Mai-Juni 2005
/ EMMA / Nr. 3
Türkinnen brechen ihr Schweigen
Jetzt reden sie: Die Deutsch-
Türkinnen der zweiten Generation. In der Türkei geboren und
in Deutschland aufgewachsen und entschlossen, sich nicht länger
entrechten zu lassen.
Wenn der deutsche Kanzler an 3.
und 4. Mai zum Staatsbesuch in der Türkei weilt, wird er hoffentlich
auch einen Brief dabei haben, den vier Deutsch- Türkinnen ihm zwei
Wochen zuvor zukommen ließen. Sie appellieren darin an den Kanzler,
bei seinen Gesprächen mit Ministerpräsident Erdogan die Rechte
der Frauen nicht zu vergessen.
Die Menschenrechte der Frauen aber- und speziell auch die der zwischen
der Türkei und Deutschland hin- und hergeschobenen zwangsverheirateten
Mädchen- waren bisher kaum Thema. Wir dürfen also gespannt
sein.
Serap Cileli brach als erste das
Schweigen.
Endlich reden die Türkinnen
selber!
Das heißt, sie haben eigentlich
schon länger angefangen zu reden- doch erst jetzt ist man auch
auf deutscher Seite bereit, sie zu hören.
Aber auf türkischer Seite
gehen jetzt die Klappen runter: der türkische Mann, alle türkischen
Männer, ja, die ganze Nation fühlt sich entehrt und beleidigt
von diesen Frauen, die „Unglaubliches behaupten“ und „verallgemeinern“,
„Nestbeschmutzerinnen“ sind, wenn nicht gar „Verrückte“.
Der größte Zorn trifft zur Zeit frei Deutsch- Türkinnen,
die das heilige Gesetz verletzt und „Familiengeschichten“
öffentlich gemacht haben. Sie zieren fast täglich die Seiten
der Tageszeitung Hürriyet.
Hinzu kommen die Angriffe in den
türkischen Medien, allen voran Hürriyet, die gerne immer wieder
Fotos von den drei „Abtrünnigen“ veröffentlicht-
und sie so zum Freiwild für Fanatiker macht.
Die drei „Verräterinnen“ heißen: Serap Cileli,
Seyran Ates und Necla Kelek.
„Wie können Sie als
Türkin Ihren eigenen Landsleuten und Ihrem Land in den Rücken
fallen?“
April 2005
/ WDR- PRINT / Nr.
348
Die Zeitung des Westdeutschen Rundfunks
Vor – Urteile
?
Die Rolle der muslimischen
Frau in Medien und Gesellschaft war das Thema eines WDR-Symposiums am
Weltfrauentag (08. März 2005).
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Staatssekretärin
Kerstin Müller
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WDR-Gleichstellungs-Beauftragte
Wilhelmine Pite |
Universitäts-Professorin
Yasemin Karakasoglu |
WDR-Chefredakteurin
Helga Kirchner |
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Buchautorin
Dr. Katajun Amirpur |
Der
Integrationsbeauftragte des WDR, Gualtiero Zambonini, neben
ihm die Buchautorin Cileli Serap
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Lisa
Ortgies, u. a. Moderatorin von „frau tv“ |
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Rechtsanwältin
Kadriye Aydin |
Sozialpädagogin
Fatos¸ Cetin |
Asli
Sevindim, Moderatorin von
WDR Cosmo TV
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Muslima
Rabeya Müller |
Gegenwärtig prägen Themen
wie Zwangsheirat und Ehrenmorde das Bild der Muslime in Deutschland.
Das Bild der muslimischen Frau, das dadurch in der Gesellschaft entsteht,
ist nicht selten einseitig geprägt. Die anderen Fassetten aufzuzeigen
– das war die Absicht der Gleichstellungsbeauftragten im WDR,
Wilhelmine Piter, und des Integrationsbeauftragten, Gualtiero Zambonini,
die zugleich damit ihr erstes öffentliches Gemeinschaftsprojekt
konzipiert hatten.
13. 04. 2005
/ Frankfurter Allgemeine Zeitung / Politik
Nr: 85 / Seite 3
Türkische Medien in Deutschland
Unfaire Berichterstattung
Von Uta Rasche
19. April 2005 Jeden Abend, wenn
um 17.45 Uhr die Druckmaschinen in Mörfelden-Walldorf zu rotieren
beginnen, können die acht Redakteure der Europa-Ausgabe der „Hürriyet”
für einen Moment Luft holen. Andere halten dann den Atem an.
Die drei deutsch-türkischen
Autorinnen Seyran Ates (”Große Reise ins Feuer”),
Necla Kelek (”Die fremde Braut”) und Serap Cileli (”Wir
sind eure Kinder, nicht eure Ehre”) werden seit Ende Februar von
„Hürriyet” verunglimpft.
Enger Ehrenkodex

Seyran Ates erregte den Widerspruch von "Hürriyet"
„Mittlerweile ist die Stimmung in der türkischen Gemeinschaft
ziemlich aufgebracht gegen mich”, sagt die Berliner Rechtsanwältin
Ates. Die Frauenrechtsorganisation „Terre des Femmes” spricht
gar von einer „Gefährdung dieser Frauen” durch die
Artikel.
Alle drei beschreiben in ihren Büchern das Gefangensein türkischer
Mädchen im engen Ehrenkodex ihrer Familien, die Unterdrückung
türkischer Frauen durch ihre Männer und die ihren Recherchen
nach auch unter Türken in Deutschland weit verbreiteten „arrangierten
Ehen” und Zwangsheiraten.
Marktführer in Deutschland

Selbst betroffen: Serap Cileli
wurde als junges Mädchen zwangsverheiratet
Zum Teil fußen die Bücher auf Interviews und soziologischen
Studien, zum Teil auf autobiographischem Material. So berichtet etwa
Cileli in ihrem Buch, wie sie selbst als junges Mädchen zwangsverheiratet
wurde und sich dagegen wehrte. Das Thema ist aktuell - spätestens
seit dem „Ehrenmord” an der jungen Berliner Türkin
Hatun Sürücü Anfang Februar auf offener Straße.
„Hürriyet” ist die auflagenstärkste Tageszeitung
in der Türkei mit dort etwa 500.000 verkauften Exemplaren. Ihre
Europa-Zentrale befindet sich sechs Kilometer südlich des Frankfurter
Flughafens. Von dem modernen Redaktions- und Druckereigebäude in
Walldorf aus werden nach eigenen Angaben 71.000 Exemplare in ganz Europa
verkauft, davon 52.000 in Deutschland. Damit ist „Hürriyet”
auch unter den türkischen Zeitungen in Deutschland Marktführer.
„Hürriyet” ist
mächtig

Necla Kelek: "Endlich die
deutsche Gesellschaft als die eigene akzeptieren"
Die Reichweite des konservativ-nationalistischen Boulevardblattes unter
den Türken in Deutschland ist enorm. Nach einer Studie der Gesellschaft
für Konsumforschung (GfK) aus dem Jahr 2002 hatten vierzig Prozent
der Befragten die Zeitung in den vergangenen zwei Wochen, 14 Prozent
am Tag zuvor gelesen.
„Hürriyet” ist mächtig. So mächtig, daß
selbst etablierte Deutschtürken in herausgehobenen Positionen es
vorziehen, ihren Namen nicht zu nennen, wenn die Rede auf „Hürriyet”
kommt: „Wer sich kritisch über ,Hürriyet' äußert,
wird so übel beschimpft, daß ich dazu nichts sagen möchte.”
Türkischer Medienzar

Der Verleger von "Hürriyet":
Aydin Dogan
Zur Zielscheibe von Kampagnen von „Hürriyet”, deren
Name übersetzt „Freiheit” bedeutet, wurden in der Vergangenheit
auch deutsche Politiker: Gerhard Schröder zum Beispiel, der sich
als Ministerpräsident von Niedersachsen für einen Abschiebestopp
für kurdische Flüchtlinge einsetzte. Der türkischstämmige
frühere Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir (Grüne), als
er gleiche Rechte für die alevitische Religionsgemeinschaft forderte
und die Türkei für ihren Umgang mit dem Völkermord an
den Armeniern kritisierte.
Die regelmäßigen Angriffe rissen erst ab, als der Verleger
von „Hürriyet”, Aydin Dogan, im Sommer 2001 beim damaligen
Bundespräsidenten Johannes Rau eingeladen war. Vertreter des Bundespresseamtes,
des Innenministeriums und eben Rau sprachen mit dem türkischen
Medienzaren, dem auch mehrere Fernsehkanäle und weitere Zeitungen
wie „Milliyet” und das Sport-Blatt „Fanatik”
gehören.
Deutschland- und europafreundlich
Wie es heißt, verdeutlichten
sie ihr großes Interesse an einer fairen, den Maßstäben
westlicher journalistischer Ethik entsprechenden Berichterstattung über
deutsche Politik und deren Personal. Kurz darauf entband Dogan den Leiter
der Deutschland-Ausgabe von „Hürriyet”, Ertug Karakullukcu,
von seinem Posten. Karakullukcus Kommentare, die als deutschlandfeindlich
und integrationshemmend galten, fanden keinen Weg mehr ins Blatt.
Der neue Chefredakteur Ertugrul Özkök ist deutschland- und
europafreundlich; in der EU-Beitrittsdebatte vertrat „Hürriyet”
den Kurs der türkischen Regierung mit dem Ziel, möglichst
schnell Beitrittsverhandlungen aufzunehmen. Natürlich wurden die
Unionsvorsitzenden Merkel und Stoiber für ihr Ziel einer „privilegierten
Partnerschaft” mit der Türkei kritisiert. Doch mit der journalistischen
Ethik ist es seither besser bestellt: Rügen des Presserates für
Beiträge aus dem Deutschland-Teil, die es zuvor regelmäßig
gab, wurden seit 2001 nicht mehr ausgesprochen.
Eine „gute Zeitung”
„Liberaler” ist die
Deutschland-Ausgabe also schon geworden - aber offenbar nur gegenüber
Deutschen. Denn Kampagnen gibt es noch immer. Der stellvertretende Chefredakteur
der Deutschland-Ausgabe, Ayhan Can, bestreitet das zwar: „Wir
führen keine Kampagnen und wollen schon gar keine Politik machen,
sondern eine gute Zeitung.”
Aber die drei Autorinnen Ates, Kelek und Cileli haben andere Erfahrungen
gemacht. Ende Februar berichtete „Hürriyet” über
Buchvorstellungen von Cileli und Kelek und titelte sinngemäß,
beide Autorinnen hätten die türkischen Männer zu Schlägern
erklärt.
„Ich fühle mich persönlich
bedroht”
Mitte März folgten Berichte,
nach denen sich angeblich die Familie Cilelis an die Redaktion gewandt
hatte, um die Wahrheit über die „Zwangsheirat” zu erzählen.
Tatsächlich habe das damals 15 Jahre alte Mädchen freiwillig
geheiratet. Wie zum Beleg druckte „Hürriyet” ein Hochzeitsfoto
von Cileli, auf dem die Braut lächelte. „Sieht sie aus, als
ob sie zwangsweise verheiratet worden wäre?” fragte „Hürriyet”
sinngemäß in großen Lettern.
Nur weil sie ein Buch mehr verkaufen wolle, erzähle die Autorin
solche Geschichten: „Ich fühle mich persönlich bedroht.
Wenn mir oder den anderen beiden etwas zustößt, ist ,Hürriyet'
dafür verantwortlich. Wie diese Zeitung mit meiner Biographie umgeht,
führt aber dazu, daß andere Frauen und Mädchen entmutigt
werden.”
„Sklavinnen auf dem muslimischen
Ehemarkt”
Seyran Ates, die als Anwältin
türkische Mandantinnen vertritt und um pointierte Aussagen nicht
verlegen ist, bekommt die Gegnerschaft der „Hürriyet”
ebenfalls deutlich zu spüren. Türken in der Türkei sind
nach Ates' Ansicht fortschrittlicher als die meisten Türken in
Deutschland - das liege zum einen daran, daß zumeist die weniger
Gebildeten einreisten, aber auch an der Abschottung der Migranten untereinander.
„Hürriyet” bediene eben diese „nicht besonders
lesegewandten und bildungsorientierten Schichten”, sagt sie.
Die Zeitung warf ihr sinngemäß vor, türkische Frauen
zu beleidigen, die türkische Gemeinschaft schlechtzumachen und
durch Verallgemeinerungen Vorurteile der Deutschen gegenüber Türken
zu erhärten. Insbesondere Ates' Aussage in einem Gespräch
mit der „Tageszeitung”, daß zwangsverheiratete Frauen
„Sklavinnen auf dem muslimischen Ehemarkt” seien, erregte
den Widerspruch von „Hürriyet”. Als sie überdies
sagte, viele türkische Mädchen müßten sich „auf
Analverkehr mit Jungs einlassen”, weil dies die Jungfräulichkeit
schütze und als beste Verhütungsmethode gelte, war die Empörung
perfekt.
„Was ist das für ein
Journalismus?”
„Hürriyet” druckte
eine Reihe von Kurzinterviews mit Türkinnen, die Ates heftig kritisierten.
Am 11. März veröffentlichte die Zeitung ein Gespräch
mit Ates, in dem sie angeblich zugab, mißverstanden worden zu
sein. Sie habe nicht pauschalisieren wollen, sondern sich ausschließlich
auf ihre Mandantinnen bezogen - ein öffentlicher Rückzieher.
Ates sagt heute: Es habe zwar ein Gespräch mit „Hürriyet”
stattgefunden, doch das Interview sei nicht autorisiert worden. „Ich
habe eine Entschuldigung von ,Hürriyet' verlangt, nicht umgekehrt.
Was ist das für ein Journalismus?”
Der Gedanke der muslimischen „Umma”
Die Hamburger Soziologin Necla
Kelek erklärt sich die Reaktion der Zeitung so: „Türken
dürfen nichts Schlechtes über Türken sagen und schon
gar nicht gegenüber Deutschen.” Immer schwinge der Gedanke
der muslimischen „Umma” mit: „Wir Muslime sind gut,
ihr Ungläubigen seid schlecht.”
Kelek hingegen meint, daß die Türken nach vierzig Jahren
hier „endlich die deutsche Gesellschaft auch als ihre eigene akzeptieren
müssen, anstatt sich nur der ökonomischen Vorteile und der
Sozialsysteme zu bedienen und auf alles andere zu schimpfen”.
Plakate, ein Informationsbus und
eine Telefon-Hotline
In der Türkei-Ausgabe der
„Hürriyet” ist die Ursachenforschung zum Thema „Gewalt
in der Familie” hingegen kein Tabu. Seit dem Herbst vergangenen
Jahres läuft dort auf Initiative der Tochter des Verlegers eine
große Kampagne mit Plakaten, einem Informationsbus, der durch
Istanbul und über Land fährt, Fachgesprächen in der Zeitung
und einer Telefon-Hotline.
Auf Wunsch von Dogans Tochter soll die Kampagne von Mitte April an auch
in Deutschland laufen, zunächst in fünf großen Städten.
Anfang Dezember fanden Vorgespräche dazu statt, an denen auch Mitarbeiter
des Bundesfamilienministeriums und von „Terre des Femmes”
teilnahmen.
„Irritierend und kontraproduktiv”
Die Frauenrechtsorganisation hat
jedoch aufgrund der Berichterstattung in den vergangenen Wochen in einem
Brief an „Hürriyet” die Zusammenarbeit bei der Kampagne
gegen häusliche Gewalt in Frage gestellt. „Irritierend und
kontraproduktiv” seien die Artikel; sie zeigten, daß die
Zeitung an einer „differenzierten Auseinandersetzung nicht ernsthaft
interessiert” sei.
Bundesfamilienministerin Schmidt (SPD), die auf Wunsch von „Hürriyet”
die Schirmherrschaft übernehmen sollte, lehnte ab - aus Termingründen.
Abgesehen davon sei man nicht besonders glücklich über den
Tenor der Berichterstattung, hieß es im Ministerium.
Der Geschmack des konservativen
Migrantenmilieus
Wie paßt das zusammen - der aufklärerische Impetus von „Hürriyet”
in der Türkei und die an den patriarchalen Strukturen der Einwanderergesellschaft
orientierte Haltung der Deutschland-Ausgabe? Vielleicht ist es Marktkalkül:
Angesichts der wachsenden Konkurrenz durch Satellitenschüsseln
könnte man meinen, so den Geschmack des konservativen Migrantenmilieus
besser zu treffen. Vielleicht ist es personelle Kontinuität: Wie
es aus Kreisen des Dogan-Verlages in der Türkei heißt, wirkt
der auf deutschen Druck hin abgelöste Chefredakteur Karakullukcu
in Istanbul immer noch als Berater seines Nachfolgers.
Auch in anderer Hinsicht hat sich Ernüchterung über den Kurswechsel
von „Hürriyet” eingestellt. Die deutschsprachige Beilage
(Musik, Szene, Bildung und Ausbildung), die einmal in der Woche erscheint,
wurde bei ihrem Start als großer Integrationsbeitrag gefeiert.
Doch die Hälfte der acht Seiten gibt nur das Fernsehprogramm wieder
- immerhin das deutsche.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb, C. Thiel , KPA , images.de
Link: http://www.faz.net
March 28, 2005
/ NEWSWEEK INTERNATIONAL
The Barbarians Within
A rash of honor killings sends
shock waves through Europe
By Stefan Theil
March 28 issue - Hatun Surucu's
crime was that she wanted to be free. Forced by her family to marry
her cousin at age 16, the Turkish-born Berliner had divorced her husband,
gone back to school and begun dating other men. On Feb. 7, after getting
a call from a relative to come out on the street, the vivacious 23-year-old
was shot three times in the head in what police describe as "an
execution-style killing." Three of her brothers, one of whom boasted
to friends about the murder, are now in jail.
Surucu's murder is only one of a series of high-profile "honor
killings" sending shock waves through Europe. In Berlin since October,
six Muslim women have been brutally killed by their husbands or brothers,
who felt the women had besmirched the family honor. In London on Friday,
the Metropolitan Police announced that 18 cases of reported "suicide"
in the last two years had turned out to be honor killings, another 59
suspicious suicides are still under investigation. These cases, authorities
say, are likely just the tip of the iceberg.
The violence can't stop, of course, unless the immigrant communities
themselves embrace a more modern concept of honor one based on individual
dignity instead of tribal codes of conduct. "That means teaching
girls they can choose whom they marry, and teaching boys that their
sisters are not their honor '," says Serap Cileli, a Turkish-born
victim of forced marriage who campaigns against crimes of honor. Too
often, she says, she is still called a traitor at public appearances
and denounced by the Turkish-German media.
© 2005 Newsweek, Inc.
23. 03. 2005
/ Bildwoche / Nr.
3
Ein Schleier aus Tränen
Tatort Deutschland: Tausende von
türkischen Frauen leben in Zwangsehen, immer wieder gibt es Schlagzeilen
über „Ehrenmorde“. Report übe ein tägliches
Drama.
Es passiert in unserer Nachbarschaft,
jeden Tag. Es ist ein Alptraum für tausende Frauen. Sie leben wie
Sklavinnen. Und wenn sie für ihre Freiheit kämpfen, droht
ihnen der Tod!
50 Jahre wurde das Schicksal zwangsverheirateter
Musliminnen in Deutschland verschwiegen. Doch jetzt rückt das Drama
immer stärker in den Blickpunkt.
Die Autorin Serap Cileli: „Wenn
Frauen es wagen, eine Zwangsehe zu brechen, dann gilt ihre Familie bei
religiösen Fanatikern als unrein. Kehrt sie nicht zurück,
kann der Tod als Mittel gelten, die Familienehre wiederherzustellen“.
Frauen, die aus einer Zwangsehe
flüchten wollen, schaffen es oft nicht ohne fremde Hilfe. Serap
Cileli kennt Dutzende solcher Fälle: „Die Mädchen haben
kein eigenes Konto, sind durch Drohungen und durch brutale Prügel
eingeschüchtert. Sie müssen ihren Männern in allen gehorchen.
Nur wenn sie in die Moschee gehen, dürfen sie alleine vor die Tür“.
23.03.2005
/ LAURA - Nr. 13
Report von Rebekka Fischer
Sie mussten sterben- im Namen
der Ehre
Rund 5000 Frauen werden pro Jahr
weltweit ermordet. Weil sie angeblich die Ehre der Familie beschmutzt
haben. Auch bei uns müssen Mädchen für die Moral sterben-
wie Hatun (23)…