11.05.2006
/ 12. CDU Fraktions Forum
Christean Wagner: „Nicht
der Türke mit deutschem Pass ist das Ziel gelungener Integration,
sondern der Deutsche türkischer Herkunft“
Dr. Christean Wagner, Fraktionsvorsitzender
Die FraktionsForen der CDU-Fraktion
im Hessischen Landtag sollen „Bewusstsein herstellen und die Komplexität
von Problemen beleuchten", so das erklärte Ziel des Fraktionsvorsitzenden,
Dr. Christean Wagner. Am Freitag diskutierte das 12. FraktionsForum
Fragen der Integration. Aktueller hätte das Thema nicht sein können:
die Innenministerkonferenz in Garmisch-Partenkirchen hatte an diesem
Tag ihren Beschluss zur bundeseinheitlichen Regelung der Einbürgerung
gefasst. In Wiesbaden diskutierte eine hochkarätige Besetzung das
Thema unter dem Dach „Deutsches Lebensgefühl von Kopf bis
Fuß. Sprach- und Wissenstest, Schlüssel zur Integration“.
Zu Gast bei der CDU-Fraktion waren die Staatsministerin Prof. Dr. Maria
Böhmer, die Frauenrechtlerin Serap Çileli, der Europaabgeordnete
der Grünen, Cem Özdemir und der Soziologe Prof. Dr. Hartmut
Esser.

„Ich bin in hohem Maße
zufrieden mit dem Beschluss der Innenministerkonferenz", erklärte
Fraktionschef Wager bei seinem Grußwort und sagte weiter „Innenminister
Volker Bouffier hat die Debatte angeleitet und mit die maßgeblichen
Akzente für das heutige Ergebnis gesetzt“. Das Modell zur
Einbürgerung enthalte die wesentlichen hessischen Positionen angemessen.
„Es wird einen Einbürgerungskurs geben, das dort erworbene
Wissen wird verpflichtend abgeprüft werden. Das alles sind hessische
Forderungen“, erläuterte der CDU-Politiker. „Wir werden
hier in Hessen zudem die Eidesleistung verlangen. Auch diese Möglichkeit
ist in dem Beschluss der Innenministerkonferenz ausdrücklich vorgesehen.
Damit ist der von uns angedachte Dreiklang ‚Kurs-Test-Eid' als
Bedingung für funktionierende Einbürgerung erreicht“,
stellte Wagner klar.
„Jeder Staatsangehörige hat Rechte und Pflichten und diese
sollte jeder auch kennen, um diese auch wahrnehmen zu können“,
so Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer, die Innenminister Bouffier
beim Pressegespräch zum Forum ausdrücklich lobte: „Hessen
hat den Weg mitgedacht und sich die entscheidenden Gedanken gemacht,
wie es denn geht.

Oben: Interessierte Zuhörer
(v.re.): die Bundestagsabgeordnete Kristina Köhler, Fraktionsvorsitzender
Dr. Christean Wagner sowie die Landtagsabgeordneten Anne Oppermann und
Günter Schork
Unten: Auf dem Podium: Prof. Dr. Maria Böhmer MdB,
Staatsministerin im Bundeskanzleramt, Beauftragte für Migration,
Integration und Flüchtlinge, Serap Cileli, Schriftstellerin, Professor
Dr. Hartmut Esser, Professor für Soziologie und Wissenschaftslehre
an der Universität Mannheim und Cem Özdemir, Mitglied des
Europäischen Parlamentes.

Serap Çileli
„Aus meiner Sicht sprechen wir von Integration unserer muslimischen
Mitbürger, die in ihrer eigenen Welt zurückgeblieben sind.
Ich meine damit Familien, die ihre Stammeskultur, ihre traditionellen
Werte, ihre Sprache wie auch ihre patriotischen Normen beibehielten.
Und ich kämpfe auch gegen diese Familienstrukturen. Denn gerade
in diesen Familien erfahren muslimische Frauen oft Menschenrechtsverletzungen.
Meine Forderung an die Politik, die Integration einschließlich
der deutschen Sprache und die Emanzipation der ausländischen Frauen
zu fördern und damit ihr Selbstbewusstsein zu stärken.
Bei den Importbräuten mache ich oft die Erfahrung, dass viele von
denen schon in der Türkei eine höhere Schulbildung als ihre
Gatten hier in Deutschland erzielt haben. Ich finde es sehr tragisch,
dass wir das Potenzial dieser Frauen hier in Deutschland gar nicht nutzen
können. Wir müssen uns mehr darauf konzentrieren, wie wir
dieses Potenzial für uns gewinnen können. Wir haben bereits
Frauen, die ein Beispiel für die erfolgreiche soziale Integration
sind. Eine Integration durch bereits integrierte Migrantinnen ist sehr
wichtig, wir müssen sie nur mehr als Vorbild an die Öffentlichkeit
bringen und sie dabei unterstützen. Damit die restlichen Frauen
ihre Angst, ihre Frustration und das Desinteresse an einer Integration
bei Seite legen und unsere Angebote annehmen.
Meiner Meinung nach sollten wir das Nachzugsalter von ausländischen
Kindern von den festgelegten 16 Jahren auf sechs Jahre herabsetzen.
Denn es gibt einige türkische Familien, die ihre Kinder kurz vor
der Einschulung gezielt in die Türkei schicken und erst dort die
Schule durchlaufen lassen. Manche sogar in die religiösen Predigerschulen
schicken. Kurz vor ihrem sechzehnten Lebensjahr kommen diese Jugendlichen
zurück nach Deutschland und da haben wir die Arbeitslosen der Zukunft.
Wir brauchen auch Ganztags-Schulen, so dass Jugendliche mit Migrationshintergrund
mehr Zeit in den Schulen verbringen und mehr Kontakt zu den deutschen
Mitschülern haben. Wir müssen diesen Jugendlichen in den Schulen
gezielte Sprachförderung anbieten. Weiterhin dürfen wir keine
Korankurse erlauben, damit Jugendliche dort nicht indoktriniert werden
und somit keine Schwierigkeiten haben sich an unsere Gesellschaft anzupassen.
Tagtäglich beobachten wir eine steigende Tendenz bei der Islaminisierung
der türkischen Gesellschaft. Wir müssen dagegen steuern. Zum
Beispiel, indem wir die Bekämpfung des Islamismus in die Förderprogramme
aufnehmen, Zwangsverheiratung als eigenen Straftatbestand festlegen
oder das Jugendstrafrecht für die sogenanten Ehrentäter verschärfen.
Vielleicht sollten wir sogar denen, die eine Integration verweigern,
mit Sanktionen drohen. Mit Gesetzen können wir natürlich nicht
alles ändern, aber damit signalisieren wir, dass die Menschenrechtsverletzung
in Deutschland nicht geduldet wird.“
Zitat Serap Çileli
„Es ist sehr wichtig zu einem respektvollen und aufrichtigen wie
auch friedlichen Miteinander hier in Deutschland zu kommen. Aber auch
ein berechtigtes Leben von Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund
in Deutschland zu gewährleisten. Für eine erfolgreiche Umsetzung
der Integration in der dritten Generation muss ein Mentalitätswandel
der muslimischen Gesellschaft als auch der deutschen Gesellschaft vorangetrieben
werden.“
Link: http://www.cdu-fraktion-hessen.de/fraktion_home/details.cfm?nr=5004
06.05.2006
/ Echo- Online
„Integration ist keine Einbahnstraße“
CDU-Fraktionsforum: Roger Lenhart
leitet in Wiesbaden Diskussion über Einbürgerungstest
„Wir sind mit dem Ergebnis
in hohem Maße zufrieden. Es ist im Wesentlichen das, was Hessen
vorgegeben hat. Wir sind froh, dass es jetzt ein einheitliches Verfahren
für ganz Deutschland gibt“, kommentierte der CDU-Fraktionsvorsitzende
im Hessischen Landtag, Christean Wagner die Ergebnisse der Deutschen
Innenministerkonferenz vom Vorabend in einem Pressegespräch mit
dem ECHO.
Der gestrige Beschluss zur Integration
ausländischer Mitbürger lag zufällig zeitgleich mit dem
zwölften Fraktionsforum der CDU-Landtagsfraktion zum gleichen Thema
„Deutsches Lebensgefühl von Kopf bis Fuß - Sprach-
und Wissenstest - Schlüssel zur Integration“ im Wiesbadener
Kulturforum. Unter der Moderation von Roger Lenhart (Integrationspolitischer
Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag und Vorsitzender der CDU in Rüsselsheim)
stand ein hochkarätiges Podium bereit: Die Staatsministerin im
Bundeskanzleramt, Professor Maria Böhmer, Beauftragte für
Migration, Integration und Flüchtlinge, Cem Özdemir, Mitglied
des Europa-Parlamentes (Grüne), die Schriftstellerin und Menschenrechtlerin
Serap Cileli, und Professor Hartmut Esser von der Fachschaft für
Soziologie und Wissenschaftslehre an der Universität Heidelberg.
Die hohe Bedeutung der Veranstaltung
wurde dadurch deutlich, dass mehrere Fernsehteams berichteten und Vertreter
des diplomatischen Corps und des Bundestages anwesend waren.
„Integration ist keine Einbahnstraße“,
sagte Wagner, sie setze die Bereitschaft von beiden Seiten voraus. Allerdings
gäbe es einige „unabdingbare Voraussetzungen“: die
Beherrschung der Deutschen Sprache sowie ein klares Bekenntnis zur Verfassung
und den Werten der Gesellschaft.
Serap Cileli ergänzte, der
westliche Wertekanon verhindere die Diskriminierung der Frauen, ihre
Unterdrückung und ihren Leidensweg. Integration fördere und
bestärke muslimische Frauen in ihrer Emanzipation. Deshalb gelte
es, „einen Mentalitätswandel“ auch in der türkischen
Gesellschaft voranzutreiben.
Der Islamisierung der türkischen
Gesellschaft müsse in den Förderprogrammen entgegengewirkt
werden, um Zwangsheiraten und Ehrenmorde zu verhindern. „Das ist
eine Diskriminierung der Mehrheitsgesellschaft“, beurteilte sie
unter dem Applaus des Publikums, und sie forderte eine Verschärfung
des Jugendstrafrechtes in diesem Punkt.
Roger Lenhart deutete den Innenministerbeschluss
als „Einbürgerung für die, die bereits integriert sind“.
Einbürgerungskurse gelten nun bundeseinheitlich, betonte Maria
Böhmer, nicht um sie abzusitzen, sondern sie erfolgreich abzuschließen,
weshalb eine Prüfung für Bewerber um die Deutsche Staatsbürgerschaft
zur Pflicht gehöre. Böhmer berichtete von dem Projekt „Brückenbauer“
zweier Türken in Ludwigshafen, die ihren Landsleuten Deutsch beibringen,
weil sie erfahren haben, wie wichtig Sprachkenntnisse sind.
Wichtig sei auch die Zusammenarbeit
von Elternhaus und Schule. Sprachvermittlung müsse schon im Kindergarten
beginnen „und zwar flächendeckend“, sonst könnten
die Kinder später dem Unterricht nicht folgen.
Cem Özdemir sieht im Bildungsproblem
und der Arbeitslosigkeit die Haupthürden für ein gutes Zusammenleben.
Man solle weniger Ideologie und mehr Pragmatismus walten lassen. Es
gelte alle zu stärken, die auf der Grundlage der Verfassung das
Integrationsproblem lösen wollten. Hier sollten auch die Verbände
zum Beispiel von Juden und Muslimen mit in die Pflicht genommen werden.
Imame sollten deshalb hier bei uns ausgebildet werden, und Religionsunterricht
für Muslime an den Schulen sei notwendig, um den Koranschulen entgegenzuwirken.
Professor Esser sah „das
Problem bei den ausländischen Unterschichten; es ist doch nicht
so, dass diese bei der Einbürgerung Schlange stehen“, aber
sie verursachten die größten Sorgen, während diejenigen
im Wesentlichen schon integriert seien, für die jetzt die Innenminister
ihren Beschluss gefasst hätten. Die zweite und dritte Generation
habe „einen enormen Sprung gemacht“ und viele würden
sich bereits integrieren, während der Eindruck einer dauerhaften
Problemgruppe entstehe, weil neue Migranten ins Land kämen. Das,
so Esser, sei gewissermaßen der „Nettoertrag“.
Wagner betonte gegenüber
dem ECHO, dass nunmehr das verbindlich sei, was den hessischen Vorstellungen
entsprochen habe. Wo Spielraum sei, werde Hessen diesen nutzen. So werde
man etwa auf dem „Eid“ bei der Einbürgerung bestehen.
06.05.06
/ Deutsches Lebensgefühl von Kopf bis Fuß
Sprach- und Wissenstest –
Schlüssel zur Integration
(06.05.06) Roger Lenhart, Rüsselsheimer
Abgeordneter und Integrationspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im
Hessischen Landtag, moderierte am Freitag, dem 5.5.2006 eine Forums-Diskussion
zum Thema Integration und Staatsbürgerschat. In der Begrüßung
machte der Fraktionsvorsitzende Christean Wagner auf die Doppelgleisigkeit
des Begriffs Integration aufmerksam. Integration sei erstens eine Bringschuld
derjenigen, die hierher kämen, aber auch eine Pflicht derjenigen,
die hier schon immer gelebt hätten. Auch im Hessischen Integrationsrat,
einem Kommunikationsforum aller Beteiligten, sei klar, dass nur der
eingebürgert werden könne, der bereits integriert sei. Die
Teilnehmer auf dem Podium waren und sagten:
Cem Özdemir, Europa-Abgeordneter der Grünen: ‚Mehr von
uns müssen nach vorne und zwar in allen Parteien; Integrationsfiguren
sind von entscheidender Bedeutung.’

Im Bild: Serap Cileli und Roger Lenhart MdL
Serap Cileli, Schriftstellerin
und selbst Opfer einer Zwangsheirat: ‚Wir sind eure Töchter,
nicht eure Ehre. Integration heißt für mich Emanzipation,
weg von den althergebrachten Familienstrukturen, patriarchalischen Machtverhältnissen
und überholten Ehrbegriffen. Legen Sie den Augenmerk auf das Problem
der Importbräute; integrierte Frauen müssen sich als Vorbilder
engagieren; ein Mentalitätswandel auf beiden Seiten ist notwendig.’

Im Bild: Maria Böhmer und cem Özdemir
Maria Böhmer, Staatsministerin
für Integration im Bundeskanzleramt: Wir müssen jetzt eingreifen,
z.B. in den Berufsschulen; wir müssen klare Forderungen und klare
Anforderungen stellen und in gleichem Maß fördern. Wir brauchen
eine Beschränkung des Zuzugsalters; die mit 16 oder 18 hierher
kommen und kein Deutsch können, werden die Arbeitslosen von Morgen
sein
Link: http://www.roger-lenhart.de/archiv2006/2006_05_06_fraktionsforum.htm
Die Österreichische Volkspartei
14.10.2005
/ Konferenz über Zwangsheirat, Ehrenmorde
und Genitalverstümmelung in Wien
"Viele Migrantinnen, die
in der Europäischen Union leben, werden Opfer traditionsbedingter
Gewalt, oder sind zumindest davon bedroht. Die "Praktiken traditionsbedingter
Gewalt" (harmful traditional practices) reichen von Zwangsheirat
über Genitalverstümmelung (FGM) bis zu den Morden im Namen
der Ehre. Wir EVP Frauen haben dafür kein Verständnis",
sagte die deutsche Abgeordnete zum Europäischen Parlament und Vorsitzende
der Frauen der Europäischen Volkspartei (EVP-Frauen), Doris Pack.
Die christdemokratische Europaabgeordnete nimmt gemeinsam mit rund 50
EVP- Funktionärinnen aus 25 Ländern an einer von den EVP Frauen
und dem österreichischen Frauenministerium gemeinsam veranstalteten
eintägigen Konferenz zum Thema "Maßnahmen gegen traditionsbedingte
Gewalt an Frauen" im österreichischen Parlament teil.
Prominente
Opfer referieren gegen Gewalt
Referentinnen bei der Konferenz
sind unter anderem die in Österreich lebende Somalierin Waris Dirie
und die aus der Türkei stammende Serap Cileli, beide prominente
Opfer von und Aktivistinnen gegen traditionsbedingte Gewalt. Sie schildern
die schweren Menschenrechtsverletzungen durch weibliche Genitalverstümmelung
und Zwangsverheiratung und die Ehrenmorde.
'Best practice'-Maßnahmenmodelle
Im Anschluss an die Präsentation
der Maßnahmen durch vier der sechs Ministerinnen werden best practice-Modelle
aus den Bereichen Migrantinnenberatung, Polizeiarbeit und Justiz vorgestellt.
Rauch-Kallat
proaktiv gegen Gewalt
Neben der Förderung der Arbeit
von Betroffenen für Betroffene seien gesetzliche Verbote eine Grundlage
für die Bekämpfung dieser Menschenrechtsverletzungen, aber
sie bräuchten noch zusätzliche Maßnahmen, erläuterte
Pack. Alle Ministerien, die diese Maßnahmen setzen können,
würden in Österreich von Frauen geleitet. "Ich finde
die Initiative von Frauenministerin Maria Rauch-Kallat, hier gemeinsam
mit ihren Regierungskolleginnen ein Maßnahmenpaket gegen die Verletzung
von Frauenrechten zu schnüren, bahnbrechend", so Pack weiter.
Im Anschluss an die Konferenz werden die EVP Frauen über eine gemeinsame
Erklärung gegen die traditionsbedingte Gewalt an Frauen beraten
und abstimmen. "Die EVP Frauen werden die Botschaft in ihren Ländern
und ihren Wirkungsbereichen weiter tragen." Die koordinierte Vorgangsweise
der österreichischen Ministerinnen habe Vorbildwirkung und werde
von den EVP Frauen nicht nur voll unterstützt, sondern "zur
Nachahmung empfohlen", schloss Pack.
Ministerinnen:
Geschlossen gegen Gewalt
Die Europäische Volkspartei
setzt mit ihrer heutigen Konferenz im österreichischen Parlament
einen weiteren Schwerpunkt gegen Zwangsheirat, Ehrenmorde und Genitalverstümmelung
gegenüber Frauen. Die österreichische Bundesregierung nimmt
dieses Thema so ernst, dass alle Ministerinnen von ÖVP und BZÖ
geschlossen an dieser EVP-Frauenkonferenz teilnehmen und dazu auch konkrete
Aktivitäten für die österreichische EU-Präsidentschaft
und bei der UNO vorbereiten, stellte ÖVP-Justizsprecherin Abg.
Dr. Maria Fekter fest.
Erschütternde
Berichte
Mit erschütternden Berichten
wurde dokumentiert, dass Zwangsheirat, Ehrenmorde und Genitalverstümmelungen
auch in westlichen Gesellschaften in einem erschreckenden Ausmaß
vorkommen. Außenministerin Ursula Plassnik dazu: "Niemals
wegsehen, niemals aufgeben." Für Fekter ist es daher äußerst
unpassend, wenn die Grüne Abgeordnete Weinzinger diese wichtige
Veranstaltung verunglimpft. Fekter hätte sich von den Grünen
eine konstruktive Mitarbeit an diesem Dialog erwartet, anstatt Unwahrheiten
zu verbreiten und scheinheilige Kritik anzubringen. Sie fordert die
Grünen auf, im Interesse der Frauen hier mehr Solidarität
zu zeigen.
Internationale
Zusammenarbeit sichert Hilfe
"Maßnahmen zur Bekämpfung
von Gewalt gegen Frauen stellen einen wichtigen Aspekt der österreichischen
Außenpolitik dar", erklärte Außenministerin Ursula
Plassnik. "Für mich ist das Außenpolitik konkret, die
nicht nur in der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, sondern
auch bei unserer Arbeit auf UNO-, OSZE-, Europarats- und EU-Ebene ihren
Niederschlag findet. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den betroffenen
Frauen zu arbeiten, damit sie in ihren Gesellschaften eine aktive Rolle
spielen können, ob in der Familie, in der Politik oder in der Wirtschaft;
damit sie dabei sind, wenn Entscheidungen getroffen werden“, so
die Außenministerin weiter. "Frauen in allen Ländern
und in allen sozialen Schichten sind von verschiedenen Formen von Gewalt
betroffen und brauchen Hilfe. Ihnen zu helfen ist mir ein politisches
aber auch persönliches Anliegen", erklärte Plassnik abschließend.
Link:
http://www.oevp.at/artikel.aspx?where=14043&bhcp=1
13.09.2005
- Rubrika: Islám- Autor: Olga Ryantová
Rozhovor se Serap Cileli o vradách
ze cti, multikulturalismu a pristehovalcích
Na zacátku minulého
týdne byla nemecká spisovatelka a ochránkyne lidských
práv, Serap Cileli (39), ocenena nejvyšším státním
vyznamenáním - Rádem za zásluhy Spolkové
Republiky Nemecko. V roce 1999 vydala knihu „Wir sind eure Töchter,
nicht eure Ehre", v ní zpracovala téma vrady
ze cti, nucených manelství, enských
práv a paralelní spolecnosti. Svedectví zverejnená
v knize vyvolala spolecenskou diskusi. Její odvaha inspiruje
mnohé ochránce lidských a enských
práv. Pres casté výhruky ze strany konzervativních
islamistických kruhu pokracuje neúnavne v boji proti nuceným
manelstvím. Usiluje o propojení jednotlivých
organizací v rámci spolkové republiky. Aktivne
spolupracuje s enskými organizacemi i mezinárodní
„Terre des Fammes“. Sama se venuje jednotlivým prípadum,
zprostredkovává umístení v enských
domovech a dalších institucích, které poskytují
péci ohroeným enám. Diskuse porádané
na školách, v zarízeních pro mladistvé
i v samotných jsou soucástí její práce
zamerené predevším na prevenci. Na svých stránkách
zverejnila rozhovor pro Wiesbadener Kurier s Christophem Cuntzem.
Otázka:
Paní Cileli, rodice vás chteli ve dvanácti letech
provdat a vy jste se kvuli tomu pokusila o sebevradu. Nakonec
vás provdali v patnácti do Turecka. Jak je vlastne dívce,
která se proti své vuli stane manelkou o deset let
staršího mue? Serap
Cileli: Mela jsem velký strach a
pocitovala beznadej. Nevedela jsem, co se bude dít. Také
me nikdo nepoucil o sexualite ani o manelství, co
je v tureckých rodinách typické. Vdy platilo:
"Musíš být poslušná a nesmíš
odporovat svému mui". Mela jsem delat to, co ode me
manel ocekává. Poslušnost bylo jediné
útocište. Vdy jsem musela poslouchat rodinné
príslušníky.
Otázka:
Jaký byl ivot s vaším muem?
Cileli: Vyrostla jsem v Nemecku a mela
monost poznat i jiní alternativy, alespon prostrednictvím
mých spoluákum. ivot v Turecku, s muem,
kterého jsem neznala ani nemilovala, byl peklem. S tím
jsem se nechtela smírit. Nikdy jsem neprestala doufat, e
manelství ukoncím.
Otázka:
Jsou v Turecku donucená manelství pravidlem nebo
spíše výjimkou?
Cileli: Jsou spíše pravidlem,
i zde (v Nemecku, pozn. prekl.) mezi turecko-muslimskými pristehovalci.
Otázka: Jakou
roli pri tom hraje náboenství, islám?
Cileli: Islám vyzývá
mladé lidi k snatku a k tomu, abyste vstupovali do manelství
neposkvrnení. Platí to sice pro obe pohlaví, v
praxi se to ale ocekává hlavne od en.
Otázka: Lze
najít takové informace v Koránu?
Cileli: Ano. Chcete-li slouit Alláhovi,
musíte uzavrít snatek, to u je pul náboenství...
Otázka:
Dovoluje Korán snatek nezletilých detí?
Cileli: Islám prohlašuje mladé
lidi za pripravené vstoupit do manelství, jakmile
dosáhnou puberty. V tomto období mladí lidé
obvykle uzavírají snatek. Stejným zpusobem to probíhá
i v Nemecku. Z islámské perspektivy jsou to poehnaná
manelství, nebot jsou uzavrena po vzoru Proroka Muhameda.
On sám se v padesáti letech oenil s devítiletou
Áišou.
Otázka:
Napsala jste knihu o svých zkušenostech a poskytujete poradenství
mladým Turkyním ijícím Nemecku. Co
je jejich hlavním problémem?
Cileli: Od roku 1994 jsem se venovala více
ne 150 dívkám, ale i chlapcum. V 90% jim hrozilo
nebo byli proti své vuli provdány a oeneni.
Otázka:
Jak jim muete pomoci?
Cileli: Musíte brát váene
jejich strach. To v jejich rodine chybí. Nemají zde ádnou
osobu, které by duverovali a která by jim naslouchala.
V rámci rodiny panují pouze patriarchální
islámská pravidla, která musí být
dodrována. Já se však také snaím
dívkám a chlapcum pomoci rešit problém v rámci
rodiny, protoe jakmile utecou z domova, proávají
horkou bezmoc. Cítí se provinile. Mnozí z nich
se proto vrátí domu, kde však zaplatí vysokou
cenu...
Otázka:
... donutí je uzavrít snatek?
Cileli: Ano. A také vysokou cenu
mlcení a poslušnosti.
Otázka: Vy
znáte príbeh Gönül Karabey. Tuto dvacetiletou
dívku zastrelil její vlastní bratr, protoe
se zamilovala do Nemce. Pribývá techto vrad vykonaných
ve jménu rodinné cti?
Cileli: K temto tzv. vradám
ze cti dochází v rodinách imigrantu ji od
50 let. My jsme si toho jen nevšímali. Verejnost však
po vrade nizozemského reiséra van Gogha zpozornela.
Teprve potom Evropa zaznamenala utrpení muslimských en.
Tzv. vrad ze cti nepribývá. Dely se vdy. Ale
i tak to jsou extrémní prípady. Starám se
o dívky a eny, které rodina vyhodila z domu. Vyhroovala
jim vradou ve jménu cti a ony ted musí ít
v trvalé anonymite.
Otázka:
Co je to za mue, kterí bijí své eny,
zavírají, vyhroují nebo dokonce zabíjejí
ve jménu cti?
Cileli: Otázka manelství
hraje (i islámské spolecnosti) rozhodující
roli. Z pohledu stredoevropana je to nepochopitelné. Jde o moc.
O muskou moc, která musí být za kadou
cenu udrena. Mnozí ríkají, e vrady
ze cti a donucená manelství nemají s islámem
spolecného. Já tvrdím: Za vrady a snatky
nesou zodpovednost patriarchální tradice a struktury.
Tyto tradice však ovlivnuje islám. V konecném dusledku
eny jsou indikátorem cti. Cest znamená její
cudnost a pannenství. Z pohledu mue sexuální
chování eny definuje cest rodiny. Otázky:
Jsou to silní nebo slabí mui?
Cileli: Jsou to zbabelí mui,
kterí nemají odvahu. V mých ocích nemají
ádnou hrdost. Ani bych je nepovaovala za lidi. Jsou
to macha, kterí vlastní enu jako majetek a utlacují
ji.
Otázka:
Znáte reakce tureckých tradicionalistu na násilnou
smrt Gönül Karabey?
Cileli: Samozrejme jsou tací, kterí
schvalují smrt Gönül Karabey. Dokonce se jedná
o mlcící vetšinu, o které verejnost nic neví.
Behem prednášek na školách jsem si všimla,
e dokonce mladí Turci souhlasili s tzv. vradami ze
cti. Nejde o výjimecné prípady. Tito mladí
lidé mají vymytý mozek ji z rodiny, ale také
z kurzu v koránových školách, které
navštevují o víkendech.
Otázka:
Lze se s tímto postojem setkat stále casteji ci jej mláde
stále více odmítá.
Cileli: Integrace se nezdarila. Ani nevím,
zda vubec zacala. Tento postoj, zpusob myšlení, ci mentalita
se spíše rozširuje, protoe dochází
k významnejší islamizaci tureckých spoluobcanu
v Nemecku. Vidím v tom velké nebezpecí. Pokud nezakrocíme
nyní, tretí a ctvrtá generace mladých pristehovalcu
bude schvalovat vrady ze cti.
Otázka:
Co mue udelat Nemecká spolecnost, aby podporila integraci
a predevším chránila mladé eny?
Cileli: Nemci se musí vzdát
své naivní tolerance. To je z mého pohledu velmi
duleité. Dlouho nás ucili o idyle multikulturalismu.
Ta však nefunguje. Musíme radikálne zmenit myšlení
a pochopit jedno - máme zde problém s urcitou skupinou.
Nechci vec zobecnovat. Podotýkám, e ne všechny
muslimsko-turecké rodiny v Nemecku zachovávají
patriarchální struktury. Jde o urcitou nemalou skupinu,
která se kadým dnem rozrustá. My musíme
navázat s temito lidmi dialog. Musíme zde zvýšit
informovanost. Nejenom ve školách. Musíme tento zpusob
myšlení, tuto mentalitu znicit v jejím zárodku,
tak, e budeme pusobit prímo na rodinách. K tomu
potrebujeme nemecko-turecké spolecnosti zaloené
na chápání naší demokracie.
Otázka: Ale
školy jsou prece klícem k temto rodinám.
Cileli: Ano, ale preventivní práce
škol musí být podporena tureckými sdrueními.
Ucitele to sami nezvládnou. Dokonce se stává, e
ucitel je ve sporu s tureckým machem, ale jeho kolegové
ho usmernují: „neblbni, ješte nás osocí
z rasové nesnášenlivosti…“ Školy
a ucitelé musí projevit více odvahy a zverejnit
konflikty, které reší s áky pristehovalcu.
Temto mladým lidem je nutné stanovit hranice. Pokud to
nebude stacit, musí prijít na radu tvrdší
zákony. Nucená manelství musí být
napr. stíhána. Partner nesmí pricestovat do Nemecka,
pokud nedosáhne 21 let a ne ho prijmeme, musí umet
nemecky.
Otázka: Oponovat
tureckým konzervativcum zrejme vyaduje odvahu moderních
a otevrených Turku v Nemecku postavit se verejne proti tomuto
stavu.
Cileli: Ano. Tuto odvahu bohuel mnoho
integrovaných migrantu v Nemecku neprojevuje. Apeluji na své
spoluobcany, kterí smýšlí demokraticky a zaclenili
se do spolecnosti: Potrebujeme vaši podporu a musíme prestat
být zbabelí. Musíme se verejne prihlásit
a podporit právo en na sebeurcení
Link: http://www.eurabia.cz/index.php?pagenum=2
Tatmotiv Ehre –
Nein zu Gewalt an Frauen und Mädchen
Weltweit wird Frauen mit dem Verweis
auf ihre Ehre ein selbstbestimmtes und freies Leben verweigert. So werden
minderjährige Mädchen von ihren Eltern gezwungen, einen um
Jahre älteren Mann zu heiraten, den sie nie zuvor gesehen haben.
Andere werden von nahen männlichen Verwandten mit Benzin übergossen
und angezündet, weil sie angeblich die Ehre ihrer Familie verletzt
haben.
Link: http://www.frauenrechte.de/themen/ehrgewalt
Der Tradition geopfert:
Wir sind Eure Töchter, nicht Eure Ehre!
Auch in Deutschland
werden Zwangsheiraten durchgeführt. Viele Frauen führen ein
Doppelleben zwischen rigiden Familienregeln einerseits und der freien
Gesellschaft andrerseits. Hin und wieder schaffen die jungen Frauen
den Weg in eine Beratungsstelle und können ausbrechen. Doch die
Dunkelziffer ist hoch.
Serap Cileli erzählt die
Geschichte einer türkischen Frau, die mit der Tradition Ihres Heimatlandes
gebrochen hat, um Anspruch auf ein gleichberechtigtes Leben zu erheben.
Ihre schmerzlichen Erfahrungen beginnt sie mit sechsundzwanzig zu analysieren,
als sie aus der Einflusssphäre ihrer Eltern in ein Frauenhaus flüchtete
und dort mit ihren Kindern etwa 16 Monate lebte.
Ihr Bericht ist eine Kampfansage an die überkommene Tradition,
an die Väter und Familien, die den eigenen Weg der Frau nicht dulden
wollen und können. Ihr Bericht schildert die Auseinandersetzungen,
die nicht nur "Hinten weit in der Türkei", sondern in
unserem Nachbarhaus stattfinden.
Link: http://www.nahost-politik.de/tuerkei/frauen.htm
Offener Brief
an die
Integrationsbeauftragte Frau Marieluise
Beck,
die Frauenministerin Frau Renate Schmidt
und die Justizministerin Frau Brigitte Zypries
Link: http://www.isioma.net/sds06203.html
Die Ausländerbeauftragte
der Landesregierung Baden- Württemberg
Dokumentation der Fachtagung
Zwangsheirat – Maßnahmen
gegen eine unehrenhafte Tradition.
Link: http://www.jum.baden-wuerttemberg.de
(PDF-Datei)
Zwangsheirat - Erzwungene Eh(r)e
Text: Ulrike Büttner
Die Frauenrechtlerin und Buchautorin
Serap Cileli aus dem Odenwald hat es gewagt, sich aufzulehnen.
Link: http://www.deg.uni-bremen.de/presse/671.html
Initiative "Serap!"
Gründerin und Admin dieser Initiative ist: Praxagora (Michaela)
Link: http://www.dol2day.com/index.php3?position=14000&ini_id=2593
NEON Magazin
31.03.04 / Artikel von Chela / User
... und es geht auch uns was an!
"Ich schäme mich
dafür! Und Ihr?" So lautete die Überschrift, die mich
aufrütteln sollte...
„Ich schäme mich dafür!
Und Ihr?“ So lautete die fettgedruckte Überschrift, die mich
dazu brachte, mir den darunter stehenden Forenbeitrag genauer anzuschauen.
Verfasst wurde er vor etwa zwei Jahren von einer Frau, von der ich bis
zu diesem Zeitpunkt noch nie etwas gehört oder gelesen hatte. Ihr
Name ist Serap Cileli.
In ihrem Beitrag stellte sie das „Wegschauen und Dulden“
der türkischen Regierung, insbesondere ihrer weiblichen Vertretung,
an den Pranger. Sie schämte sich für die Selbstverständlichkeit,
mit der regelmäßige Untersuchungen der Jungfräulichkeit
von Mädchen und Frauen durch türkischen Frauenärzte für
die „Ehre der Familie“ geduldet und unterstützt wurden.
In der Türkei kein Phänomen, doch in unserer demokratisch
freien Gesellschaft ein Tabu? Keinesfalls! Auch in Deutschland wird
von dieser Sitte nicht Abstand genommen. Auch in Deutschland lebende
Mädchen und Frauen müssen in vielen Fällen diese erniedrigende,
intime Prozedur über sich ergehen lassen. Das behauptete jedenfalls
die mir unbekannte Serap.
Ich erinnerte mich an ein Ereignis aus meiner Schulzeit. Drei meiner
türkischen Freundinnen offenbarten mir auf Nachfrage schon mal
eine Wahrheit, die bei mir Fassungslosigkeit hinterließ. Halbjährlich
mussten sie zum Frauenarzt, um ihre Jungfräulichkeit „überprüfen“
zu lassen. Ich bekam in den ersten Minuten kein Wort heraus und starrte
sie mit offenem Mund an. „Es ist normal!“, sagten sie, lachten
und warfen unbekümmert den Kopf zurück. Keine der drei Mädchen
trägt bis heute ein Kopftuch, sie gingen mit mir zur Schule, strebten
eine kaufmännische Ausbildung an, die sie auch verwirklichten.
Sie trugen Jeans und moderne eng anliegende Oberteile. Meral legte mir
die Hand auf die Schulter, lachte mich an und sagte, dass sie ja nichts
zu befürchten hätten. Sie „haben“ ja nichts mit
Jungs. Es war normal. Für diese Mädchen! Und für mich?
Für mich war es nicht normal. Aber ich hielt mich für tolerant
genug, um es zu akzeptieren. Andere Länder, andere Sitten...
Als ich Serap’s Beitrag
las, schämte ich mich auch.
Ich schämte mich dafür, dass ich es einfach akzeptiert hatte.
Damals.
Ich schrieb Serap an. Ich informierte mich über ihre Arbeit und
ihr Engagement, erfuhr vieles, dessen Tragweite an Menschenrechtsverletzung
mir bis dahin nicht bewusst war. Ich wollte ihr helfen. Sie schrieb
mir, dass es schon eine große Hilfe wäre, wenn ich bei Freunden
und Verwandten einfach mal die Situation türkisch-muslimischer
Frauen ansprechen würde. Die Tatsachen in unser Bewusstsein rufen;
das wäre schon eine Hilfe. Sie empfahl mir für weitere Informationen
ihre Homepage.
Durch ihre Homepage erfuhr ich, dass Serap ein Buch geschrieben hat.
Das Schicksal von Serap hat mich tief bewegt. Eine weitere Erinnerung
trat, während ich ihre Biographie las, wieder in mein Gedächtnis.
Die Geschehnisse lagen damals nur wenige Monate zurück... Eine
junge Türkin aus meiner Heimatstadt verliebte sich in einen deutschen
jungen Mann. Lange Zeit trafen sie sich heimlich, hatten aufgrund der
traditionsbewussten Ansichten der türkischen Familie nicht die
Möglichkeit in den Genuss einer unbeschwerten Liebe und Freiheit
zu gelangen. Doch die Familie erfuhr von der Liebesbeziehung ihrer Tochter
zu diesem deutschen Mann. Die junge Frau sollte in der Türkei verheiratet
werden. Sie weigerte sich. Ihr Freund wurde auf dem Parkdeck eines Kaufhauses
von den Brüdern seiner Freundin niedergestochen. Er überlebte.
Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus flohen die beiden. Sie meldeten
sich bei der Polizei und erbaten Schutz vor der Familie. Mein Vater
war zu dieser Zeit schon Dienststellenleiter bei dem Dezernat „Verdeckte
Ermittlungen, Personen – und Zeugenschutz“ . Er versteckte
das Liebespaar vor der „entehrten Familie“. Ich wusste nicht,
dass mein Vater sich um die beiden kümmerte bis eines Abends das
Telefon klingelte und sich eine schüchterne leise Frauenstimme
meldete. Als ich ihren Namen hörte, wusste ich wer am anderen Ende
der Leitung war... Ich rief meinen Vater ans Telefon. Er hatte dem jungen
Paar seine Privatnummer gegeben, was selten der Fall war und ist. Ich
bekam mit, wie er beruhigend auf sie einredete. Dieser Fall machte ihm
schwer zu schaffen. Das sah ich in seinen Augen. Er erzählte mir
auf mein Nachfragen hin auch ausnahmsweise von dieser schwierigen Situation.
Am nächsten Abend klingelte wieder das Telefon. Diesmal handelte
es sich nicht um eine leise, schüchterne Frauenstimme, sondern
um eine harte Männerstimme mit starkem türkischen Akzent.
Auch von dieser Stimme wurde mein Vater verlangt. Es war der Vater der
jungen Türkin. Er forderte von meinem Vater, dass er das Versteck
der beiden nennen sollte. Er versprach, dass ihnen nichts geschehen
würde. Mein Vater erwiderte, dass er die Familie im Laufe des nächsten
Tages zu einem Gespräch aufsuchen würde. Damit gab sich der
Mann vorerst zufrieden…. Es folgten lange Gespräche, die
sich wochenlang hinzogen. In dieser ganzen Zeit blieb das Paar versteckt.
Niemand, außer meinem Vater und seinen Kollegen, wusste, wo sich
die beiden aufhielten. Die Familie stimmte letztendlich einer Heirat
der beiden unter der Bedingung zu, dass der Deutsche zum muslimischen
Glauben konvertiert. Diese Bedingung wurde von dem jungen deutschen
Mann akzeptiert. Er konvertierte und heiratete seine große Liebe.
Die beiden genießen heute das Stückchen Freiheit, das sie
zwar nicht selbst erlangten, sondern, das ihnen von der Familie gewährt
wurde. War es ein „Happy End“? Zumindest war dieses Ereignis
ein Beispiel für einen relativ guten Ausgang.
Wichtig ist, dass auch wir vor
dieser eklatanten Menschenrechtsverletzung nicht die Augen verschließen.
Es passiert nicht nur in der Türkei oder in einer anderen Stadt.
Es geschieht in unserer Nähe. In unserer Nachbarschaft, in unserem
Freundes- oder Bekanntenkreis. Wir haben vielleicht die Möglichkeit
einer jungen Frau die „lebenslange Vergewaltigung“, die
sie vielleicht erleiden muss, zu ersparen. Wir haben vielleicht die
Möglichkeit durch Diskussionen und Gespräche ein Weltbild
zu vermitteln, das von dem höchsten demokratischen Gut, der Freiheit,
geprägt ist. Auch diese Menschenrechtsverletzung geht uns was an!
Wir können diesen Mädchen und jungen Frauen unsere Hilfe anbieten.
Quantum posses tantum aude! (Was Du kannst, das wage!)
Link: http://neon.stern.de/kat/politik/soziales/geschlechterrollen/3887.html
Info: NEON ist das junge Magazin des
stern, das monatlich erscheint.
pro FRAU - Ehrenmorde - Info
„Ehre und Ehrenmord am Beispiel islamischer Gesellschaften“
Die Ehre in islamischen Gesellschaften
ist ein wichtiges unverzichtbares "Gut", dessen Verlust im
Auge der islamischen Gemeinschaft eine Wiederherstellung verlangt, die
je nach Schwere des Vergehens auch nur mit dem Tod der/des Ehrbrecherin/s
wiederhergestellt werden kann. In den Augen der Gemeinschaft ist besonders
die Tugendhaftigkeit der Frauen Voraussetzung und Garant für die
Ehre der Familie.
Link: http://www.profrau.at/de/ehrenmorde/index.htm