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06.12.2007 / HNA- Schwalmstadt

Sie kämpft gegen Dogmen

Zu Gast bei uns: Die Autorin Serap Cileli sprach im Offiziersheim Fritzlar

Von Olaf Dellit

Klare Worte: Serap Cileli, die für Frauenrechte im Islam kämpft, zu Gast in Fritzlar. Foto: Dellit

Schwalm - Eder. Polizei ist immer dabei, wenn Serap Cileli auftritt. So auch im Offiziersheim Fritzlar, wo sie am Dienstag einen Vortrag hielt. Die 41-Jährige gilt als gefährdet, weil sie sich mit dem Islam anlegt.

Islamkritikerin wird sie genannt, doch diesen Titel weist sie von sich. "So einen Beruf gibt es nicht", sagt sie. Sie sei Frauenrechtlerin und Autorin. Cileli hat im Buch "Wir sind Eure Töchter, nicht Eure Ehre" auch über ihr eigenes Leben geschrieben.

Die Tochter türkischer Immigranten wurde in die Türkei zwangsverheiratet, ließ sich nach langem Kampf scheiden und floh, als sie erneut verheiratet werden sollte, in ein Frauenhaus. Heute betreut sie 280 Mädchen, die ähnliche Probleme haben. Ihre Biografie habe sie verarbeitet, aber sie helfe ihr, die Mädchen und ihre Probleme zu verstehen. Sie bietet ihnen Schutz an, führt Gespräche mit den Familien und sucht bei Bedarf Gynäkologen, die den Mädchen helfen, die vor der Ehe Geschlechtsverkehr hatten. Durch Drohungen, die sie erhält, lässt sich Cileli nicht vom Weg abbringen.

Eine Pflicht, weiterzumachen

Es sei ihre Aufgabe und Pflicht, und sie will weitermachen, "bis ich die Letzte gerettet habe", sagt sie. Die 41-Jährige, die sich als Ex-Muslimin bezeichnet, nimmt kein Blatt vor den Mund, sie prangert an und kritisiert, es gebe eine naive Toleranz gegenüber Muslimen. Dabei sei Frauenfeindlichkeit im Koran verankert, unter anderem durch das Züchtigungsrecht des Mannes gegenüber der Frau. Das Kopftuch sei eindeutig ein Symbol der Unterdrückung, erklärt sie, und immer häufiger müssten sich schon fünf- bis siebenjährige Mädchen in Deutschland verschleiern. Islam bedeute eben nicht Frieden, wie oft behauptet werde, sagt Cileli. Suren im Koran, die sich gegen Andersgläubige richten, würden das beweisen. Und sie würden wörtlich genommen.

Islam braucht Aufklärung

Cileli hat eine klare Forderung: "Der Islam braucht eine Aufklärung." Das Christentum habe hier einen Vorteil, denn es habe die Aufklärung hinter sich, und viele Christen würden die Bibel nicht mehr wörtlich nehmen. Sie sagt grundsätzlich: "Ich glaube nicht an dogmatische Religionen." Vor so einem Kreis wie in Fritzlar, die Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik, die Herrenrunde und der Traditionsverein hatten sie eingeladen, sprach Cileli zum ersten Mal. Die Probleme, gegen die sie kämpft, gebe es über all, egal ob Stadt oder Land.


29.10.2007 / The Associated Press

Germany Cracks Down on Forced Marriages

By KIRSTEN GRIESHABER

BERLIN (AP) — Chancellor Angela Merkel has joined a growing movement to criminalize forced marriages in Germany, which is growing less tolerant of practices among Muslim immigrants that clash with the nation's liberal social values.

Forced marriages are generally imposed by young women's families to keep them from dating. Prosecution is rare and must take place under assault laws that also outlaw threats and coercion.

Women's' groups have been increasingly pushing for forced marriages to be specifically criminalized, to ease prosecution and to send a strong signal that the practice violates German laws and traditions.

"I completely agree that forced marriages should be punishable as a criminal act," Merkel said in a speech at a women's conference held by her conservative Christian Democrats over the weekend, surprising and pleasing activists.

"We are thrilled that the chancellor has made such a clear statement," said Sibylle Schreiber, a spokeswoman for the women's rights group Terre des Femmes. "Finally she's given a signal to the people that forcing your daughter into marriage is a crime."

Approximately 3.3 million Muslims live in Germany, 70 percent of them of Turkish origin. Many lead secular lifestyles but some make strong, even extreme, efforts to preserve conservative values.

In recent years, several courts have upheld state-level bans on headscarves for Muslim women teaching in public schools. Immigration laws now require that foreign spouses be at least 18 years old and already have a basic knowledge of the German language.

The state of Baden-Wuerttemberg has proposed federal legislation criminalizing forced marriages. It passed twice, most recently in February, but has not been taken up by the lower house. Women's activists were hopeful that Merkel's push would accelerate the process.

Serap Cileli, a Turkish-German writer whose book — "We Are Your Daughters, Not Your Honor" — documents her escape from a forced marriage at age 24, welcomed Merkel's initiative but said it was important to address the immigrant community directly.

"As long as we don't teach the fathers, husbands and brothers to let the women live self-determined lives, this wound will never stop bleeding," Cileli said.

Women's groups and experts on immigration in Germany said it was difficult to tell how many women marry after threats or abuse, but enough flee such arrangements that several shelters remain busy.

Along with Baden-Wuerttemberg, the states of Lower Saxony, and Berlin have started shelters, hot lines and online counseling. North Rhine-Westphalia has made it mandatory for all high school students to learn that forced marriage is illegal in Germany.

The impetus behind pressure to marry is found in conservative families' opposition to dating and premarital sex — considered affronts to family honor.

Such pressures are also behind so-called honor killings of women by family members, often brothers or husbands. The Federal Crime Office counted 55 such cases from 1996 to 2005.

A 20-year-old Turkish-German woman, whose her parents wanted her to wed a cousin she had met once, fled to Berlin, where she lives with a new identity out of fear her family might track her down.

"After they found out I had a boyfriend, they locked me up in my room and beat me up every day for a month," said the woman, who now uses the name Rojin Dogan. "They wanted to sew the tear in my hymen and quickly marry me to my cousin — they wanted to make him believe that I am still a virgin."

Dogan was rescued by "Hatun und Can" — a private organization named after the Turkish-German woman Hatun Surucu, who was shot and killed for her Western lifestyle in 2005. The group of 23 volunteers says it has helped 75 women since its founding in February.

Dogan contacted them online. A few days later they picked her up by car, brought her to Berlin and provided her with an apartment and a new job as a cashier.

In Britain, a forced marriage unit handles 5,000 complaints a year, with around 300 suspected cases investigated, ministers said, many among dual citizens with ties to Pakistan or India. British lawmakers decided in July not to create a specific law prohibiting forced marriages.


18.10.2007 / Zollern- Alb Kurier

Menschenrechtsverletzung im Namen der Religion

Beeindruckender Auftritt einer ungeheuer couragierten Frau:
Serap Cileli in der Hochschule

Einen beeindruckenden Auftritt einer couragierten Frau erlebten die Besucher des Vortrages von Serap Cileli. Die Autorin türkischer Abstammung kämpft für die Rechte muslimischer Frauen und setzt sich für den Dialog und gegen naive Toleranz ein.


17.10.2007 / Schwarzwälder Bote

Die Parallelgesellschaft ist schon mitten unter uns

Albstadt-Ebingen. Eine "unsichtbare Welt" - mitten in der deutschen Gesellschaft - hat die Buchautorin Serap ?ileli in ihrem Vortrag in der Hochschule Albstadt-Sigmaringen beschrieben. Bei den Literaturtagen Baden-Württemberg hat Frauenbeauftragte Birgit Dietrichkeit der deutsch-türkischen Autorin ein Forum geboten, um die Spirale von Gewalt und Zwangsehen in Deutschland öffentlich zu machen und die Diskussion um Ehrverbrechen vor der eigenen Haustür zu thematisieren.

Dietrichkeit stellte klar, dass sich derartige Menschenrechtsverletzungen mit keiner Religion oder Kultur begründen lassen und auch in keineswegs ganze Bevölkerungsgruppen betreffen: "Die Menschenrechtsverletzungen sind weltweit ein Problem überkommener traditioneller, patriarchalischer Gesellschaftsstrukturen."

In ihrem vor fünf Jahren erschienenen Buch "Wir sind eure Töchter, nicht eure Ehre" hat Serap ?ileli ihre persönliche Geschichte geschildert. Heute kämpft sie unter anderem dafür, dass betroffene Frauen und Mädchen mehr Hilfe erfahren und dass das Thema auf der politischen Ebene ernst genommen wird.

Bewusst verzichtete die 41-Jährige darauf, ihre eigene Biografie in den Mittelpunkt zu stellen, obwohl diese ein erschütterndes Dokument ist gegen Unterdrückung und Fremdbestimmung, die sie erfahren hat - im Namen der "Ehre und Religion". Dass Begriffe wie Zwangsheirat und Ehrenmorde Eingang gefunden haben in die deutsche Sprache, ist aus ihrer Sicht ein Indiz für das Entstehen einer bislang kaum wahrgenommenen Parallelgesellschaft und einer schleichenden Unterwanderung der im Grundgesetz garantierten freiheitlichen Rechte.

Mit erschütternden Beispielen zeigte die Mutter dreier Kinder auf, unter welchem seelischen und körperlichen Druck Mädchen und Frauen in dieser Parallelgesellschaft stehen, in der die Gruppenzugehörigkeit eine zentrale Rolle spielt und die so genannte "Ehre" Ausgangspunkt ist für Gewalt in ihren unterschiedlichsten Facetten bis hin zum Mord.

Um den deutschen und Zuhörern die Wurzeln dieser Entwicklung näher zu bringen, zitierte die Frauenrechtlerin Suren aus dem Koran und verdeutlichte, dass Religion und Tradition häufig auch als Legitimation missbraucht würden, "um Traditionen zu erhalten, die nicht mit dem Grundgesetz eines selbst bestimmten Lebens in Einklang zu bringen sind".

Engagiert trotz der Gefahr

In der lebhaften Diskussion im Anschluss wurde deutlich, dass das Engagement der Autorin für die Menschenrechte und die Rechte muslimischer und türkischer Frauen in Europa für sie lebensbedrohende Formen angenommen hat. Sie selbst steht unter "Staatsschutz", nachdem türkische Landsleute ihr offen gedroht haben, dass sie "irgendwann bestraft" würde. Ungeachtet aller Drohungen kämpft ?ileli, die vor zwei Jahren mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, auf der politischen Ebene - inzwischen EU-weit - für ein Miteinander und den friedlichen Dialog zwischen Deutschen und Türken.

Was kann der Einzelne tun für Mädchen, die minderjährig in eine Ehe gezwungen werden und diese als "Jungfrau" antreten müssen, wenngleich sie zuvor über Jahre vom eigenen Vater missbraucht wurden? "Nicht wegschauen!" rät Serap ?ileli. Austausch und Dialog mit türkischen Mitbürgern sei der erste Schritt, um eine solche Parallelwelt von Gewalt und Menschenrechtsverletzungen zu zerstören.


16.10.2007 / Rhein- Neckar- Zeitung (rnz-online)

Wenn die Frau für einen falschen Ehrbegriff herhalten muss

Von Stefan Kern


Serap Çileli im Hotel "Zur Pfalz". Foto: Dorn

Die junge Frau hat sich viel vorgenommen. Wenn man den Zahlen des Instituts für Türkei-Forschungen glauben darf, erinnert Serap Çilelis Kampf für die Rechte der Frauen im Islam an Don Quijotes Auseinandersetzung mit den Windmühlen. Immer mehr Türken in der zweiten und dritten Generation, so die Studie, wenden sich wieder den traditionell konservativen Werten zu, mit allen negativen Folgen für die Frauen. Wobei die Frauenrechtlerin selbst davor warnte, ihre Erfahrungen allzu sehr zu verallgemeinern.

Seit 1994, selbst dem Gefängnis der Zwangsehe gerade entronnen, engagiert sich die 1966 in Mersin (Türkei) geborene Çileli für Frauen in schlimmster Not. Zur Zeit steht sie 280 Mädchen und Frauen mit erschütternden Schicksalen zur Seite und versucht die Spirale von Gewalt, Angst und falsch verstandener Toleranz zu durchbrechen. Ganz klar erklärte sie zu Beginn ihres Vortrages in dem voll besetzten Saal im Hotel "Zur Pfalz", dass ein Ehrenmord nichts anderes als ein Schandmord sei und die Zwangsehe ein archaisches, patriarchalisches Phänomen, das mehr mit Macht und Unterdrückung als dem Koran zu tun habe. Çileli präsentierte in dieser Sonderveranstaltung der Schriesheimer VHS und der "amnesty international" - Ortsgruppe Ladenburg - Schriesheim jedoch keine theoretische Abhandlung über Rechtstraditionen und den Islam, sondern ein Zeugnis von Gewalt und Demütigung gegenüber Frauen. So erzählte sie von einer jungen Frau, die von ihrem eigenen Vater vergewaltigt wurde und jetzt versteckt leben muss, weil sie um ihr Leben fürchten muss. Die fast schon perverse Logik dahinter findet sich in dem archaisch anmutenden Ehrbegriff. Über Ehre definiert sich das Ansehen der Familie, und Frauen stehen sowohl symbolisch als auch ganz praktisch für diese Ehre der Familie. So gilt schon eine eigenständige Entwicklung, das Verfolgen eigener Ziele jenseits der gestatteten Norm als ehrenrührig. "Ganz besonders in Sachen Sexualität unterliegt die Frau einer totalen Fremdbestimmung", so Çileli. Als Jungfrau in die Ehe einzutreten, gelte als Pflicht, und jede Verletzung dieser Pflicht führe zur Entwertung als Mensch. Frauen, die eine eigenständige Sexualität leben wollten, würden in diesen Familien nur noch als Objekte der Schande erachtet, die es auszuradieren gelte, so Çileli.

Das Gebot der Jungfräulichkeit gilt übrigens auch für Männer. Dass es jedoch für Männer im Alltag keinerlei Bedeutung hat, führt die Referentin ganz klar auf Macht und Gewalt zurück: "Nur mit brutaler Gewalt kann solche Heuchelei verdrängt werden." Es scheint für viele Männer festzustehen, so ihre Vermutung, dass Frauen per se Schuld sind und sie allein das unbeherrschbar Böse in sich tragen. Immer wieder führt die Autorin des Buches "Wir sind eure Töchter, nicht eure Ehre" drastisch vor Augen, welche Auswirkungen dies auf die Frauen hat. Es gibt keine Studien, doch die Frauenrechtlerin zeigte sich überzeugt, dass es eine außergewöhnlich hohe Zahl an Selbstmordversuchen unter den betroffenen Frauen gibt: "Von meinen 280 Mädchen und Frauen haben es fast alle versucht." Zwölf oder 13 Jahre alte Mädchen würden von der eigenen Familie verschleppt und zwangsverheiratet: "Das Desaster, das die Eltern in der Psyche des Kindes anrichten, ist grenzenlos."

Kaum zu fassen ist da ihr letzter Bericht von einem 13-jährigen Mädchen, das sich weigerte, einen fremden Mann zu heiraten. Dafür fesselte der Stiefvater das Kind ans Bett, verging sich an ihm, überschüttete es mit Brennspiritus und wollte es verbrennen. Nur weil die Nachbarn einschritten, überlebte das Mädchen mit schlimmsten Verbrennungen.

Die Diskussion anschließend beschäftigte sich vor allem mit Wegen aus dieser Unmenschlichkeit. Elementar, so die Einschätzung im Saal, seien hier die Bildung und die damit zusammenhängenden beruflichen Perspektiven. Sowohl Mädchen als auch Jungen müssten noch intensiver mit Wertevorstellungen konfrontiert werden, die die Unantastbarkeit und Gleichberechtigung jedes einzelnen Menschen verdeutlichten.


16.10.2007 / Mannheimer Morgen

Eine Türkin kämpft für die Menschenrechte ihrer Landsfrauen

Großes Interesse an Vortrag in der Volkshochschule

Von Rosalinde Minor

Die Menschenrechtlerin stellt authentisch und couragiert Gesichter, Geschichten und Namen vor, berichtet von arrangierten Ehen bis zur Zwangsheirat und von Mädchen und Frauen, die in jungen Jahren deshalb ermordet oder in den Selbstmord getrieben wurden.


18. Juni 2007 / FAZ

Klare Worte: die türkischstämmige Frauenrechtlerin Serap Çileli

 

Frauenrechte

Kämpferin gegen die Zwangsehe

Von Stefan Toepfer

Wer Deutsch lernt, macht sich schmutzig. So musste die türkische Frau gedacht haben, als sie ihre Nachbarin, die einen Sprachkursus belegt hat, demütigte: „Willst Du eine Hure werden?“ Verachtung spricht aus dieser Frage nicht nur für die Nachbarin, sondern auch für das Land, in dem beide Frauen leben. Die Szene mag nicht repräsentativ sein für die Einstellung der meisten Zuwanderer, aber es ist eine von vielen, die Serap Çileli erzählen kann. Szenen, die alle für eine Facette der Einwanderung stehen: nicht gewollte Integration.

Die im Südhessischen wohnende Frauenrechtlerin Çileli ist über Begebenheiten wie diese empört. Sie findet: Frauen werden entwürdigt, wenn sie die deutsche Sprache nicht beherrschen, kleingehalten, wehrlos. Deswegen kann sie die Einwände gegen einen der strittigsten Punkte der soeben vom Bundestag verabschiedeten Novellierung des Zuwanderungsgesetzes nicht verstehen.

„Sprachnachweis ist das A und O“

Künftig müssen Eheleute, die etwa aus der Türkei zu ihrem Partner nach Deutschland ziehen, Deutschkenntnisse nachweisen. Kritiker halten dies wegen des besonderen Schutzes von Ehe und Familie im Grundgesetz für verfassungswidrig. „Was soll das?“, fragt Çileli. „Der Sprachnachweis ist keine Menschenrechtsverletzung, sondern das A und O.“

Der türkische Staat sei reich genug, um Sprachkurse zu finanzieren, auch die Familien, die zwischen 20.000 und 40.000 Euro für eine Hochzeit ausgäben, könnten für den Unterricht mit aufkommen. Deutsch zu sprechen sei auch eine Bedingung dafür, dass Frauen sich im Falle häuslicher Gewalt wehren und Nachbarn oder die Polizei zu Hilfe holen könnten.

In einem Punkt hätte sich die Einundvierzigjährige eine weitergehende Verschärfung im Zuwanderungsrecht gewünscht: Statt wie beschlossen das Zuzugsalter von Ehegatten von 16 auf 18 Jahre anzuheben, hätte es ihrer Meinung bei 21 Jahren liegen sollen. Mit der Heraufsetzung des Alters ist beabsichtigt, das Zustandekommen von Zwangsehen oder arrangierten Ehen zu erschweren. Auch wenn Zwangsheiraten oder Hochzeiten, bei denen sich die Frau einen von mehreren Männern aussuchen kann („arrangierte Ehen“), durch die Novelle nicht verhindert würden, befürworte sie die Gesetzesänderungen, sagt Çileli. „Sie sind ein Signal an die Gesellschaft und die in ihr lebenden Zuwanderer, dass Zwangsehen nicht geduldet werden.“

Çileli: Zuzugsalter für Ehegatten auf 21 Jahre erhöhen

Auch arrangierte Ehen seien indirekt Zwangshochzeiten, denn von einer Wahlfreiheit der Frau könne keine Rede sein. „Jahr für Jahr holen sich rund 20.000 Türkischstämmige in Deutschland Ehepartner aus der alten Heimat beziehungsweise werden dorthin verheiratet“, sagt die Frauenrechtlerin und Publizistin. „Die Frauen, die aus der Türkei geholt werden, sind oft in Koranschulen erzogen worden. Sie erziehen dann in Deutschland die nächste Generation von Kindern, was die Integration nicht fördert.“

Das Zuzugsalter für Ehegatten auf 21 Jahre zu erhöhen hätte abschreckend gewirkt, findet Çileli. „Zumal, wenn man bedenkt, dass es in der Türkei viele nicht registrierte Kinder gibt, deren Alter vor einer Zwangshochzeit manipuliert wird, so dass sie als Achtzehnjährige gelten, aber tatsächlich erst vierzehn sind.“ Nicht zufrieden ist sie auch damit, dass auch nach dem neuen Gesetz Frauen, die während ihres Urlaubs in der Türkei mit einem Mann verheiratet werden, ihr Aufenthaltsrecht in Deutschland verlieren, wenn sie länger als sechs Monate außerhalb des Landes leben: „Diese Frist muss verlängert werden.

Nötig sei aber vor allem mehr Aufklärung für Mädchen und junge Frauen: „Wenn sie nicht wissen, welche Rechte sie haben und dass Zwangsehen in Deutschland seit 2005 rechtswidrig sind, nützen ihnen die besten Gesetze nichts.“

Aufklärung über Tabuthemen

Çileli hat Kontakt zu etlichen Betroffenen – und war selbst eine von ihnen. Als Zwölfjährige wurde sie in Deutschland mit einem Mann verlobt. Ihr, wie sie sagt, „Hilfeschrei“ dagegen war ein Selbstmordversuch. In den Ferien musste sie als Fünfzehnjährige in der Türkei einen Mann heiraten, mit dem sie sieben Jahre zusammen war. Schließlich willigten ihre Eltern in die Scheidung ein, nicht ohne sie in Deutschland noch einmal verheiraten zu wollen. Sie floh 1992 in ein Frauenhaus. 1993 heiratete Çileli ihren heutigen Mann, den sie während ihrer Ehe in der Türkei kennengelernt hatte. Er begleitet sie bei ihren öffentlichen Auftritten – auch zum Schutz.

Çileli gilt vielen Türken und türkischstämmigen Deutschen als „Nestbeschmutzerin“. Auch weil sie über Inzest in türkischen Familien spricht, „das größte Tabuthema bei muslimischen Familien“; über elf oder zwölf Jahre alte Mädchen, die in Deutschland als Zweitfrauen verheiratet würden; über familiäre Gewalt im Namen der Ehre, das heißt zum Schutz der Jungfräulichkeit von Mädchen bis zur Eheschließung; über neue Moscheebauten, die sie für überflüssig hält: „3000 Gebetshäuser reichen.“ Sie spricht auch über die „Unvereinbarkeit von Koransuren mit der Menschenwürde“, etwa der Gleichberechtigung von Mann und Frau. „Um diese Würde geht es mir, nicht darum, den Islam oder die Türkei schlechtzumachen.“

Das werden ihr nicht alle Zuwanderer glauben. Umso mehr hält Çileli es für nötig, dass die so genannten säkularen Muslime sich mehr zusammenschließen. Sie möchte weitermachen, auch oder gerade weil ihr zufolge die Zivilcourage unter den Migranten nicht gut genug entwickelt ist. Ihr nächstes Buch über Zwangsehen und Gewalt im Namen der Ehre ist in Vorbereitung – es soll zur Buchmesse 2008 erscheinen. Ob sie Leser aus dem Gastland hat? Es ist die Türkei.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Wonge Bergmann


05.05.2007 / Wiesbadener Kurier

Von Wolfgang Degen

„ Naive Toleranz“ der westlichen Gesellschaft

Serap Cileli- eine Streiterin für Frauenrechte

Wiesbaden: „Gesetze und Verbote bremsen diese Männer nicht“, glaubt Serap Cileli. „Gewalt steckt in den Köpfen der Männer. Dort muss sich etwas ändern“. Die Frauenrechtlerin und Schriftstellerin, Deutsche türkischer Abstammung, wurde 2006 in Wiesbaden mit dem Ludwig- Beck- Preis geehrt.
Cileli spricht von Traditionen, die Unterdrückung, Fremdbestimmung und Gewalt legitimieren, etwa im Namen der Ehre. Sie prangert Zwangsverheiratung und arrangierte Ehen an. Keine Kultur, keine Religion könne die Gewalt an Frauen rechtfertigen, sagt sie. Der Kampf der 41- Jährigen gilt Traditionen, die einen eigenen Weg der Frau nicht dulden wollen.
Viele Türken werfen ihr vor, dass sie die „Türken schlecht“ mache. Sie sei eine Verräterin, solle lieber Positives sagen. Cileli lacht. „Das hieße, alles tot schweigen, was nicht passt“. Cileli beklagt gleichermaßen auch, was sie „naive Toleranz“ der westlichen Gesellschaft nennt: Das Wegschauen, Schönreden, Bagatellisieren, Tabuisieren. Das macht die Streitbare nicht minder zornig. Seit 2005 sei die Öffentlichkeit sensibler geworden, bescheinigt sie. Cileli hat oft hören müssen, dass Gewalt an Migrantinnen nur Einzelfälle sind, dass sie übertreibe, pauschalisiere, Vorurteile schüre. Das empört sie. „Von wegen Einzelfälle“, sagt sie. Cileli erlebt bei ihren Vorträgen in Schulen, wie sehr Ehrbegriffe alle Integration überdauert haben: „Da steht ein Schüler auf und sagt Stolz: Ich würde meiner Schwester auch die Kehle durchschneiden, wenn sie nicht mehr Jungfrau wäre“. Mit dem Ehrenkodex würden Generationen vergiftet, klagt sie. Und schildert, wie Druck aufgebaut wird: Wenn junge Türken bei ihrem Vortrag aufstehen und die türkischen Mädchen auffordern, sofort zu gehen. Cileli bringe sie nur auf den falschen Weg. „Wenn ihr nicht aufsteht, sagen wir das euren Vätern“. Fast alle Mädchen seien dann gegangen. „Und so etwas passiert in einer deutschen Schule“.


24.04.2007 / Recklinghauser Zeitung

Geistiger Widerstand

Mutig kämpft Serap Cileli für muslimische Mädchen und Frauen

Recklinghausen (the): Sie weiß um die Brisanz ihrer Worte. Zur „Nestbeschmutzerin“ und „Vaterlandsverräterin“ degradiert, wagt sie dennoch und unermüdlich den Widerstand gegen frauenverachtende Traditionen ihrer Heimat. Ihre Arbeit ist für sie lebensbedrohlich. Sie weiß, für wen sie es tut. Für ihre Töchter und alle anderen Mädchen und Frauen.


20.4.2007 / Odenwälder Echo

Damoklesschwert männlicher Gewalt
Forum im Landratsamt: 80 Fachleute diskutieren, um betroffenen Frauen und Mädchen in Migrantenfamilien zu helfen

ERBACH. Gewalt hat viele Gesichter. Bleiben diese dem öffentlichen Licht verborgen, ist es kein Leichtes, sie beim Namen zu nennen und dagegen anzugehen, ohne zu stigmatisieren. So verhält es sich auch mit der „Gewalt in Migrantenfamilien“, die am Mittwoch auf einem Fachforum im Landratsamt thematisiert wurde. Bereits das Interesse bestätigte die Veranstalter in der Überzeugung, dass es nicht damit getan ist, Zwangsehen und Ehrenmorde automatisch als Bestandteile kultureller und religiöser Unterdrückungsmechanismen in muslimischen Familien abzutun.

Über 80 Fachleute informierten sich und diskutierten über ihre Erfahrungen und die Möglichkeiten, wie von Gewalt betroffenen Frauen und Mädchen geholfen werden kann, ohne dass „alle muslimischen Männer unter Generalverdacht gestellt werden“, wie es Bijan Monazah vom Diakonischen Werk Odenwald formulierte. Organisiert wurde die Veranstaltung von dem Fachmann für Migration und interkulturelle Beratung, seiner Kollegin vom Diakonischen Werk in Frankfurt, der Frauenbeauftragten des Odenwaldkreises und den Mitarbeiterinnen des Erbacher Frauenhauses. Zusammen mit weiteren Mitstreitern widmen sie sich bereits seit fünf Jahren dieser Problematik im Arbeitskreis „Gegen Gewalt an Migrantinnen“.

Ein Blick auf die Anmeldeliste verrät, dass der Fachtag in einem Punkt seinem Ziel schon nahe gekommen ist: da stehen die Namen von Vertretern aus vielen Behörden, Schulen, der Polizei, Parteien, Betrieben, Praxen, Beratungsstellen, Beschäftigungsanbietern, aus der Jugendarbeit und weiteren Interessierten.

Sie sind es, die mehr Informationen für ihre tägliche Arbeit brauchen, um Fremde besser verstehen zu können. Was im Fachjargon „interkulturelle Kompetenz“ genannt wird, zeichnet sich auch dadurch aus, dass deren Angebote in mehreren Sprachen und ansprechend für spezielle Zielgruppen formuliert sein sollen. Als Beispiel eines solchen „niedrigschwelligen Angebots“ könnte eine in mehreren Sprachen geschaltete Telefonhotline für Gewaltopfer sein, forderte Monika Schröttle von der Universität Bielefeld. Sie warnte davor, jede hierzulande lebende türkische Frau als gering qualifiziert, rückständig und von Gewalt bedroht zu definieren. Dennoch hätten ihre empirischen Untersuchungen ergeben, dass „jede sechste Frau mit türkischem Migrationshintergrund nach eigenen Angaben häufiger auftretende körperliche Gewalt oder sexuelle Übergriffe durch den aktuellen Partner erlebt hat“.

Die Auswirkungen häuslicher Gewalt auf die Gesundheit der betroffenen Frauen stellte Serap Altinisik vom Frauenrechtsverband Terre des Femmes (Tübingen) dar. Den volkswirtschaftlichen Schaden bezifferte sie auf 15 Milliarden Euro. Vom „kleinen Pascha im Kindergarten“ bis zur gewaltbereiten „Ressource Männlichkeit“ als Ausgleich für Bildungsmisserfolge und eine untere soziale Stellung verlaufe der rote Faden, den Susanne Spindler (Universität Köln) in ihrer Täter-Opfer-Betrachtung vorstellte. Die Dozentin forderte dazu auf, diesen durch ein „gemeinsames feministisches Gegengewicht“ zu stoppen. Wer von Gewalt betroffenen Frauen hilft, läuft Gefahr, selbst bedroht zu werden, wusste die Erbacher Autorin Serap Cileli zu berichten. Trotzdem steht für sie die Hilfe unter Landsleuten an erster Stelle. Wie es um die Lebenssituation von Migrantinnen im Odenwaldkreis bestellt ist, beschäftigt den Arbeitskreis schon länger. Einer repräsentativen Umfrage zufolge wissen ein Drittel der befragten Behörden, Praxen und Organisationen von Gewalterfahrungen ihnen bekannter Migrantinnen. Physische wie psychische Gewalt, Verstoßung aus der Familie und Unterdrückung zählen zu den häufigsten Formen der Gewaltanwendungen. Einzelheiten der Umfrage wird der Arbeitskreis in Kürze veröffentlichen, kündigte die Kreisfrauenbeauftragte Amarelle Opel an.

Bereits jetzt lasse sich sagen, dass im Kreisgebiet nicht nur eine Beratungsstelle, sondern auch ein sicherer Zufluchtsort für gepeinigte ausländische Frauen fehlt. Das Erbacher Frauenhaus, das inzwischen von ebenso vielen Migrantinnen wie von deutschen Frauen aufgesucht wird, ist längst an der Kapazitätsgrenze angekommen, versicherte eine Mitarbeiterin. Noch schwieriger gestalte sich die Situation für minderjährige Migrantinnen, da das Frauenhaus regelhaft nur Erwachsene aufnehmen dürfe. (mg)


12.04.2007 / Friedrichsdorfer Woche

Frauenfrühstück befasste sich mit dem „Ehrenmord“

Von Henny Ludwig

Die Gestaltung der Türkei zu einer modernen Republik durch Kemal Atatürk 1923 hat sich leider gewandelt. Seit 1980 kommt es zu einer immer stärker werdenden Reislamisierung.


März 2007 / „der kriminalist“ / bdk- Heft 03

Fachzeitschrift des Bund Deutscher Kriminalbeamter

Artikel von Serap Cileli:
„Zwischen Unterdrückung und Aufbegehren: Wer entscheidet über das Leben muslimischer Frauen?“


13.03.2007 / Taunus Zeitung

Mädchen werden „Opfer der Ehre“

Friedrichsdorf. Die Schicksale, von denen Serap Cileli berichtete, gehen unter die Haut.
„Wenn die Ehre es verlangt“ lautete der Titel des aufrüttelnden Vortrags, den die Frauenrechtlerin und Autorin Serap Cileli anlässlich des Internationalen Frauentags im Rahmen eines Frauenfrühstücks hielt. Am Sonntag hatte dazu die städtische Frauenbeauftragte Walburga Kandler ins Rathaus eingeladen. Cileli, die selbst türkischer Herkunft ist, beleuchtete die kulturellen, traditionellen und religiösen Hintergründe, die das Leben der muslimischen Frauen und Mädchen bestimmen. Serap Cileli will die Öffentlichkeit für dieses Thema sensibilisieren: „Denn Gewalt gegen Frauen und Zwangsheirat sind Menschenrechtsverletzungen, die nicht nur in der Türkei oder dem Iran begangen werden. Von diesen Menschenrechtsverletzungen sind auch Frauen und Mädchen bei uns in Deutschland betroffen“, betonte die 41-Jährige und erinnerte an den Fall der jungen Türkin, die im Oktober 2002 in Köppern von ihrem Mann mit mehreren Messerstichen getötet wurde – weil sie den konservativen muslimischen Lebensstil ablehnte. „Auch diese junge Frau wurde zwangsverheiratet“, erklärte Serap Cileli und sprach von einem „wachsenden Anteil dieser konservativen muslimischen Familien“.

„Die Gewalt gegen Frauen, die Zwangsheirat und die Schandmorde haben nicht nur mit dem Islam, sondern auch mit den patriarchalischen Familienstrukturen zu tun“, hob sie hervor. Es gelte als ungeschriebenes Gesetz in muslimischen Familien, dass man als Jungfrau in die Ehe gehen müsse. „Das gilt aber nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer.“ Doch die Realität sehe anders aus: „Die Männer dürfen ihren Trieb vor der Heirat ausleben, sich die Hörner abstoßen, Mädchen dagegen müssen rein bleiben. Das ist eine heuchlerische Doppelmoral.“

Was die Referentin am meisten erschreckt, sind die Ansichten von jungen Türkinnen, die in der dritten Generation in Deutschland leben. „Wenn ich an Schulen bin, erfahre ich von vielen dieser Mädchen, dass sie den Ehrenbegriff ihres Vaters als Tradition ansehen. Die Mädchen erzählen mir, dass sie sich diesen Regeln unterordnen. Sie nehmen sie nicht als Gewalt wahr, sondern verteidigen den Ehrbegriff“, erklärte Serap Cileli. Sie hat es auch erlebt, dass Frauen, seien es Mütter oder Schwestern der Opfer, ebenfalls Verfechterinnen dieser patriarchalischen Familienstrukturen seien.

Serap Cileli, die 2005 zu den jüngsten Trägerinnen des Bundesverdienstkreuzes zählte, wurde selbst mit 15 Jahren zur Ehe gezwungen. Lange Jahre hat sie allein und als erste Frau überhaupt für die Rechte der islamischen Frauen und um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gekämpft. Heute ist sie zu einer gefragten Expertin und Ratgeberin für andere türkische Frauen in Not geworden. Auf ihrer Internetseite hat sie zudem ein „Mahnmal für die Opfer der Ehre“ eingerichtet, für all die Frauen, die in der Türkei und in Europa in den vergangenen Jahren im Namen der Ehre ermordet worden sind. Die Internetseite hat die Adresse http://www.cileli-serap.de. (ksp)


Torsdag 8 mars 2007 / (Schweden) Svenska Dagbladet / SVD BRÄNNPUNKT

Publicerat 7 mars 2007 23:19

"Tolerans dödar muslimska kvinnor"

Skamlig tystnad Sverige och Europa sviker starka muslimska kvinnor, som står upp emot förtryck i islam. Tysta feminister i väst hänvisar till tolerans och förståelse, samtidigt som 10 000-tals kvinnor hålls i slaveri, skriver statsvetaren Lisbeth Lindeborg, som skriver en bok om behovet av ett reformerat islam.

De är vår tids kvinnosakskvinnor. De kämpar dagligen med livet som insats mot kvinnoförtryck i islam, mot hederskriminalitet, tvångsgifte, incest, våldtäkt, misshandel och mord.

Några av dem bär kända namn som Taslima Nasrin, Nawal El Saadawi, Shirin Ebadi, Ayaan Hirsi Ali och Irshad Manji. Andra är inte lika kända: Necla Kelek, Seyran Ates, Samira Bellil, Maryam Namazie, Erin Keskin och den fantastiska kvinnokämpen Serap Cileli, som jag nyligen mött.

De skriver böcker om egna och medsystrars erfarenheter, de upplyser om förtryck av kvinnor i diasporan och i sina ursprungsländer.

Dessa modiga kvinnor talar i offentliga sammanhang, de får Nobelpris och andra utmärkelser, men fortfarande väntar merparten av muslimska kvinnor på en förbättring av sin situation.

Gör vi en lista på kvinnoförtryck inom islam blir den lång. Här räcker det att nämna det fortsatt höga antalet hedersmord i Europa och i Turkiet, kroppsstympningar av de flickor som inte kan bevisa sin jungfrulighet på bröllopsnatten.

Hedersmord dolda som självmord - vilket var fallet med 18 av 22 döda muslimska flickor i Storbritannien nyligen - våldtäktskulturen i Pakistan som Muktar Mai skrivit om i en bok översatt till svenska, beslutet att återinföra månggifte i Kirgisien och de så kallade importbrudarna, den stora kontingent av unga muslimska kvinnor som likt varor hämtas till muslimska män i Europa för att tvångsgiftas.

Förra året var 75 % av de kvinnliga invandrarna i Norge importbrudar.

Med den ökande islamismen i diasporan och i ett flertal islamiska länder ökar förtrycket av de muslimska kvinnorna.

En stor del av skulden för detta finner vi bland människor i väst. De ställer inte upp mot förtrycket – i stället svamlar de om respekt för andra kulturer. Visst får Ayaan Hirsi Ali säga det hon har på hjärtat i tv, men det får också den välkände Tariq Ramadan, som inte fördömer stenandet av kvinnor utan föreslår ett moratorium och som är emot äktenskap mellan muslimska kvinnor och icke-muslimska män.

Varför lyssnar man inte till Hirsi Ali då hon riktar sin kritik mot kulturrelativister i väst, i synnerhet mot feminister, som inte stöder sina muslimska medsystrar:

Jag vill att förespråkare för det multikulturella samhället gör sig förtrogna med det lidande som kvinnor - förslavade hemma - måste utstå i religionens namn. Måste de först själva spärras in och förtryckas för att kunna förstå dessa kvinnors situation? Är det inte hyckleri att bagatellisera eller tolerera något sådant, medan man själv profiterar av frihet och framsteg i väst?"


Varför lyssnar man inte till turkisk-tyska Necla Kelek, docent i socialvetenskap: “Jag fattar inte hur kvinnor som kallar sig feminister passivt kan åse hur tiotusentals kvinnor hålls som slavar här mitt ibland oss. I stället för att kritisera islam försöker man förstå“.

Och varför hörsammas inte Serap Cileli, författare bosatt i Tyskland. Hon har belönats med Tysklands högsta orden Bundesverdienstkreuz för sitt civilkurage och som räddare av muslimska flickor i nöd:

“I Europa är ni alldeles för tysta om kvinnoförtrycket inom islam. Vi muslimska kvinnor hade besparats mycket lidande om detta tagits upp till debatt. I stället har européernas naiva syn på tolerans skadat oss. Jag brukar säga att ni dödar oss med er tolerans.“

Serap Cileli vet vad hon talar om. Som 11-årig turkisk flicka i Tyskland blev hon bortförlovad med en äldre man. 13 år gammal 1980 försökte Serap begå självmord men “misslyckades“. Vid hemkomsten från sjukhuset väntade hennes far med piskan i handen. Hon var en “skam för familjen“.

Som 15-åring giftes hon bort med en äldre man i Turkiet. Efter sju års plåga gick hennes föräldrar med på skilsmässa. Serap och de två barnen fick återvända till Tyskland. Där väntade en ny förlovning.

“Om du skadar min familjeära dödar jag dig“, hotade fadern och slog henne medvetslös. Hon flydde till ett kvinnohus i en annan del av Tyskland. Först då hon var 27 år kunde Serap gifta sig med sin Ali som hon lärt känna i Turkiet – den förste som talat om för henne att hon var en människa med mänskliga rättigheter.

1999 publicerades Seraps bok “Vi är era döttrar - inte er ära“. Då jag träffar Serap på hemlig ort berättar hon att situationen föga ändrats för flertalet unga muslimska kvinnor. Hon har hjälpt 250 flickor att fly – unga kvinnor som hon räddat till livet.

Enligt Irshad Manji - författare till bestsellern The trouble with islam - är kvinnorna i väst rädda för att kallas rasister. Därför lämnar de sina muslimska medsystrar åt sitt öde.

I Tyskland har yttrandefriheten ett något högre tak än i Sverige. Där hindras inte heller den tyska kvinnosakskvinnan Alice Schwarzer från att yttra sig i dessa känsliga frågor. I Sverige däremot - vet jag av egen erfarenhet - refuseras artiklar på temat islam och kvinnoförtryck. Då jag skriver i ämnet pekas jag ut som islamofob - av svenska män!

I Sverige offras sanningen på det politiskt korrekta och förljugna altaret där landets mest dubiöse opinionsbildare Jan Guillou presiderar. Studier visar dock att de som använder sig av invektiv som islamofob och rasist ofta själva står den fascistoida islamismen nära.

“Det är viktigt att kvinnor i väst blandar sig i vad som händer. Överallt. Kvinnoförtrycket är en global fråga; se på Greenpeace - de agerar överallt. Det är er plikt att inte tiga. Då europeiska kvinnor inte reagerar är det ett förräderi mot kvinnosakens idé och mot de mänskliga rättigheterna“, säger Serap Celeli innan vi skiljs.

Lisbeth Lindeborg, fil. dr i statsvetenskap, bosatt i Tyskland.


26.02.2007 / Hanauer Anzeiger

Von Maryanto Fischer

Polizeischutz als Preis der Meinungsfreiheit

Serap Cileli spricht in der Christuskirche über Ehrenmorde und Gewalt gegen Frauen. Foto: Fischer

Es kommt immer öfter vor, dass Serap Cileli nur unter Polizeischutz lesen kann. „Manchmal sind mehr Sicherheitskräfte als Gäste anwesend“, erklärt sie den 70 Zuhörern in Hanau; unter denen sich leider nur wenige moslemische Gäste befanden.

„Wenn ich Menschenrechte für moslemische Frauen einfordere, muss ich ach mit meinem Leib dazu stehen“, so Cileli über die Gefahren ihrer Aufklärungsarbeit, „das ist eben der Preis dafür“.

Ihre lebendige, unverblümte Vortragsweise ging auch in Hanau unter die Haut. „Bei Amnesty International sind viele ähnliche Fälle bekannt“, erklärten die AI-Aktivisten nach den Ausführungen der Autorin, „doch die Art, wie sie erzählt, rührt selbst uns noch auf“.

Serap Cileli ist übrigens meilenweit davon entfernt, zu verallgemeinern, oder den Islam per se schlecht zu machen. Leider gebe es immer wieder Menschen, die Religion fundamentalistisch missbrauchen und so zur Gefahr anderer würden. „Einige Suren im Koran sind zweifelsfrei reformbedürftig!“.


26.02.2007 / Frankfurter Rundschau

Von Christine Fauerbach

Gefragte Expertin
Frauenrechtlerin Serap Cileli macht auf das trostlose Schicksal muslimischer Mädchen und Frauen aufmerksam

„Wir brauchen in erster Linie den politischen Willen, das heißt: Wir müssen Integration fordern, Druck machen mit Gesetzen und Aufklärung. Deutschkurse sind für die Integration Jugendlicher wichtig. Sie kosten Geld. Lippenbekenntnisse allein helfen nicht weiter.“

Das Kopftuch- Tragen werde als politisches Statement missbraucht

Serap Cileli warnte ihre Zuhörer davor, sich von den Masken der Islamisten, ihren geschliffenen Reden an Tagen der offenen Tür täuschen zu lassen. Das Tragen von Kopftüchern werde von Islamisten in Deutschland seit zehn Jahren als politisches Statement missbraucht. Von nationalistischen türkischen Migranten und der Re- Islamisierung der türkischen Gesellschaft gehe eine große Gefahr für Deutschland aus.


 
 

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