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Printmedien 2003
 
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23.10.2003 / Landratsamt Odenwaldkreis • Pressespiegel
„Integration läuft über die Frauen“

Deutschkurse werden weitergeführt – Serap Cileli fasst Erfahrungen zusammen – Frauenbeauftragte und Stadt Erbach beteiligt

"Integrieren" sollen sich die Einwanderer und Einwanderinnen, die nach Deutschland kommen und auch bleiben. Darüber sind sich alle Parteien und die einheimische Bevölkerung weitgehend einig. Doch zur Integration ins gesellschaftliche Leben gehört auch das Erlernen der deutschen Sprache. Dabei kommt es vor allem auf die Mütter an, die am meisten zur Integration beitragen können: Ausländische Mutter von Schul- und Kindergartenkindern, die ihre Kinder in die deutsche Gesellschaft hineinführen oder sie aber davon abschotten. Oftmals sind die Frauen in erster Linie mit der Kindererziehung in den Familien befasst, sie müssen sich am stärksten um das soziale Umfeld ihrer Familie kümmern, können aber häufig keinen Kontakt zu Erzieherinnen, Lehrern, Ämtern und Behörden herstellen, da sie nur geringe oder mangelhafte Deutschkenntnisse haben. Die Frauenbeauftragte des Odenwaldkreises, Amarelle Opel, Serap Cileli als Ansprechpartnerin der AG "Zusammenleben" und die Kreisstadt Erbach haben früh die Situation erkannt und gehandelt. Deshalb wurde der erste „Deutschkurs für Frauen aus der Türkei“ im September 2001 im Haus der Volkshochschule gestartet. 21 türkische Mütter und junge Frauen zwischen 18 und 40 Jahren hat die Kursleiterin Frau Elke Wildt ein Jahr lang unterrichtet. Das Interesse der Frauen bei diesem ausgebuchten Kurs war so groß, dass eine Warteliste erstellt werden musste. Deshalb wurde beschlossen, einen zweiten Anfängerinnenkurs im September 2002 beginnen zu lassen. Weitere 23 Teilnehmerinnen konnten kostenlos und ungestört in den Räumen des Vereinhauses lernen. Es gab eine kostenlose Kinderbetreuung nebenan. Die Kurszeiten waren familienfreundlich dienstags und donnerstags von 10.00 bis 11.30 Uhr. Nach einem Jahr und einer schriftlichen Prüfung konnten auch die Teilnehmerinnen des zweiten Kurses ihren Lehrgang erfolgreich beenden. Steigende Teilnehmerzahlen haben die Notwendigkeit gezeigt, die Kurse fortzuführen. Deshalb wird ein dritter Anfängerinnenkurs mit 20 Teilnehmerinnen am 4. November 2003 (Unterricht wie gehabt dienstags und donnerstags von 10.00 bis 11.30 Uhr) im Vereinhaus in Erbach beginnen. In den beiden ersten Kursen waren vor allem junge Frauen dabei, die in der Regel bereits in der Türkei eine Schulbildung genossen haben, und hoch motiviert sind, die deutsche Sprache zu lernen. Da die Teilnehmerinnen unterschiedlich lange in Deutschland leben, waren ihre Vorkenntnisse der deutschen Sprache sehr verschieden. Sie reichten von sehr geringen Kenntnissen bis zu mittlerem Sprech- und Hörverständnis. Die jungen Frauen, die mit glühenden Wangen sich gegenseitig deutsche Sätze ausfragen und eifrig versuchen die neue Sprache zu verstehen, bringen die Freude über die neu errungene Freiheit in strahlenden Augen zum Ausdruck. Man muss sie gesehen und erlebt haben, um zu verstehen, wie sie ihre sprachliche Unabhängigkeit anstreben. Am Ende jedes Kurses steht die Verleihung der Teilnahmebescheinigungen mit Abschlussfeier. In den vergangenen zwei Jahren erhielten 44 türkische Frauen, die den Anfängerinnen-Deutschkurs besucht haben, eine Bescheinigung über den erfolgreichen Abschluss eines solchen Kurses. Dies war für viele Frauen auch ein wichtiger Schritt hin zu dem Weg, einen Einbürgerungsantrag zu stellen und die damit verbundene Deutschprüfung bestehen zu können. Von allen Beteiligten der bisherigen Kurse wurde eine Fortführung der Kurse gewünscht, damit sie mehr als nur Grundkenntnisse erwerben können. Am 7. Oktober 2003 startete daher ein „Fortsetzungskurs“, damit die Frauen Gelegenheit haben, weiterhin die deutsche Sprache zu üben und die bereits vorhandenen Kenntnisse zu vertiefen. Auch dieser Kurs wird begleitet von Elke Wildt, die seit zwei Jahren die Kurse mit großem Engagement und sehr viel Einfühlungskraft leitet. Alle Frauen wollten sie als Deutschlehrerin behalten, weil sie spüren, dass hier eine Frau vor ihnen steht, die ihnen die deutsche Sprache mit Geduld nicht nur ins Gehirn, sondern auch ins Herz einflößt, die darüber hinaus immer offen ist auch für das, was sie außerhalb des Kurses beschäftigt, was sie beunruhigt, worüber sie sich freuen. Für die ausländischen Frauen sind die Deutschkurse häufig die erste Öffnung an die deutsche Umgebung. Deshalb werden die Organisatorinnen in ihrem Engagement nicht nachlassen. Aber ob entsprechende Angebote für die Frauen weitergeführt werden können, bleibt natürlich auch in hohem Maß abhängig von den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln.

Weitere Informationen über die Deutschkurse sind erhältlich bei der Frauenbeauftragten des Odenwaldkreises, Landratsamt Erbach, Telefon: 0 60 62 / 7 02 22.

Serap C i l e l i


13.10.2003 / Löhner Zeitung / Westfalen-Blatt / Nr.237

Serap Cileli las zum Thema „ Zwangsverheiratungen“

„Wir sind nicht eure Ehre“

Löhne (LZ): Viele türkische Mädchen werden gegen ihren Willen zwangsverheiratet, obwohl dies nicht im Koran steht. Weitern sie sich, den auserwählten Mann zu heiraten, werden sie von ihrer Familie verstoßen oder sogar ermordet- die letzte Chance, die „Ehre der Familie“ zu erhalten. „Ich betreue Mädchen, die von ihrer Familie unterdrückt und kontrolliert werden. Das sind überwiegend türkische Mädchen. Zwangsverheiratungen kommen jedoch auch in anderen Religionen vor“, erklärt Cileli.


11. 08 2003 / NEWSWEEK

Underground Railroad
In growing numbers, Muslim women flee forced marriages

Aug. 18 issue — Bahar knew there was no going back. Her father, a Turkish immigrant in Berlin, had threatened to kill her “with 100 stabs of the knife.” Her crime: refusing to marry her cousin Hassan, as her parents had arranged when she was 12. Since then, she hadn’t been allowed to talk to other boys. Catching her chatting with one at a bus stop, her older brother hit her so hard she collapsed; her mother, she says, regularly beat her with a wooden rolling pin.

Within the immigrant communities themselves, the subject often remains taboo.
Says Serap Cileli, a Turkish-German victim of two forced marriages who now campaigns against them: “When I talk to Turkish groups, I get called a slut and a traitor.”
Not everyone is enthusiastic about Europe’s new activism. Many Muslims feel stigmatized by the focus on forced marriage in their communities. Non-Muslims worry, too. Afraid of stoking resentments, German publishers refused for four years to publish Cileli’s book, a heart-rending account of her own forced marriages, suicide attempt and subsequent road to freedom. None of this deters the activists. “The young people who come to us for help are really glad we’re doing this work,” says Harvey. And in the end, they’re the ones who count.

By Stefan Theil
NEWSWEEK INTERNATIONAL

Homepage: www.msnbc.com/news/950449.asp


17. 07. 2003 . Jahrgang 59. Nr. 164/29 / Frankfurter Rundschau

Drohende Zwangsverheiratungen lassen zu Ferienbeginn die Zahl derjenigen Mädchen mit türkischem oder arabischen Hintergrund steigen, die hier zu Lande vor ihrer Familie fliehen. Das Porträt:
Mutig – Serap Cileli
(mk): Mehr als 50 Lesungen hat die heute 37- Jährige gehalten, die meisten an Schulen. Türkischstämmige Jungen werfen ihr oft vor, sie, die inzwischen einen deutschen Pass hat, stelle Menschen gleicher Herkunft bloß. Drohungen kennt sie, wie:
„Das werden sie noch büßen.“
Ali wird von Landsleuten angepöbelt, er solle sich rechtfertigen für die Arbeit seiner Frau.
„ Das ist nicht einfach, aber ich lasse mich nicht in die Enge treiben“, sagt die beherzte Frau.
Ihr zweites Buch widmet sie Frauen, die „ im Namen der Ehre“ ermordet worden sind.


30. 05. 2003 / Mörfelden- Walldorf - FA

Wer sich widersetzt, riskiert sein Leben
Die türkische Autorin Serap Cileli kämpft gegen Gewalt an Frauen im Namen der Religion.Mörfelden (smk): Cileli will keine Stimmung gegen den Islam oder die Türkei machen, sondern aufklären und gegen die patriarchalischen Bräuche kämpfen, die muslimischen Mädchen und Frauen Freiheit und Selbstwertgefühl rauben.
Zwischen November 1999 und März 2003 wurden in der Bundesrepublik 48 Frauen von ihren Vätern, Ehemännern oder Brüdern ermordet, weil sie sich entweder der Zwangsheirat widersetzten oder nicht als Jungsfrauen in die Ehe gingen.„Gegen diesen Rechtsbruch muss endlich etwas getan werden“, fordert Cileli.In diesem Zusammenhang berichtete die Frauenbeauftragte Sema Yesiltepe von einer deutschen Gerichtsverhandlung, bei der Familienangehörige den Täter sogar als Held gefeiert und ihn für seine Tat gelobt hätten.


Gleiche Artikel erschienen in Darmstädter Echo am 24.05.2003
Mörfelden (smk): „Für sie bin ich die Schuldige“


15. 05. 2003 / Freitags- Anzeiger / Nr. 20

„Wir sind eure Töchter, nicht eure Ehre“
Lesung im Frauentreff mit Serap Cileli
Mörfelden- Walldorf (bd): Was unter dem Deckmantel von Tradition, Brauchtum und Sitte geschieht, bleibe der Öffentlichkeit weitgehend verborgen.
Diese Frauen verachtende Praxis wird nicht selten mit roher Gewalt ausgeübt und führt in erschreckend hoher Zahl zum Selbstmord als einzigem Ausweg aus der seelischen Not der Betroffenen.


29. 04.2003 / Avanti / Heft Nr. 19

Zur Ehe gezwungen
Report aus dem Leben: Manche bringen sich um, andere fügen sich stoisch in ihr Schicksal, viele sind auf der Flucht: junge deutsche Frauen muslimischer Abstammung, die sich gegen eine „Zwangsehe“ wehren. Jede vierte Türkin ist betroffen von dieser „Vergewaltigung auf Lebenszeit“.


25. 03. 2003 / Nord- Stuttgarter Rundschau

Mutiger Kampf um ein selbstbestimmtes Leben
Die Türkin Serap Cileli setzt sich seit mehreren Jahren gegen Zwangsheirat ein.
Stammheim (sh): Angst vor Gewalt oder Furcht um die Familienehre hindern viele junge Frauen daran, gegen ihr Leid aufzubegehren. Es kommt immer wieder zu so genanten „Ehrenmorden“. „Um die Familienehre zu verletzen, braucht es nicht viel“, weiß Serap Cileli, „viele Familienclans sehen in der Selbstjustiz die einzige Möglichkeit, die verlorene Ehre wieder zu erlangen.“ Der Türkin ist klar, dass sie sich durch ihre Offenheit auf einem heißen Terrain bewegt, trotzdem setz sie sich gemeinsam mit „Terre des femmes“ für die Rechte unterdrückter Frauen ein. Bundesweit startet im April eine Kampagne in Schulen: „Wir wollen nicht nur islamische Mädchen stärken. Ziel ist, kulturelle Hintergründe zu vermitteln und Verständnis zu wecken.“ Serap Cileli hofft, auf diese Weise mehr Mädchen und Frauen zum Reden zu bringen, ihnen Stärke und Mut zu geben, sich einer Bezugsperson anzuvertrauen: „Unterdrückte Frauen und Mädchen müssen sich aus eigener Kraft wehren, das ist der erste Schritt und die Voraussetzung, ihrem Los zu entkommen.


20.03.2003 / Waiblinger Kreiszeitung

„Schreiben als Therapie gegen die Seelenfolter“
Von Stefanie Kuhnle
Serap Cileli wurde zwangsverheiratet in der Türkei und mobilisiert nun die Öffentlichkeit/Lesung im Rahmen von „Frauenkulturen
Sie ist eine moderne Frau, wie sie da vor ihrem Publikum sitzt, mit rötlich gefärbten Haaren und in Jeans, und selbstbewusst ihre Position vertritt. Wenn man Serap Cileli so sieht, würde man kaum glauben, dass das nicht immer selbstverständlich war.

Sie bezieht in politischen Fragen klare Positionen: „So lange Kopftücher als politische Symbole getragen werden, sollte man sie in öffentlichen Einrichtungen verbieten“, sagt sie beispielsweise. Genauso hätte man nach ihrer Auffassung entgegenwirken sollen, dass fundamental-islamische Glaubenshüter gezielt nach Deutschland gebracht wurden. „Das ist eine sehr naive Toleranz.“ Sie plädiert für die doppelte Staatsbürgerschaft, damit Mädchen, die in die Türkei verschleppt wurden, ohne bürokratische Hürden nach Deutschland zurückkehren können. Und sie fordert, dass Sprachkurse zur Pflicht werden. „Denn sonst kapseln sich die Migranten gleich ab“, pflegten, viel stärker noch als im Heimatland üblich, überkommene Traditionen.


18. 03. 2003 / Nord- Stuttgarter Rundschau

Lesung und Diskussion mit Serap Cileli
Stammheim (red): Als betroffene möchte sie jungen Frauen Mut machen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.


12. 03. 2003 / Stuttgarter Nachrichten

Lesung von Serap Cileli
Stadtteilbücherei Stammheim. Das Thema "Zwangsheirat" ist in Deutschland ein tabuisiertes, aber doch weit verbreitetes Problem.Die Frauen werden gegen ihren ausdrücklichen Willen verheiratet. Wenn auch zur Begründung die Religion herhalten muss, so sind doch vielmehr die Ursachen von Zwangsverheiratung in den patriarchalischen Familienstrukturen und Traditionen zu finden. Auch die Angst in den Familien, die eigenen Werte in der Fremde zu verlieren, spielt eine Rolle. Als Betroffene möchte Serap Cileli
jungen Frauen Mut machen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. "Terre des Femmes" unterstützt sie dabei mit einer Kampagne, die bereits in Schulen und Jugendeinrichtungen angelaufen ist.


12. 03.2003 - Z 4 / Grüne Woche

Lesung zum Frauentag
„Wir sind eure Töchter, nicht eure Ehre“
Stammheim: Das Thema „Zwangsheirat“ ist in Deutschland ein tabuisiertes, aber doch weit verbreitetes Problem.Die Frauen werden gegen ihren ausdrücklichen Willen verheiratet. Wenn zur „Begründung“ die Religion herhalten muss, so sind doch vielmehr die Ursachen von Zwangsverheiratung in den patriarchalischen Familienstrukturen und Tradition zu finden. Auch die Angst in den Familien, die eigenen Werte in der Fremde zu verlieren, spielt eine Rolle.

 

 
 
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