Ausgabe 3
/ Dezember 2003 / DETAY-
Magazin
Das erste deutsch-türkische Lifestyle Magazin in NRW
„Der Mut einer Frau gegen das Ehrverständnis“
von Ali Sirin
Ihr Schicksal ist Tabu. Türkische Medien ignorierten Serap Cileli
einfach, denn sie erhob ihre Stimme gegen die Zwangsverheiratung, gegen
die Ungerechtigkeit im Namen der Ehre. Dagegen zeigten bisher die deutschen
Medien viel mehr Interesse an ihrem Leben, an ihrem Bruch mit der Familie.
Auch ihre Vorlesungen wurden hauptsächlich von Deutschen besucht.
Wenn unter den Zuhörern mal Türken anwesend waren, dann protestierten
einige unter ihnen während der Diskussion gegen die "zersetzende
Behauptungen gegen die Tradition". Einige bedrohten sie regelrecht.
Für diese Personen gibt es keine Zwangsverheiratung oder das die
Frauen unter der Familienehre zur Personen zweiter Klasse degradiert
werden. Selbst türkische Frauen kritisierten ihren Schritt, die
Problematik der Zwangsverheiratung öffentlich zur problematisieren.
Aber Serap Cileli möchte auch keine Klischees bedienen, macht immer
darauf aufmerksam, dass die Zwangsverheiratung kein islamisches Phänomen
ist und Frauen oftmals selbst an der Misere Schuld sind. Ihnen empfiehlt
sie, gegen die patriarchalische Familienordnung zu rebellieren. Für
sie gibt es keine religiöse sowie kulturelle Rechtfertigung von
Gewalt Frauen gegenüber. Serap Cileli engagiert sich sehr für
die Integration der türkischen Frauen in die Gesellschaft. Deshalb
wurde der erste "Deutschkurs für Frauen aus der Türkei"
im September 2001 in einer Erbacher Volkshochschule gestartet. 21 türkische
Mütter und junge Frauen zwischen 18 und 40 Jahren nahmen daran
teil. Dieser Unterricht soll den Frauen mehr Mut und Selbstständigkeit
vermitteln. Für die türkischen Frauen sind die Deutschkurse
häufig die erste Öffnung an die deutsche Umgebung.
Das Buch "Wir sind eure Töchter, nicht eure Ehre" wurde
von Serap Cileli sehr emotional geschrieben. Nach ihren eigenen Worten
war das schreiben des Buches wie eine Therapie für ihr Seelenleben.
Dass sie sich dafür entschied, ihr Leben selbst in die Hand zu
nehmen, die auf Zwang beruhende Heirat aufzulösen und sich für
die Liebe zu entscheiden, wurde ihr von der Familie bisher nicht verziehen.
Rückhalt findet sie durch ihren Mann und ihre drei Kinder.
Gleicher
Artikel erschien in der „Istanbul Post“
Das wöchentliche, deutschsprachige Internetmagazin der Türkei
Jahrgang 2 / Nr. 49 / 22.12.2003
Link: www.istanbulpost.net/03/12/04/sirin.htm
30.11.2003
/ Guten Morgen
Vergewaltigung auf Lebensdauer
Wilhelmshaven (Za): Geschändet, ermordet
und nicht selten von der Justiz im Stich gelassen. Moslemische Frauen
in Deutschland sind allein, wenn es darum geht, ihre (Menschen-) Rechte
zu verteidigen. Nach einer der UN- Konvention ist „das Recht einen
Partner zu wählen und eine Heirat freiwillig einzugehen, von zentraler
Bedeutung für das Leben einer Frau, für ihre Würde und
Gleichberechtigung als menschliches Wesen“. Dessen ungeachtet
werden jedes Jahr Tausende von Frauen und Mädchen zwangsverheiratet.
Eine menschenverachtende Tradition, die in Deutschland von der Öffentlichkeit
kaum wahrgenommen wird.
Zwangsheirat in Deutschland: Bis dass der Tod
Euch ehrt
Die Ehre ist das A und O moslemischer Familien, unter der in erster
Linie die Töchter zu leiden haben
Wilhelmshaven (Za): Zwangsverheiratungen sind
eine moderne Form der Sklaverei und kommen in allen Religionen vor.
Die Frau gilt in der Regel als Trägerin der Familienehre, ihre
Sexualität wird permanent kontrolliert. „ Die Ehre ist auf
der Wertskala moslemischer Familien ganz oben angesiedelt“, erklärt
Serap Cileli in ihrem Vortrag. Frauen, als Trägerinnen der Familienehre,
sind drastischen Strafaktionen ausgesetzt, wenn sie diese beschmutzen.
Dabei reicht es schon aus, wenn Gerüchte aufkommen. Ist die junge
Braut keine Jungfrau mehr, wobei statistisch gesehen nur 42 Prozent
aller Mädchen überhaupt ein Jungfernhäutchen besitzen,
gleicht das nicht selten einem Todesurteil. Und trotzdem: entgegen langläufigen
Meinungen: Die engen moralischen Vorstellungen in moslemischen Familienstrukturen
bewahren die Frauen nicht vor sexuellen Misshandlungen. Im Gegenteil:
„Gerade, weil diese Frauen nie gelernt haben, sich zu wehren,
werden sie Opfer von sexuellen Übergriffen“, so Cileli. Mit
bestimmten sexuellen Praktiken, wie z. B. Analverkehr, versuchen die
Täter im Nachhinein die Misshandlungen zu vertuschen, sprich, das
Jungfernhäutchen zu erhalten. Hilfe von der Familie können
die Frauen nur selten erwarten. Der Ehrenkodex verbietet es. Die wenigsten
Frauen haben zudem den Mut, mit der Familie zu brechen. Mangelnde Sprachkenntnisse
und fehlendes Einkommen tun ein Übriges. Als Ausweg bleiben nur
Frauenhäuser und Jugendschutzeinrichtungen.
Vor allem junge Türkinnen, die in Deutschland aufwachsen, leiden
unter den veralteten Traditionen. Sie leben zwischen zwei Welten, was
Außenstehende selten bemerken. Auf der einen Seite sehen die moslemischen
Mädchen, wie frei deutsche Mädchen leben und lieben- und möchten
das verständlicherweise auch- auf der anderen Seite wird gerade
von in Deutschland lebenden Türken peinlichst genau darauf geachtet,
dass ihre Frauen die Vergangenheit aufrechterhalten. Einen Ausweg gibt
es für diese jungen Frauen und Mädchen nur selten. Entweder
fügen sie sich ihrem Schicksal, oder sie werden aus der Familie
ausgestoßen, stets mit der Angst im Nacken, von männlichen
Verwandten getötet zu werden. Durch den Tod der der aufsässigen
Tochter kann die Familienehre wieder hergestellt werden.
29.11.2003
/ Gross- Gerauer Wochenpost
Engagement gegen Zwangsheirat
Frei leben ohne Gewalt
Von Cornelia Schlagau
(nel): Viele Jahre durchlebte die junge Frau seelische
Gewalt, Unterdrückung und Missbrauch, ehe sie gemeinsam mit ihren
zwei Kindern Zuflucht in einem Frauenhaus suchte. Heute kämpft
die Autorin gemeinsam mit der Hilfsorganisation „Terre des Femmes“
gegen die immer noch praktizierte Zwangsheirat, die unabhängig
von Religionen und sozialen Verhältnissen in über 20 Ländern
der Erde zum Alltag gehört.
21.11.2003
/ Echo Online
Beispiel Zwangsheirat
Aktionstag gegen Gewalt: Lesung und Diskussion
mit Serap Cileli im Stadtmuseum
Zwangsheirat sei nur ein Beispiel, das als besonders grausam empfunden
werde: „Körperliche Gewalt in der Partnerschaft, seelische
Gewalt am Arbeitsplatz, Missbrauch, Ausbeutung, Abwertung, und Unterdrückung
sind Probleme, denen Frauen überall auf der Welt ausgesetzt werden,
nicht nur in ‚fernen‘ Ländern, sondern auch bei uns
mitten in Deutschland“, schreibt die Frauenbeauftragte. Das Vorhandensein
dieser Gewaltformen mache es notwendig, Missstände zu benennen
und Stellung zu beziehen.
21.11.2003
/ Heilbronner Stimme
„Du wirst verheiratet,
mach dir keine Hoffnung“
Eine Lesung in Heilbronn
Von Monika Kech
Ihre Erfahrung machte Serap Cileli zu einer entschiedenen
Kämpferin gegen die Unterdrückung der Frau in einer patriarchalischen
Gesellschaft: „ Zwangsheirat ist Gewalt gegen Frauen und das kann
nicht religiös oder kulturell begründet werden“. Die
Frau sei die Trägerin der Familienehre und besonders der Ehre des
Vaters. Qualifikationsmerkmal für einen ehrbaren Lebenswandel sei
die Unversehrtheit des Jungfernhäutchens in der Hochzeitsnacht.
Von Bräutigam werde erwartet, dass er nach dem ersten Beischlaf
der vor dem Schlafzimmer wartenden Familie einen ausreichend großen
Blutfleck auf dem Bettlaken präsentiere. Eine jungfräuliche
Braut werde so hoch geschätzt, dass im Bedarfsfall das Hymen in
einem chirurgischen Eingriff wieder zugenäht werde, auch in Deutschland“,
so die Autorin. Innerhalb der Familie hätten die jungen Frauen
keine Hilfe zu erwarten. Wer kann, flüchte. 230 Frauen und Mädchen
hätten 2002 allein in Berlin in Frauenhäusern Zuflucht gesucht.
„ Kein Paragraf im Strafgesetzbuch stellt Zwangsheirat unter Strafe“,
prangert Serap Cileli den rechtsfreien Raum in der Bundesrepublik an.
Das Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit müsse aber
für alle gelten.
20.11.2003
/ Jeversches Wochenblatt
Nein zur Gewalt
Lesung mit Türkin Serap
Cileli
Wilhelmshaven: Diese Lesung mit Diskussion wird
von den Veranstalterinnen auch als Beitrag zum Jahr gegen Zwangsverheiratung,
das Terre des Femmes 2003 ausgerufen hat, gesehen. Zwangsverheiratungen
finden auch in Deutschland statt: In einer Kriseninterventionseinrichtung
für junge Migrantinnen suchen jährlich 60 bis 70 junge Mädchen
Zuflucht, 68 Prozent von ihnen sind minderjährig, 24 Prozent sind
sogar jünger als 16 Jahre.
19.11.2003
/ Neue Rundschau
ZWANGSHEIRAT
Lesung mit türkischer
Autorin
Serap Cileli schreibt über
die Verletzungen, den Hass und die verzweifelten Versuche, für
sich und ihre Kinder ein neues, freies Leben aufzubauen.
Sie hat sich erfolgreich gegen ihr Schicksal gewehrt.