20.01. 2003
/ DONAUKURIER / DK
Nr. 15
Kampfansage gegen Tradition
der Zwangsheirat
Türkische Autorin Serap Cileli sprach zur Kampagne von Terre des
Femmes
„Stoppt Zwangsheirat“.
Ingolstadt (bfr): „Der Himmel der
Mädchen ist unter den Füßen der Väter“, zitierte
die türkische Autorin Serap Cileli gleich zu Beginn ihrer Lesung.
Frauen würden traditionellerweise
nur als Teil der Familie gesehen, nicht als Individuum. Das Verhalten
der Frauen trage zur Ehre der Familien bei. Werde diese beschmutzt,
komme es sogar in Deutschland zu Ehrenmorden. Entscheidend sei, dass
die Emanzipation der türkischen Frauen in Deutschland viel langsamer
voranschreite als in der Türkei selbst. Cileli erklärte es
damit, dass die Migranten überwiegend unter der Angst litten, ihre
eigene Identität und Kultur im fremden Land zu verlieren. So würden
türkische Dorftraditionen mitten im deutschen Umfeld konserviert.
Cileli beobachte aber, dass immer
mehr so genannte Importbräute aus der Türkei nach Deutschland
kommen. Meist sehr junge Frauen…..
16. 01. 2003
/ Odenwälder Echo
Odenwälder Autorin
zu Gast bei Biolek
Im Gespräch mit Bio (jös): „Kuschelwohl“
habe sie sich trotz laufender Kameras gefühlt, berichtete Serap
Cileli gestern über ihren Fernsehauftritt am Dienstag in der ARD-
Talkshow „Boulevard Bio“. Gastgeber Alfred Biolek, bekannt
als einfühlsamer Moderator, sei bestens vorbereitet gewesen und
habe eine angenehme Gesprächsatmosphäre geschaffen, so die
im Odenwaldkreis lebende Autorin. Wichtiger als ihre persönliche
Befindlichkeit sei aber gewesen, das Thema Zwangsheirat vor einem größeren
Publikum im Fernsehen erörtern zu können.
Heute engagiert sich
Cileli bei der Organisation „Terre des Femmes“ gegen die
Zwangsheirat.
Zum Thema des Abends „Endlich unabhängig“ äußerten
sich neben Cileli auch Schauspielerin Susanne Uhlen und der frühere
Bundesminister Klaus Töpfer, heute Leiter des UN- Umweltprogramms.
05.01.2003 /
BILD am Sonntag
„Der Tod steht
immer hinter Dir“ (Ecel Pesinde!)
Von Kerstin Heuser und Georg Lukas (Fotos)
REPORT: Ein türkisches Mädchen
in Deutschland- vom Vater bedroht
Die junge Türkin Aleyna (19) lebt anonym irgendwo in Deutschland.
Sie versteckt sich vor ihrer eigenen Familie. Seit Aleyna sich versteckt
hält, schickt ihr Vater regelmäßig bedrohliche SMS wie
diese.
Mit ihrem Buch „Wir sind Eure Töchter, nicht eure Ehre“
und auf ihrer Website www.serap-cileli.de will sie muslimischen Mädchen
und Frauen Mut machen, sich endlich zu wehren. Doch ihre Arbeit ist
gefährlich. Einige Buchlesungen konnte sie nur unter Polizeischutz
abhalten. Die Beamten mussten sie vor türkischen Jugendlichen schützen,
die sie bedrohten. „Ohne meinen zweiten Mann Ali, meiner großen
Liebe, hätte ich nicht den Mut und die Kraft für diese Arbeit",
sagt sie. „Aber wenn ich nur einem Mädchen helfen kann, weiß
ich: Es ist richtig.“
Januar 2003
/ Süd- Zeit / Eine
Welt Journal / Baden- Würtemberg
Zwangsverheiratungen
Stuttgart, Sylvia Rizvi: „Liberalität
braucht Grenzen“. Zu diesem Fazit kam eine Tagung der Friedrich-
Ebert- Stiftung in Stuttgart. Rund 80 Teilnehmerinnen, darunter gut
zehn Prozent Männer, diskutierten das Thema Islamismus, Frauen
und Migration in Deutschland. Sie waren sich einig: Demokratiefeindlichem
Denken im Fahrwasser des politischen Islam sowie Unterdrückung
und Gewalt gegen Frauen im Namen von Tradition und Religion sei entschieden
entgegenzutreten. Konsens herrschte aber auch darüber, dass nur
wenige Menschen muslimischen Glaubens den Fundamentalismus unterstützen
und islamischen Werten mit Tolerenz zu begegnen sei. Und der Dialog
müsse verstärkt werden.
Bestürzung löste Serap
Cileli mit ihrem Beitrag über Ehrenmorde und Zwangsverheiratungen
aus. Rund 5. 000 Frauen, berichtete sie, würden jährlich weltweit
im Namen der Ehre ermordet.“ Allein zwischen 1999 und 2001 verloren
in Deutschland elf türkische Frauen und Mädchen ihr Leben,
weil sie nicht gehorchen wollten. „ Die Türkin erzählte
von Frauen wie Gülcan Ülger (25) aus Reutlingen, die mit mehreren
Messerstichen in Herz, Brust, Bauch und Rücken ermordet wurde,
weil sie die Scheidung von ihrem Ehemann wollte. Cileli sprach sich
zudem gegen Zwangsverheiratungen aus.
überregional
/ Ausgabe 9 /
Januar- Februar- 2003 / Strassen-
Gazette
Meine Erinnerungen
an die erste Ehe
(gl): In den Schulklassen unserer Kinder, auf den Spielplätzen,
im Kindergarten, mitten unter uns die kleinen Mädchen,
die eines Tages einfach nicht mehr da sind.
Manche sogar noch im zarten Alter von 13 oder 14,
die Puppen gerade aus der Hand gelegt,
eben noch auf dem Schulhof herumgetobt,
verschwinden sie, in eine völlig andere Welt,
werden von heut auf morgen zur „Frau“ vergewaltigt,
verlieren jeden Halt, jede Wurzel, jedes Vertrauen.
Hilflos ausgeliefert der Macht der Eltern
und des „Künftigen“, der ihr Leben bestimmen soll,
ungeachtet dessen, was sie hier, wie die Freundinnen
im gleichen Alter, sich für ihr Leben erträumt hatten.
Einen Beruf, einen Mann den sie lieben, Kinder zubekommen,
weil sie es sich wünschen.
All das, was ihnen in Kindergarten und Schule
beigebracht wurde, ist auf einen Schlag hinfällig.
Wo ist die allseits hochgelobte Integration,
wenn Dinge wie diese in der Nachbarwohnung passieren
und keiner schaut hin? Wenn junge Mädchen und Frauen
in fremde Städte, in unbekannte Frauenhäuser fliehen müssen,
da niemand da ist, dem sie sich anvertrauen können?
Aber wie bei allen Menschenrechtsverletzungen
gibt es neben den direkten Tätern die, die zuschauen.