06.12.2007
/ HNA- Schwalmstadt
Sie kämpft gegen Dogmen
Zu Gast bei uns: Die Autorin Serap
Cileli sprach im Offiziersheim Fritzlar
Von Olaf Dellit
Klare Worte: Serap Cileli, die
für Frauenrechte im Islam kämpft, zu Gast in Fritzlar. Foto:
Dellit
Schwalm - Eder. Polizei ist immer
dabei, wenn Serap Cileli auftritt. So auch im Offiziersheim Fritzlar,
wo sie am Dienstag einen Vortrag hielt. Die 41-Jährige gilt als
gefährdet, weil sie sich mit dem Islam anlegt.
Islamkritikerin wird sie genannt,
doch diesen Titel weist sie von sich. "So einen Beruf gibt es nicht",
sagt sie. Sie sei Frauenrechtlerin und Autorin. Cileli hat im Buch "Wir
sind Eure Töchter, nicht Eure Ehre" auch über ihr eigenes
Leben geschrieben.
Die Tochter türkischer Immigranten
wurde in die Türkei zwangsverheiratet, ließ sich nach langem
Kampf scheiden und floh, als sie erneut verheiratet werden sollte, in
ein Frauenhaus. Heute betreut sie 280 Mädchen, die ähnliche
Probleme haben. Ihre Biografie habe sie verarbeitet, aber sie helfe
ihr, die Mädchen und ihre Probleme zu verstehen. Sie bietet ihnen
Schutz an, führt Gespräche mit den Familien und sucht bei
Bedarf Gynäkologen, die den Mädchen helfen, die vor der Ehe
Geschlechtsverkehr hatten. Durch Drohungen, die sie erhält, lässt
sich Cileli nicht vom Weg abbringen.
Eine Pflicht, weiterzumachen
Es sei ihre Aufgabe und Pflicht,
und sie will weitermachen, "bis ich die Letzte gerettet habe",
sagt sie. Die 41-Jährige, die sich als Ex-Muslimin bezeichnet,
nimmt kein Blatt vor den Mund, sie prangert an und kritisiert, es gebe
eine naive Toleranz gegenüber Muslimen. Dabei sei Frauenfeindlichkeit
im Koran verankert, unter anderem durch das Züchtigungsrecht des
Mannes gegenüber der Frau. Das Kopftuch sei eindeutig ein Symbol
der Unterdrückung, erklärt sie, und immer häufiger müssten
sich schon fünf- bis siebenjährige Mädchen in Deutschland
verschleiern. Islam bedeute eben nicht Frieden, wie oft behauptet werde,
sagt Cileli. Suren im Koran, die sich gegen Andersgläubige richten,
würden das beweisen. Und sie würden wörtlich genommen.
Islam braucht Aufklärung
Cileli hat eine klare Forderung:
"Der Islam braucht eine Aufklärung." Das Christentum
habe hier einen Vorteil, denn es habe die Aufklärung hinter sich,
und viele Christen würden die Bibel nicht mehr wörtlich nehmen.
Sie sagt grundsätzlich: "Ich glaube nicht an dogmatische Religionen."
Vor so einem Kreis wie in Fritzlar, die Gesellschaft für Wehr-
und Sicherheitspolitik, die Herrenrunde und der Traditionsverein hatten
sie eingeladen, sprach Cileli zum ersten Mal. Die Probleme, gegen die
sie kämpft, gebe es über all, egal ob Stadt oder Land.
29.10.2007
/ The Associated Press

Germany Cracks Down on Forced
Marriages
By KIRSTEN GRIESHABER
BERLIN (AP) — Chancellor
Angela Merkel has joined a growing movement to criminalize forced marriages
in Germany, which is growing less tolerant of practices among Muslim
immigrants that clash with the nation's liberal social values.
Forced marriages are generally
imposed by young women's families to keep them from dating. Prosecution
is rare and must take place under assault laws that also outlaw threats
and coercion.
Women's' groups have been increasingly
pushing for forced marriages to be specifically criminalized, to ease
prosecution and to send a strong signal that the practice violates German
laws and traditions.
"I completely agree that
forced marriages should be punishable as a criminal act," Merkel
said in a speech at a women's conference held by her conservative Christian
Democrats over the weekend, surprising and pleasing activists.
"We are thrilled that the
chancellor has made such a clear statement," said Sibylle Schreiber,
a spokeswoman for the women's rights group Terre des Femmes. "Finally
she's given a signal to the people that forcing your daughter into marriage
is a crime."
Approximately 3.3 million Muslims
live in Germany, 70 percent of them of Turkish origin. Many lead secular
lifestyles but some make strong, even extreme, efforts to preserve conservative
values.
In recent years, several courts
have upheld state-level bans on headscarves for Muslim women teaching
in public schools. Immigration laws now require that foreign spouses
be at least 18 years old and already have a basic knowledge of the German
language.
The state of Baden-Wuerttemberg
has proposed federal legislation criminalizing forced marriages. It
passed twice, most recently in February, but has not been taken up by
the lower house. Women's activists were hopeful that Merkel's push would
accelerate the process.
Serap Cileli, a Turkish-German
writer whose book — "We Are Your Daughters, Not Your Honor"
— documents her escape from a forced marriage at age 24, welcomed
Merkel's initiative but said it was important to address the immigrant
community directly.
"As long as we don't teach
the fathers, husbands and brothers to let the women live self-determined
lives, this wound will never stop bleeding," Cileli said.
Women's groups and experts on
immigration in Germany said it was difficult to tell how many women
marry after threats or abuse, but enough flee such arrangements that
several shelters remain busy.
Along with Baden-Wuerttemberg,
the states of Lower Saxony, and Berlin have started shelters, hot lines
and online counseling. North Rhine-Westphalia has made it mandatory
for all high school students to learn that forced marriage is illegal
in Germany.
The impetus behind pressure to
marry is found in conservative families' opposition to dating and premarital
sex — considered affronts to family honor.
Such pressures are also behind
so-called honor killings of women by family members, often brothers
or husbands. The Federal Crime Office counted 55 such cases from 1996
to 2005.
A 20-year-old Turkish-German woman,
whose her parents wanted her to wed a cousin she had met once, fled
to Berlin, where she lives with a new identity out of fear her family
might track her down.
"After they found out I had
a boyfriend, they locked me up in my room and beat me up every day for
a month," said the woman, who now uses the name Rojin Dogan. "They
wanted to sew the tear in my hymen and quickly marry me to my cousin
— they wanted to make him believe that I am still a virgin."
Dogan was rescued by "Hatun
und Can" — a private organization named after the Turkish-German
woman Hatun Surucu, who was shot and killed for her Western lifestyle
in 2005. The group of 23 volunteers says it has helped 75 women since
its founding in February.
Dogan contacted them online. A
few days later they picked her up by car, brought her to Berlin and
provided her with an apartment and a new job as a cashier.
In Britain, a forced marriage
unit handles 5,000 complaints a year, with around 300 suspected cases
investigated, ministers said, many among dual citizens with ties to
Pakistan or India. British lawmakers decided in July not to create a
specific law prohibiting forced marriages.
18.10.2007
/ Zollern- Alb Kurier
Menschenrechtsverletzung im Namen der Religion
Beeindruckender Auftritt einer ungeheuer couragierten
Frau:
Serap Cileli in der Hochschule
Einen beeindruckenden Auftritt einer couragierten
Frau erlebten die Besucher des Vortrages von Serap Cileli. Die Autorin
türkischer Abstammung kämpft für die Rechte muslimischer
Frauen und setzt sich für den Dialog und gegen naive Toleranz ein.
17.10.2007
/ Schwarzwälder Bote
Die Parallelgesellschaft ist schon mitten unter
uns
Albstadt-Ebingen. Eine "unsichtbare Welt"
- mitten in der deutschen Gesellschaft - hat die Buchautorin Serap ?ileli
in ihrem Vortrag in der Hochschule Albstadt-Sigmaringen beschrieben.
Bei den Literaturtagen Baden-Württemberg hat Frauenbeauftragte
Birgit Dietrichkeit der deutsch-türkischen Autorin ein Forum geboten,
um die Spirale von Gewalt und Zwangsehen in Deutschland öffentlich
zu machen und die Diskussion um Ehrverbrechen vor der eigenen Haustür
zu thematisieren.
Dietrichkeit stellte klar, dass sich derartige
Menschenrechtsverletzungen mit keiner Religion oder Kultur begründen
lassen und auch in keineswegs ganze Bevölkerungsgruppen betreffen:
"Die Menschenrechtsverletzungen sind weltweit ein Problem überkommener
traditioneller, patriarchalischer Gesellschaftsstrukturen."
In ihrem vor fünf Jahren erschienenen Buch
"Wir sind eure Töchter, nicht eure Ehre" hat Serap ?ileli
ihre persönliche Geschichte geschildert. Heute kämpft sie
unter anderem dafür, dass betroffene Frauen und Mädchen mehr
Hilfe erfahren und dass das Thema auf der politischen Ebene ernst genommen
wird.
Bewusst verzichtete die 41-Jährige darauf,
ihre eigene Biografie in den Mittelpunkt zu stellen, obwohl diese ein
erschütterndes Dokument ist gegen Unterdrückung und Fremdbestimmung,
die sie erfahren hat - im Namen der "Ehre und Religion". Dass
Begriffe wie Zwangsheirat und Ehrenmorde Eingang gefunden haben in die
deutsche Sprache, ist aus ihrer Sicht ein Indiz für das Entstehen
einer bislang kaum wahrgenommenen Parallelgesellschaft und einer schleichenden
Unterwanderung der im Grundgesetz garantierten freiheitlichen Rechte.
Mit erschütternden Beispielen zeigte die
Mutter dreier Kinder auf, unter welchem seelischen und körperlichen
Druck Mädchen und Frauen in dieser Parallelgesellschaft stehen,
in der die Gruppenzugehörigkeit eine zentrale Rolle spielt und
die so genannte "Ehre" Ausgangspunkt ist für Gewalt in
ihren unterschiedlichsten Facetten bis hin zum Mord.
Um den deutschen und Zuhörern
die Wurzeln dieser Entwicklung näher zu bringen, zitierte die Frauenrechtlerin
Suren aus dem Koran und verdeutlichte, dass Religion und Tradition häufig
auch als Legitimation missbraucht würden, "um Traditionen
zu erhalten, die nicht mit dem Grundgesetz eines selbst bestimmten Lebens
in Einklang zu bringen sind".
Engagiert trotz der Gefahr
In der lebhaften Diskussion im
Anschluss wurde deutlich, dass das Engagement der Autorin für die
Menschenrechte und die Rechte muslimischer und türkischer Frauen
in Europa für sie lebensbedrohende Formen angenommen hat. Sie selbst
steht unter "Staatsschutz", nachdem türkische Landsleute
ihr offen gedroht haben, dass sie "irgendwann bestraft" würde.
Ungeachtet aller Drohungen kämpft ?ileli, die vor zwei Jahren mit
dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, auf der politischen Ebene
- inzwischen EU-weit - für ein Miteinander und den friedlichen
Dialog zwischen Deutschen und Türken.
Was kann der Einzelne tun für Mädchen,
die minderjährig in eine Ehe gezwungen werden und diese als "Jungfrau"
antreten müssen, wenngleich sie zuvor über Jahre vom eigenen
Vater missbraucht wurden? "Nicht wegschauen!" rät Serap
?ileli. Austausch und Dialog mit türkischen Mitbürgern sei
der erste Schritt, um eine solche Parallelwelt von Gewalt und Menschenrechtsverletzungen
zu zerstören.
16.10.2007
/ Rhein- Neckar- Zeitung (rnz-online)
Wenn die Frau für einen falschen
Ehrbegriff herhalten muss
Von Stefan Kern

Serap Çileli im Hotel "Zur Pfalz". Foto:
Dorn
Die junge Frau hat sich viel vorgenommen.
Wenn man den Zahlen des Instituts für Türkei-Forschungen glauben
darf, erinnert Serap Çilelis Kampf für die Rechte der Frauen
im Islam an Don Quijotes Auseinandersetzung mit den Windmühlen.
Immer mehr Türken in der zweiten und dritten Generation, so die
Studie, wenden sich wieder den traditionell konservativen Werten zu,
mit allen negativen Folgen für die Frauen. Wobei die Frauenrechtlerin
selbst davor warnte, ihre Erfahrungen allzu sehr zu verallgemeinern.
Seit 1994, selbst dem Gefängnis
der Zwangsehe gerade entronnen, engagiert sich die 1966 in Mersin (Türkei)
geborene Çileli für Frauen in schlimmster Not. Zur Zeit
steht sie 280 Mädchen und Frauen mit erschütternden Schicksalen
zur Seite und versucht die Spirale von Gewalt, Angst und falsch verstandener
Toleranz zu durchbrechen. Ganz klar erklärte sie zu Beginn ihres
Vortrages in dem voll besetzten Saal im Hotel "Zur Pfalz",
dass ein Ehrenmord nichts anderes als ein Schandmord sei und die Zwangsehe
ein archaisches, patriarchalisches Phänomen, das mehr mit Macht
und Unterdrückung als dem Koran zu tun habe. Çileli präsentierte
in dieser Sonderveranstaltung der Schriesheimer VHS und der "amnesty
international" - Ortsgruppe Ladenburg - Schriesheim jedoch keine
theoretische Abhandlung über Rechtstraditionen und den Islam, sondern
ein Zeugnis von Gewalt und Demütigung gegenüber Frauen. So
erzählte sie von einer jungen Frau, die von ihrem eigenen Vater
vergewaltigt wurde und jetzt versteckt leben muss, weil sie um ihr Leben
fürchten muss. Die fast schon perverse Logik dahinter findet sich
in dem archaisch anmutenden Ehrbegriff. Über Ehre definiert sich
das Ansehen der Familie, und Frauen stehen sowohl symbolisch als auch
ganz praktisch für diese Ehre der Familie. So gilt schon eine eigenständige
Entwicklung, das Verfolgen eigener Ziele jenseits der gestatteten Norm
als ehrenrührig. "Ganz besonders in Sachen Sexualität
unterliegt die Frau einer totalen Fremdbestimmung", so Çileli.
Als Jungfrau in die Ehe einzutreten, gelte als Pflicht, und jede Verletzung
dieser Pflicht führe zur Entwertung als Mensch. Frauen, die eine
eigenständige Sexualität leben wollten, würden in diesen
Familien nur noch als Objekte der Schande erachtet, die es auszuradieren
gelte, so Çileli.
Das Gebot der Jungfräulichkeit
gilt übrigens auch für Männer. Dass es jedoch für
Männer im Alltag keinerlei Bedeutung hat, führt die Referentin
ganz klar auf Macht und Gewalt zurück: "Nur mit brutaler Gewalt
kann solche Heuchelei verdrängt werden." Es scheint für
viele Männer festzustehen, so ihre Vermutung, dass Frauen per se
Schuld sind und sie allein das unbeherrschbar Böse in sich tragen.
Immer wieder führt die Autorin des Buches "Wir sind eure Töchter,
nicht eure Ehre" drastisch vor Augen, welche Auswirkungen dies
auf die Frauen hat. Es gibt keine Studien, doch die Frauenrechtlerin
zeigte sich überzeugt, dass es eine außergewöhnlich
hohe Zahl an Selbstmordversuchen unter den betroffenen Frauen gibt:
"Von meinen 280 Mädchen und Frauen haben es fast alle versucht."
Zwölf oder 13 Jahre alte Mädchen würden von der eigenen
Familie verschleppt und zwangsverheiratet: "Das Desaster, das die
Eltern in der Psyche des Kindes anrichten, ist grenzenlos."
Kaum zu fassen ist da ihr letzter
Bericht von einem 13-jährigen Mädchen, das sich weigerte,
einen fremden Mann zu heiraten. Dafür fesselte der Stiefvater das
Kind ans Bett, verging sich an ihm, überschüttete es mit Brennspiritus
und wollte es verbrennen. Nur weil die Nachbarn einschritten, überlebte
das Mädchen mit schlimmsten Verbrennungen.
Die Diskussion anschließend
beschäftigte sich vor allem mit Wegen aus dieser Unmenschlichkeit.
Elementar, so die Einschätzung im Saal, seien hier die Bildung
und die damit zusammenhängenden beruflichen Perspektiven. Sowohl
Mädchen als auch Jungen müssten noch intensiver mit Wertevorstellungen
konfrontiert werden, die die Unantastbarkeit und Gleichberechtigung
jedes einzelnen Menschen verdeutlichten.
16.10.2007
/ Mannheimer Morgen
Eine Türkin kämpft für die Menschenrechte
ihrer Landsfrauen
Großes Interesse an Vortrag in der Volkshochschule
Von Rosalinde Minor
Die Menschenrechtlerin stellt authentisch und
couragiert Gesichter, Geschichten und Namen vor, berichtet von arrangierten
Ehen bis zur Zwangsheirat und von Mädchen und Frauen, die in jungen
Jahren deshalb ermordet oder in den Selbstmord getrieben wurden.
18. Juni 2007
/ FAZ

Klare Worte: die türkischstämmige
Frauenrechtlerin Serap Çileli
Frauenrechte
Kämpferin gegen die Zwangsehe
Von Stefan Toepfer
Wer Deutsch lernt, macht sich
schmutzig. So musste die türkische Frau gedacht haben, als sie
ihre Nachbarin, die einen Sprachkursus belegt hat, demütigte: „Willst
Du eine Hure werden?“ Verachtung spricht aus dieser Frage nicht
nur für die Nachbarin, sondern auch für das Land, in dem beide
Frauen leben. Die Szene mag nicht repräsentativ sein für die
Einstellung der meisten Zuwanderer, aber es ist eine von vielen, die
Serap Çileli erzählen kann. Szenen, die alle für eine
Facette der Einwanderung stehen: nicht gewollte Integration.
Die im Südhessischen wohnende
Frauenrechtlerin Çileli ist über Begebenheiten wie diese
empört. Sie findet: Frauen werden entwürdigt, wenn sie die
deutsche Sprache nicht beherrschen, kleingehalten, wehrlos. Deswegen
kann sie die Einwände gegen einen der strittigsten Punkte der soeben
vom Bundestag verabschiedeten Novellierung des Zuwanderungsgesetzes
nicht verstehen.
„Sprachnachweis ist das
A und O“
Künftig müssen Eheleute,
die etwa aus der Türkei zu ihrem Partner nach Deutschland ziehen,
Deutschkenntnisse nachweisen. Kritiker halten dies wegen des besonderen
Schutzes von Ehe und Familie im Grundgesetz für verfassungswidrig.
„Was soll das?“, fragt Çileli. „Der Sprachnachweis
ist keine Menschenrechtsverletzung, sondern das A und O.“
Der türkische Staat sei reich
genug, um Sprachkurse zu finanzieren, auch die Familien, die zwischen
20.000 und 40.000 Euro für eine Hochzeit ausgäben, könnten
für den Unterricht mit aufkommen. Deutsch zu sprechen sei auch
eine Bedingung dafür, dass Frauen sich im Falle häuslicher
Gewalt wehren und Nachbarn oder die Polizei zu Hilfe holen könnten.
In einem Punkt hätte sich
die Einundvierzigjährige eine weitergehende Verschärfung im
Zuwanderungsrecht gewünscht: Statt wie beschlossen das Zuzugsalter
von Ehegatten von 16 auf 18 Jahre anzuheben, hätte es ihrer Meinung
bei 21 Jahren liegen sollen. Mit der Heraufsetzung des Alters ist beabsichtigt,
das Zustandekommen von Zwangsehen oder arrangierten Ehen zu erschweren.
Auch wenn Zwangsheiraten oder Hochzeiten, bei denen sich die Frau einen
von mehreren Männern aussuchen kann („arrangierte Ehen“),
durch die Novelle nicht verhindert würden, befürworte sie
die Gesetzesänderungen, sagt Çileli. „Sie sind ein
Signal an die Gesellschaft und die in ihr lebenden Zuwanderer, dass
Zwangsehen nicht geduldet werden.“
Çileli: Zuzugsalter für
Ehegatten auf 21 Jahre erhöhen
Auch arrangierte Ehen seien indirekt
Zwangshochzeiten, denn von einer Wahlfreiheit der Frau könne keine
Rede sein. „Jahr für Jahr holen sich rund 20.000 Türkischstämmige
in Deutschland Ehepartner aus der alten Heimat beziehungsweise werden
dorthin verheiratet“, sagt die Frauenrechtlerin und Publizistin.
„Die Frauen, die aus der Türkei geholt werden, sind oft in
Koranschulen erzogen worden. Sie erziehen dann in Deutschland die nächste
Generation von Kindern, was die Integration nicht fördert.“
Das Zuzugsalter für Ehegatten
auf 21 Jahre zu erhöhen hätte abschreckend gewirkt, findet
Çileli. „Zumal, wenn man bedenkt, dass es in der Türkei
viele nicht registrierte Kinder gibt, deren Alter vor einer Zwangshochzeit
manipuliert wird, so dass sie als Achtzehnjährige gelten, aber
tatsächlich erst vierzehn sind.“ Nicht zufrieden ist sie
auch damit, dass auch nach dem neuen Gesetz Frauen, die während
ihres Urlaubs in der Türkei mit einem Mann verheiratet werden,
ihr Aufenthaltsrecht in Deutschland verlieren, wenn sie länger
als sechs Monate außerhalb des Landes leben: „Diese Frist
muss verlängert werden.
Nötig sei aber vor allem
mehr Aufklärung für Mädchen und junge Frauen: „Wenn
sie nicht wissen, welche Rechte sie haben und dass Zwangsehen in Deutschland
seit 2005 rechtswidrig sind, nützen ihnen die besten Gesetze nichts.“
Aufklärung über Tabuthemen
Çileli hat Kontakt zu etlichen
Betroffenen – und war selbst eine von ihnen. Als Zwölfjährige
wurde sie in Deutschland mit einem Mann verlobt. Ihr, wie sie sagt,
„Hilfeschrei“ dagegen war ein Selbstmordversuch. In den
Ferien musste sie als Fünfzehnjährige in der Türkei einen
Mann heiraten, mit dem sie sieben Jahre zusammen war. Schließlich
willigten ihre Eltern in die Scheidung ein, nicht ohne sie in Deutschland
noch einmal verheiraten zu wollen. Sie floh 1992 in ein Frauenhaus.
1993 heiratete Çileli ihren heutigen Mann, den sie während
ihrer Ehe in der Türkei kennengelernt hatte. Er begleitet sie bei
ihren öffentlichen Auftritten – auch zum Schutz.
Çileli gilt vielen Türken
und türkischstämmigen Deutschen als „Nestbeschmutzerin“.
Auch weil sie über Inzest in türkischen Familien spricht,
„das größte Tabuthema bei muslimischen Familien“;
über elf oder zwölf Jahre alte Mädchen, die in Deutschland
als Zweitfrauen verheiratet würden; über familiäre Gewalt
im Namen der Ehre, das heißt zum Schutz der Jungfräulichkeit
von Mädchen bis zur Eheschließung; über neue Moscheebauten,
die sie für überflüssig hält: „3000 Gebetshäuser
reichen.“ Sie spricht auch über die „Unvereinbarkeit
von Koransuren mit der Menschenwürde“, etwa der Gleichberechtigung
von Mann und Frau. „Um diese Würde geht es mir, nicht darum,
den Islam oder die Türkei schlechtzumachen.“
Das werden ihr nicht alle Zuwanderer
glauben. Umso mehr hält Çileli es für nötig, dass
die so genannten säkularen Muslime sich mehr zusammenschließen.
Sie möchte weitermachen, auch oder gerade weil ihr zufolge die
Zivilcourage unter den Migranten nicht gut genug entwickelt ist. Ihr
nächstes Buch über Zwangsehen und Gewalt im Namen der Ehre
ist in Vorbereitung – es soll zur Buchmesse 2008 erscheinen. Ob
sie Leser aus dem Gastland hat? Es ist die Türkei.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Wonge Bergmann
05.05.2007
/ Wiesbadener Kurier
Von Wolfgang Degen
„ Naive Toleranz“ der westlichen
Gesellschaft
Serap Cileli- eine Streiterin für Frauenrechte
Wiesbaden: „Gesetze und
Verbote bremsen diese Männer nicht“, glaubt Serap Cileli.
„Gewalt steckt in den Köpfen der Männer. Dort muss sich
etwas ändern“. Die Frauenrechtlerin und Schriftstellerin,
Deutsche türkischer Abstammung, wurde 2006 in Wiesbaden mit dem
Ludwig- Beck- Preis geehrt.
Cileli spricht von Traditionen, die Unterdrückung, Fremdbestimmung
und Gewalt legitimieren, etwa im Namen der Ehre. Sie prangert Zwangsverheiratung
und arrangierte Ehen an. Keine Kultur, keine Religion könne die
Gewalt an Frauen rechtfertigen, sagt sie. Der Kampf der 41- Jährigen
gilt Traditionen, die einen eigenen Weg der Frau nicht dulden wollen.
Viele Türken werfen ihr vor, dass sie die „Türken schlecht“
mache. Sie sei eine Verräterin, solle lieber Positives sagen. Cileli
lacht. „Das hieße, alles tot schweigen, was nicht passt“.
Cileli beklagt gleichermaßen auch, was sie „naive Toleranz“
der westlichen Gesellschaft nennt: Das Wegschauen, Schönreden,
Bagatellisieren, Tabuisieren. Das macht die Streitbare nicht minder
zornig. Seit 2005 sei die Öffentlichkeit sensibler geworden, bescheinigt
sie. Cileli hat oft hören müssen, dass Gewalt an Migrantinnen
nur Einzelfälle sind, dass sie übertreibe, pauschalisiere,
Vorurteile schüre. Das empört sie. „Von wegen Einzelfälle“,
sagt sie. Cileli erlebt bei ihren Vorträgen in Schulen, wie sehr
Ehrbegriffe alle Integration überdauert haben: „Da steht
ein Schüler auf und sagt Stolz: Ich würde meiner Schwester
auch die Kehle durchschneiden, wenn sie nicht mehr Jungfrau wäre“.
Mit dem Ehrenkodex würden Generationen vergiftet, klagt sie. Und
schildert, wie Druck aufgebaut wird: Wenn junge Türken bei ihrem
Vortrag aufstehen und die türkischen Mädchen auffordern, sofort
zu gehen. Cileli bringe sie nur auf den falschen Weg. „Wenn ihr
nicht aufsteht, sagen wir das euren Vätern“. Fast alle Mädchen
seien dann gegangen. „Und so etwas passiert in einer deutschen
Schule“.
24.04.2007
/ Recklinghauser Zeitung
Geistiger Widerstand
Mutig kämpft Serap Cileli
für muslimische Mädchen und Frauen
Recklinghausen (the): Sie weiß
um die Brisanz ihrer Worte. Zur „Nestbeschmutzerin“ und
„Vaterlandsverräterin“ degradiert, wagt sie dennoch
und unermüdlich den Widerstand gegen frauenverachtende Traditionen
ihrer Heimat. Ihre Arbeit ist für sie lebensbedrohlich. Sie weiß,
für wen sie es tut. Für ihre Töchter und alle anderen
Mädchen und Frauen.
20.4.2007
/ Odenwälder Echo
Damoklesschwert männlicher Gewalt
Forum im Landratsamt: 80 Fachleute diskutieren, um betroffenen Frauen
und Mädchen in Migrantenfamilien zu helfen
ERBACH. Gewalt hat viele Gesichter.
Bleiben diese dem öffentlichen Licht verborgen, ist es kein Leichtes,
sie beim Namen zu nennen und dagegen anzugehen, ohne zu stigmatisieren.
So verhält es sich auch mit der „Gewalt in Migrantenfamilien“,
die am Mittwoch auf einem Fachforum im Landratsamt thematisiert wurde.
Bereits das Interesse bestätigte die Veranstalter in der Überzeugung,
dass es nicht damit getan ist, Zwangsehen und Ehrenmorde automatisch
als Bestandteile kultureller und religiöser Unterdrückungsmechanismen
in muslimischen Familien abzutun.
Über 80 Fachleute informierten
sich und diskutierten über ihre Erfahrungen und die Möglichkeiten,
wie von Gewalt betroffenen Frauen und Mädchen geholfen werden kann,
ohne dass „alle muslimischen Männer unter Generalverdacht
gestellt werden“, wie es Bijan Monazah vom Diakonischen Werk Odenwald
formulierte. Organisiert wurde die Veranstaltung von dem Fachmann für
Migration und interkulturelle Beratung, seiner Kollegin vom Diakonischen
Werk in Frankfurt, der Frauenbeauftragten des Odenwaldkreises und den
Mitarbeiterinnen des Erbacher Frauenhauses. Zusammen mit weiteren Mitstreitern
widmen sie sich bereits seit fünf Jahren dieser Problematik im
Arbeitskreis „Gegen Gewalt an Migrantinnen“.
Ein Blick auf die Anmeldeliste
verrät, dass der Fachtag in einem Punkt seinem Ziel schon nahe
gekommen ist: da stehen die Namen von Vertretern aus vielen Behörden,
Schulen, der Polizei, Parteien, Betrieben, Praxen, Beratungsstellen,
Beschäftigungsanbietern, aus der Jugendarbeit und weiteren Interessierten.
Sie sind es, die mehr Informationen
für ihre tägliche Arbeit brauchen, um Fremde besser verstehen
zu können. Was im Fachjargon „interkulturelle Kompetenz“
genannt wird, zeichnet sich auch dadurch aus, dass deren Angebote in
mehreren Sprachen und ansprechend für spezielle Zielgruppen formuliert
sein sollen. Als Beispiel eines solchen „niedrigschwelligen Angebots“
könnte eine in mehreren Sprachen geschaltete Telefonhotline für
Gewaltopfer sein, forderte Monika Schröttle von der Universität
Bielefeld. Sie warnte davor, jede hierzulande lebende türkische
Frau als gering qualifiziert, rückständig und von Gewalt bedroht
zu definieren. Dennoch hätten ihre empirischen Untersuchungen ergeben,
dass „jede sechste Frau mit türkischem Migrationshintergrund
nach eigenen Angaben häufiger auftretende körperliche Gewalt
oder sexuelle Übergriffe durch den aktuellen Partner erlebt hat“.
Die Auswirkungen häuslicher
Gewalt auf die Gesundheit der betroffenen Frauen stellte Serap Altinisik
vom Frauenrechtsverband Terre des Femmes (Tübingen) dar. Den volkswirtschaftlichen
Schaden bezifferte sie auf 15 Milliarden Euro. Vom „kleinen Pascha
im Kindergarten“ bis zur gewaltbereiten „Ressource Männlichkeit“
als Ausgleich für Bildungsmisserfolge und eine untere soziale Stellung
verlaufe der rote Faden, den Susanne Spindler (Universität Köln)
in ihrer Täter-Opfer-Betrachtung vorstellte. Die Dozentin forderte
dazu auf, diesen durch ein „gemeinsames feministisches Gegengewicht“
zu stoppen. Wer von Gewalt betroffenen Frauen hilft, läuft Gefahr,
selbst bedroht zu werden, wusste die Erbacher Autorin Serap Cileli zu
berichten. Trotzdem steht für sie die Hilfe unter Landsleuten an
erster Stelle. Wie es um die Lebenssituation von Migrantinnen im Odenwaldkreis
bestellt ist, beschäftigt den Arbeitskreis schon länger. Einer
repräsentativen Umfrage zufolge wissen ein Drittel der befragten
Behörden, Praxen und Organisationen von Gewalterfahrungen ihnen
bekannter Migrantinnen. Physische wie psychische Gewalt, Verstoßung
aus der Familie und Unterdrückung zählen zu den häufigsten
Formen der Gewaltanwendungen. Einzelheiten der Umfrage wird der Arbeitskreis
in Kürze veröffentlichen, kündigte die Kreisfrauenbeauftragte
Amarelle Opel an.
Bereits jetzt lasse sich sagen,
dass im Kreisgebiet nicht nur eine Beratungsstelle, sondern auch ein
sicherer Zufluchtsort für gepeinigte ausländische Frauen fehlt.
Das Erbacher Frauenhaus, das inzwischen von ebenso vielen Migrantinnen
wie von deutschen Frauen aufgesucht wird, ist längst an der Kapazitätsgrenze
angekommen, versicherte eine Mitarbeiterin. Noch schwieriger gestalte
sich die Situation für minderjährige Migrantinnen, da das
Frauenhaus regelhaft nur Erwachsene aufnehmen dürfe. (mg)
12.04.2007
/ Friedrichsdorfer Woche
Frauenfrühstück befasste sich mit dem
„Ehrenmord“
Von Henny Ludwig
Die Gestaltung der Türkei zu einer modernen
Republik durch Kemal Atatürk 1923 hat sich leider gewandelt. Seit
1980 kommt es zu einer immer stärker werdenden Reislamisierung.
März 2007
/ „der kriminalist“ / bdk-
Heft 03
Fachzeitschrift des
Bund Deutscher Kriminalbeamter
Artikel von Serap Cileli:
„Zwischen Unterdrückung und Aufbegehren: Wer entscheidet
über das Leben muslimischer Frauen?“
13.03.2007
/ Taunus Zeitung
Mädchen werden „Opfer
der Ehre“
Friedrichsdorf.
Die Schicksale, von denen Serap Cileli berichtete, gehen unter die Haut.
„Wenn die Ehre es verlangt“ lautete der Titel des aufrüttelnden
Vortrags, den die Frauenrechtlerin und Autorin Serap Cileli anlässlich
des Internationalen Frauentags im Rahmen eines Frauenfrühstücks
hielt. Am Sonntag hatte dazu die städtische Frauenbeauftragte Walburga
Kandler ins Rathaus eingeladen. Cileli, die selbst türkischer Herkunft
ist, beleuchtete die kulturellen, traditionellen und religiösen
Hintergründe, die das Leben der muslimischen Frauen und Mädchen
bestimmen. Serap Cileli will die Öffentlichkeit für dieses
Thema sensibilisieren: „Denn Gewalt gegen Frauen und Zwangsheirat
sind Menschenrechtsverletzungen, die nicht nur in der Türkei oder
dem Iran begangen werden. Von diesen Menschenrechtsverletzungen sind
auch Frauen und Mädchen bei uns in Deutschland betroffen“,
betonte die 41-Jährige und erinnerte an den Fall der jungen Türkin,
die im Oktober 2002 in Köppern von ihrem Mann mit mehreren Messerstichen
getötet wurde – weil sie den konservativen muslimischen Lebensstil
ablehnte. „Auch diese junge Frau wurde zwangsverheiratet“,
erklärte Serap Cileli und sprach von einem „wachsenden Anteil
dieser konservativen muslimischen Familien“.
„Die Gewalt gegen Frauen, die Zwangsheirat
und die Schandmorde haben nicht nur mit dem Islam, sondern auch mit
den patriarchalischen Familienstrukturen zu tun“, hob sie hervor.
Es gelte als ungeschriebenes Gesetz in muslimischen Familien, dass man
als Jungfrau in die Ehe gehen müsse. „Das gilt aber nicht
nur für Frauen, sondern auch für Männer.“ Doch
die Realität sehe anders aus: „Die Männer dürfen
ihren Trieb vor der Heirat ausleben, sich die Hörner abstoßen,
Mädchen dagegen müssen rein bleiben. Das ist eine heuchlerische
Doppelmoral.“
Was die Referentin am meisten erschreckt, sind
die Ansichten von jungen Türkinnen, die in der dritten Generation
in Deutschland leben. „Wenn ich an Schulen bin, erfahre ich von
vielen dieser Mädchen, dass sie den Ehrenbegriff ihres Vaters als
Tradition ansehen. Die Mädchen erzählen mir, dass sie sich
diesen Regeln unterordnen. Sie nehmen sie nicht als Gewalt wahr, sondern
verteidigen den Ehrbegriff“, erklärte Serap Cileli. Sie hat
es auch erlebt, dass Frauen, seien es Mütter oder Schwestern der
Opfer, ebenfalls Verfechterinnen dieser patriarchalischen Familienstrukturen
seien.
Serap Cileli, die 2005 zu den
jüngsten Trägerinnen des Bundesverdienstkreuzes zählte,
wurde selbst mit 15 Jahren zur Ehe gezwungen. Lange Jahre hat sie allein
und als erste Frau überhaupt für die Rechte der islamischen
Frauen und um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gekämpft.
Heute ist sie zu einer gefragten Expertin und Ratgeberin für andere
türkische Frauen in Not geworden. Auf ihrer Internetseite hat sie
zudem ein „Mahnmal für die Opfer der Ehre“ eingerichtet,
für all die Frauen, die in der Türkei und in Europa in den
vergangenen Jahren im Namen der Ehre ermordet worden sind. Die Internetseite
hat die Adresse http://www.cileli-serap.de.
(ksp)
Torsdag 8 mars 2007
/ (Schweden) Svenska Dagbladet / SVD
BRÄNNPUNKT
Publicerat 7 mars 2007 23:19
"Tolerans dödar muslimska
kvinnor"
Skamlig tystnad Sverige och Europa
sviker starka muslimska kvinnor, som står upp emot förtryck
i islam. Tysta feminister i väst hänvisar till tolerans och
förståelse, samtidigt som 10 000-tals kvinnor hålls
i slaveri, skriver statsvetaren Lisbeth Lindeborg, som skriver en bok
om behovet av ett reformerat islam.
De är vår
tids kvinnosakskvinnor. De kämpar dagligen med livet som insats
mot kvinnoförtryck i islam, mot hederskriminalitet, tvångsgifte,
incest, våldtäkt, misshandel och mord.
Några av dem bär kända
namn som Taslima Nasrin, Nawal El Saadawi, Shirin Ebadi, Ayaan Hirsi
Ali och Irshad Manji. Andra är inte lika kända: Necla Kelek,
Seyran Ates, Samira Bellil, Maryam Namazie, Erin Keskin och den fantastiska
kvinnokämpen Serap Cileli, som jag nyligen mött.
De skriver böcker
om egna och medsystrars erfarenheter, de upplyser om förtryck av
kvinnor i diasporan och i sina ursprungsländer.
Dessa modiga kvinnor talar i offentliga sammanhang,
de får Nobelpris och andra utmärkelser, men fortfarande väntar
merparten av muslimska kvinnor på en förbättring av
sin situation.
Gör vi en lista
på kvinnoförtryck inom islam blir den lång. Här
räcker det att nämna det fortsatt höga antalet hedersmord
i Europa och i Turkiet, kroppsstympningar av de flickor som inte kan
bevisa sin jungfrulighet på bröllopsnatten.
Hedersmord dolda som självmord - vilket
var fallet med 18 av 22 döda muslimska flickor i Storbritannien
nyligen - våldtäktskulturen i Pakistan som Muktar Mai skrivit
om i en bok översatt till svenska, beslutet att återinföra
månggifte i Kirgisien och de så kallade importbrudarna,
den stora kontingent av unga muslimska kvinnor som likt varor hämtas
till muslimska män i Europa för att tvångsgiftas.
Förra året var
75 % av de kvinnliga invandrarna i Norge importbrudar.
Med den ökande islamismen i diasporan och
i ett flertal islamiska länder ökar förtrycket av de
muslimska kvinnorna.
En stor del av
skulden för detta finner vi bland människor i väst. De
ställer inte upp mot förtrycket – i stället svamlar
de om respekt för andra kulturer. Visst får Ayaan Hirsi Ali
säga det hon har på hjärtat i tv, men det får
också den välkände Tariq Ramadan, som inte fördömer
stenandet av kvinnor utan föreslår ett moratorium och som
är emot äktenskap mellan muslimska kvinnor och icke-muslimska
män.
Varför lyssnar man inte till Hirsi Ali då
hon riktar sin kritik mot kulturrelativister i väst, i synnerhet
mot feminister, som inte stöder sina muslimska medsystrar:
“Jag
vill att förespråkare för det multikulturella
samhället gör sig förtrogna med det lidande som kvinnor
- förslavade hemma - måste utstå i religionens namn.
Måste de först själva spärras in och förtryckas
för att kunna förstå dessa kvinnors situation? Är
det inte hyckleri att bagatellisera eller tolerera något sådant,
medan man själv profiterar av frihet och framsteg i väst?"
Varför lyssnar man inte till turkisk-tyska Necla Kelek, docent
i socialvetenskap: “Jag fattar inte hur kvinnor som kallar sig
feminister passivt kan åse hur tiotusentals kvinnor hålls
som slavar här mitt ibland oss. I stället för att kritisera
islam försöker man förstå“.
Och varför hörsammas
inte Serap Cileli, författare bosatt i Tyskland. Hon har belönats
med Tysklands högsta orden Bundesverdienstkreuz för sitt civilkurage
och som räddare av muslimska flickor i nöd:
“I Europa är ni alldeles för
tysta om kvinnoförtrycket inom islam. Vi muslimska kvinnor hade
besparats mycket lidande om detta tagits upp till debatt. I stället
har européernas naiva syn på tolerans skadat oss. Jag brukar
säga att ni dödar oss med er tolerans.“
Serap Cileli vet
vad hon talar om. Som 11-årig turkisk flicka i Tyskland blev hon
bortförlovad med en äldre man. 13 år gammal 1980 försökte
Serap begå självmord men “misslyckades“. Vid
hemkomsten från sjukhuset väntade hennes far med piskan i
handen. Hon var en “skam för familjen“.
Som 15-åring giftes hon bort med en äldre
man i Turkiet. Efter sju års plåga gick hennes föräldrar
med på skilsmässa. Serap och de två barnen fick återvända
till Tyskland. Där väntade en ny förlovning.
“Om du skadar
min familjeära dödar jag dig“, hotade fadern och slog
henne medvetslös. Hon flydde till ett kvinnohus i en annan del
av Tyskland. Först då hon var 27 år kunde Serap gifta
sig med sin Ali som hon lärt känna i Turkiet – den förste
som talat om för henne att hon var en människa med mänskliga
rättigheter.
1999 publicerades Seraps bok “Vi är
era döttrar - inte er ära“. Då jag träffar
Serap på hemlig ort berättar hon att situationen föga
ändrats för flertalet unga muslimska kvinnor. Hon har hjälpt
250 flickor att fly – unga kvinnor som hon räddat till livet.
Enligt Irshad Manji
- författare till bestsellern The trouble with islam - är
kvinnorna i väst rädda för att kallas rasister. Därför
lämnar de sina muslimska medsystrar åt sitt öde.
I Tyskland har yttrandefriheten ett något
högre tak än i Sverige. Där hindras inte heller den tyska
kvinnosakskvinnan Alice Schwarzer från att yttra sig i dessa känsliga
frågor. I Sverige däremot - vet jag av egen erfarenhet -
refuseras artiklar på temat islam och kvinnoförtryck. Då
jag skriver i ämnet pekas jag ut som islamofob - av svenska män!
I Sverige offras sanningen
på det politiskt korrekta och förljugna altaret där
landets mest dubiöse opinionsbildare Jan Guillou presiderar. Studier
visar dock att de som använder sig av invektiv som islamofob och
rasist ofta själva står den fascistoida islamismen nära.
“Det är viktigt att
kvinnor i väst blandar sig i vad som händer. Överallt.
Kvinnoförtrycket är en global fråga; se på Greenpeace
- de agerar överallt. Det är er plikt att inte tiga. Då
europeiska kvinnor inte reagerar är det ett förräderi
mot kvinnosakens idé och mot de mänskliga rättigheterna“,
säger Serap Celeli innan vi skiljs.
Lisbeth Lindeborg, fil. dr i statsvetenskap,
bosatt i Tyskland.
26.02.2007
/ Hanauer Anzeiger
Von Maryanto Fischer
Polizeischutz als Preis der Meinungsfreiheit
Serap Cileli spricht in der Christuskirche über
Ehrenmorde und Gewalt gegen Frauen. Foto: Fischer
Es kommt immer öfter vor, dass Serap Cileli
nur unter Polizeischutz lesen kann. „Manchmal sind mehr Sicherheitskräfte
als Gäste anwesend“, erklärt sie den 70 Zuhörern
in Hanau; unter denen sich leider nur wenige moslemische Gäste
befanden.
„Wenn ich Menschenrechte für moslemische
Frauen einfordere, muss ich ach mit meinem Leib dazu stehen“,
so Cileli über die Gefahren ihrer Aufklärungsarbeit, „das
ist eben der Preis dafür“.
Ihre lebendige, unverblümte Vortragsweise
ging auch in Hanau unter die Haut. „Bei Amnesty International
sind viele ähnliche Fälle bekannt“, erklärten die
AI-Aktivisten nach den Ausführungen der Autorin, „doch die
Art, wie sie erzählt, rührt selbst uns noch auf“.
Serap Cileli ist übrigens meilenweit davon
entfernt, zu verallgemeinern, oder den Islam per se schlecht zu machen.
Leider gebe es immer wieder Menschen, die Religion fundamentalistisch
missbrauchen und so zur Gefahr anderer würden. „Einige Suren
im Koran sind zweifelsfrei reformbedürftig!“.
26.02.2007
/ Frankfurter Rundschau
Von Christine Fauerbach
Gefragte Expertin
Frauenrechtlerin Serap Cileli macht auf das trostlose Schicksal muslimischer
Mädchen und Frauen aufmerksam
„Wir brauchen in erster
Linie den politischen Willen, das heißt: Wir müssen Integration
fordern, Druck machen mit Gesetzen und Aufklärung. Deutschkurse
sind für die Integration Jugendlicher wichtig. Sie kosten Geld.
Lippenbekenntnisse allein helfen nicht weiter.“
Das Kopftuch- Tragen werde als
politisches Statement missbraucht
Serap Cileli warnte ihre Zuhörer
davor, sich von den Masken der Islamisten, ihren geschliffenen Reden
an Tagen der offenen Tür täuschen zu lassen. Das Tragen von
Kopftüchern werde von Islamisten in Deutschland seit zehn Jahren
als politisches Statement missbraucht. Von nationalistischen türkischen
Migranten und der Re- Islamisierung der türkischen Gesellschaft
gehe eine große Gefahr für Deutschland aus.