisch-stämmige Autorin Serap Cileli 2002 mit ihrem Buch „Wir sind eure Töchter, nicht eure Ehre“ an die Öffentlichkeit ging, eröffnete sie den Blick in die Abgründe des gescheiterten Multikulti-Traumes. Mittlerweile mit zahlreichen Ehrungen, wie dem Bundesverdienstkreuz, gewürdigt, steht ihre Arbeit im Zeichen des Kampfes für die Frauen.

In ihrem neuen Buch „Eure Ehre – unser Leid“ klärt sie den Leser über die Facetten des Lebens muslimisch-türkischer Frauen auf. Sie erzählt mit eindringlicher Authentizität von ihrem eigenen Leben und vom Leiden ihrer Schützlinge, für deren Freiheit sich die Autorin einsetzt. Dabei verdeutlicht sie ihre Schilderungen mit Studien der Bundesregierung, Zeitungsartikeln und sogar mit dem Koran selbst.

„Ein Leben auf dem Abstellgleis“

Serap Cileli dokumentiert die zahlreichen Grund- und Menschenrechtsverletzungen im Nahmen der Ehre und im Namen Allahs, welche mitten in Deutschland in mitten unserer ach so toleranten Gesellschaft begangen werden. Wenn man einer verschleierten Frau auf der Straße begegnet, ahnen die wenigsten, wie sich ihr alltägliches Leben gestaltet. Die allermeisten wissen nicht, was sich hinter der Multikulti-Fassade abspielt, sie schauen nicht hin. Doch das Leben einer muslimischen Frau ist von dem Begriff Ehre durchzogen, der Ehre der Familie, der Männer. Im Namen genau dieser Ehre wird verprügelt, vergewaltigt und gemordet. „In der Ehe bekomme man nun einmal mehr Schläge als Brot“, damit leben viele von unseren Nachbarinnen. Die Peinigungen reichen sogar soweit, dass die Opfer sich schuldig fühlen und sich später sogar selbst dieses System einverleiben. Mütter vertuschen die Vergewaltigungen ihrer minderjährigen Töchter, „aber dass sie die Tochter auffordern, ihrem Leben ein Ende zu setzen bzw. einem Ehrenmord zustimmen, um die Ehre wiederherzustellen, scheint eine schizophrene Besonderheit der muslimischen Gesellschaft zu sein.“

Integration

Bildung wird innerhalb der türkischen Migrantenfamilien kaum gefördert, dies führt unter anderem dazu, dass fast 15 Prozent der Sonderschüler türkischer Herkunft sind. Um die eigenen Kinder traditionell zu erziehen, werden sie teilweise bei Verwandten in der Türkei groß und kommen dann mit 16 Jahren wieder zurück nach Deutschland. Oft werden aber auch in Deutschland aufgewachsene Kinder mit Männern und Frauen aus Anatolien verheiratet, die kaum eine Schulbildung haben und kein Wort Deutsch sprechen. „Dadurch beginnt die Geschichte der Migration mit jeder Generation quasi von vorne.“

Was die Autorin auch feststellen musste, ist, dass selbst Familien, welche als gut integriert gelten können, in ihre traditionellen Muster zurückfallen, wenn es um die Ehre der Familie geht und die Tochter plötzlich selber entscheiden möchte, wen sie heiratet.

Konvertitinnen

Seit den 60er Jahren haben sich viele Migranten in Deutschland angesiedelt, die aus einer islamischen Gesellschaftsordnung kommen. Seit dem gibt es immer mehr Ehen zwischen Muslimen und deutschstämmigen Nicht-Muslimen. Dies bleibt in der Regel aber nicht so, da viele, zumeist Frauen zum Islam übertreten. Einige dieser Geschichten begegneten auch der Autorin bei ihrer zehn Jahre langen Aktivität. Unverständnis und Fassungslosigkeit spricht aus Serap Cilelis Worten, sie sieht darin den totalen Verrat an den Frauenrechten, der Emanzipation und der westlichen Gesellschaft. „Wo bleibt die schwesterliche Solidarität der westlichen Frauenrechtsorganisationen“, fragt sie und zeigt auch hier einen erhöhten Aufklärungsbedarf auf.

Fakten

Das Buch ist nicht einfach nur eine Sammlung loser Erinnerungen oder fadenscheiniger Überzeugungen, nein es ist ein Zeugnis vom Leid all der Frauen, welche in unserem Land menschenverachtend behandelt und ermordet werden. Die Autorin begründet ihre Meinung mit stichhaltigen Quellen. Es ist erschreckend zu lesen, dass die Grundlage für diese Leid das Buch ist, welches inzwischen schon an staatlichen deutschen Schulen unterrichtet wird: Der Koran. Die Autorin zitiert direkt, wie der Islam in seinen Schriftquellen zur Misshandlung von Kindern und Frauen aufruft: „Wer seinen Eltern widerspricht, dessen Zunge schneide man ab!“

Zudem beruft Cileli sich auf Studien z.B. des Bundesfamilienministeriums, welche schwarz auf weiß belegen, dass Gewalt und Mord im Nahmen der Ehre in deutschen Migrantenkreisen keine Seltenheit sind. „Sie werden nicht nur häufiger geschlagen oder sexuell missbraucht, als deutsche Frauen, in der Regel sind die Verletzungen, die sie erleiden, auch schlimmer.“

Der Blick in die Türkei, deren EU-Beitritt die Autorin ablehnt, zeigt die zahlreichen Menschenrechtsverletzungen, die immer noch stattfinden. So sind z.B. „nach offiziellen Angaben dort 460 000 Mädchen zwischen 12 und 15 Jahren bereits verheiratet, und über die Hälfte haben schon eigene Kinder.“ Das fällt in Deutschland unter Vergewaltigung Minderjähriger.

Forderungen

Cileli setzt sich für deutschen Islamunterricht an staatlichen Schulen ein. Sie meint so die Radikalisierung der „Hinterhöfe“ durch die Predigten aus den Koranschulen, welche meist noch in Arabisch sind, eindämmen zu können. Allerdings übersieht sie dabei, dass die übersteigerte Religionsfreiheit in Deutschland eine befürchtete Islamisierung kräftig unterstützt. Der Unterricht, der an einigen Schulen bereits eingeführt wurde wird hinter verschlossen Türen gehalten. Religion ist in diesem Land immer noch Privatsache, ganz gleich ob mit den Grundrechten vereinbar oder nicht.

Außerdem fordert die Autorin Änderungen im Asylrecht, ein Gesetz gegen Zwangsehe und weitreichendere Maßnahmen des staatlichen Zeugenschutzprogramms für vom Tode Bedrohte. Sie weist auf die unzureichenden finanziellen Mittel in dem Sektor Sozialarbeit hin und kritisiert bürokratische oder arbeitstechnische Vorgehensweisen.

Peri e. V.

Serap Cileli hat einen Verein für Menschenrechte und Integration gegründet und hilft so vor allem durch ein anonymes Online-Beratungsangebot betroffenen Frauen. Ihr Ziel ist es, ein spezielles Frauenhaus und Kriseneinrichtungen zu gründen und die bundesweiten Angebote zu vernetzen. Sie hat bisher vielen Frauen, teils sogar zur Flucht helfen können, dafür gebührt ihr Anerkennung und hoffentlich viel Unterstützung.

Serap Cileli: Eure Ehre - unser Leid. Ich kämpfe gegen Zwangsehe und Ehrenmord, blanvalet, 2008, 240 Seiten, ISBN-13: 978-3764503017, 14.95 Euro


AVIVA-Berlin

"Eure Ehre - unser Leid. Ich kämpfe gegen Zwangsehe und Ehrenmord." Von Serap Çileli

"namus" - das ist türkisch und steht für Ehre und gehört damit zu einem der wichtigsten Werte in der türkischen Familien- und Gesellschaftstradition.

Serap Çileli, vielen Leserinnen als Autorin des Buches "Wir sind eure Töchter, nicht eure Ehre" bekannt, hat ein neues Werk zum Thema geschrieben. Über die Unterdrückung muslimischer Frauen in patriarchisch gesprägten Gesellschaften, die sich in arrangierten Ehen, Zwangsheiraten, Kopftuchzwang und gar in Ehrenmorden zeigt.

Es ist ihr Lebensthema, denn sie selbst wurde Opfer einer Zwangsehe und häuslicher Gewalt. Nun versucht die Autorin anderen Frauen in Not den Weg zu weisen, sie aufzuklären und das tabuisierte Thema der deutschen Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Anhand ihrer eigenen Geschichte und vielen ausgewählten Fallbeispielen zeigt sie, dass die Unterdrückung muslimischer Frauen in Deutschland der Regel- und nicht der Ausnahmefall ist und von der vielbeschworenen Multikulti-Gesellschaft keine Rede sei kann.

Im Gegenteil: Das muslimische Leben spielt sich, laut Çileli, in einer Parallelgesellschaft ab, in der die Erhaltung der Familienehre als das oberste Gebot, unter Einsatz aller zur Verfügung stehenden Mittel, bewahrt werden muss. Schockierend an ihren Berichten ist dabei die Gleichmütigkeit der Mütter, Großmütter und Tanten, die selbst unterdrückt, ihren Töchtern in vielen Fällen nicht beistehen, sondern zu Komplizinnen der Männer werden.

Çilelis Unrechtsempfinden über die untergeordnete Stellung der Mädchen und Frauen in der türkischen Gesellschaft und ihre Wut über beispielsweise die erschütternde Bemerkung eines australischen Imams, der unverschleierten Frauen unterstellt, eine Vergewaltigung zu provozieren, lässt sie allerdings nie zu voreiligen Verurteilungen und Wertungen hinreißen. Das erfrischende und bereichernde an "Eure Ehre – unser Leid" ist ihr Versuch, auch die andere Seite zu verstehen und für das eigentlich unverständliche männliche Verhalten gesellschaftliche Ursachen zu finden.

Sie zeigt, dass auch die Männer eine Last zu tragen haben, dass Söhne ihren Vätern, Brüdern oder Cousins hinterher eifern, weil sie sonst aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Auch macht sie auf die Rolle der Religion aufmerksam, die in Bezug auf den Propheten Mohammed und eine seine Ehefrauen, die 9-jährige Aisha, eine Heirat mit Minderjährigen quasi per religiösem Gesetz legitimiert. Klare und kompromisslose Worte findet sie bezüglich der türkischen Regierungspartei AKP, die versuchte, das Kopftuchverbot aufzuheben und, laut Çileli, eine schleichende Islamisierung des Landes vorantreibt.

Erschütternd ist der letzte Teil des Buches, in dem die Autorin Schicksale muslimischer Frauen wie Zeitungsberichte aneinander reiht. Obwohl das Buch die Phänomene der Zwangsheirat und der Ehrenmorde, die uns Deutschen so fremd sind, begreiflicher machen konnte, drängt sich angesichts der Grausamkeit der Taten das "Warum" auf, das als Antwort nur die Sinnlosigkeit des Geschehenen kennt.

AVIVA-Tipp: Serap Çileli ist es gelungen, ein erschütterndes und berührendes Buch zu schreiben, das durch die Fallbeispiele zugleich anschaulich und durch Exkurse zur türkischen Geschichte, Gesetzgebung und Familientradition erklärend und aufklärend wirkt.

Zur Autorin: Serap Çileli, am 29. Januar 1966 in Mersin, Türkei geboren, kam mit acht Jahren nach Deutschland und wurde mit 15 Jahren in die Türkei zwangsverheiratet. Sie ist eine der ersten Frauen, die sich öffentlich gegen die Unterdrückung muslimischer Frauen einsetzte und ihre eigene Geschichte publik machte. Für ihr Engagement erhielt sie unter anderem im Jahre 2005 das Bundesverdienstkreuze am Bande. Ende 2007 gründete Serap Çileli den Verein "peri e.V." (deutsch: "Die gute Fee"), der sich für Menschenrechte und Integration stark macht. Vor allem Frauen mit Migrationshintergrund, die sich in Konflikt- und Notsituationen befinden, können sich an "peri e.V." wenden. Im Internet kann der Verein unter folgender Seite aufgerufen werden: www.peri-ev.de. Heute lebt sie unter anonym gehaltener Adresse im Odenwald.

Eure Ehre – unser Leid
Serap Çileli
Blanvalet Verlag, erschienen September 2008
240 Seiten
ISBN 978-3764503017
14,95 Euro

 
   
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