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Printmedien 2008
 
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12.11.2008 / Süddeutschen Zeitung

Gefangen im Unaussprechlichen

Wenn junge Musliminnen Opfer von Missbrauch durch Angehörige werden, sind sie besonders wehrlos. Egal, welcher Art von Gewalt sie ausgesetzt sind, sie wagen es kaum, Hilfe zu suchen. Denn nichts scheint verwerflicher, als die Schande aus der Familie heraus zu tragen.

Die Berliner Autorin Serap Cileli hat vor ein paar Monaten den Verein "Peri" (die gute Fee) gegründet. Er unterstützt in Deutschland lebende Türkinnen, die an den Folgen von "Zwangsverheiratung, Demütigungen und Gewalterfahrungen in und außerhalb der eigenen Familie" leiden. 300 Ratsuchende haben sich bereits an sie gewandt, sagt Cileli. "Und auch wenn es nur eine einzige wäre, müssten wir helfen und handeln." Sie erzählt von einer jungen Türkin, die von ihrem Vater missbraucht wurde. "Die Mutter hat nicht geholfen. Sie hat die Tochter nur aufgefordert, ihr Jungfernhäutchen wiederherstellen zu lassen. Damit sie verheiratet werden kann."


3.11.08 / Nr. 45 / Der Spiegel

Integration: Cousin und Cousine

Geschichten türkischer Mädchen, die in Deutschland zwangsverheiratet werden, sind bekannt. Über die Männer, die zur Ehe gezwungen werden, gegängelt und erpresst, spricht kaum jemand.

„….. Cileli und ihre Mitarbeiter bei „Peri – Verein für Menschenrechte und Integration e. V.“ (www.peri-ev.de) leisten Fluchthilfe und kümmern sich um die Opfer. Meistens sind es verzweifelte Frauen, doch immer wieder bitten auch Männer um Hilfe. Der jüngste war 16 Jahre alt, der älteste 48. Azad war einer von ihnen….“


23. Oktober 2008 / Vaihinger Kreiszeitung / Der Enz Bote

Flucht aus der islamischen Welt

Vaihingen – Serap Çileli ist eine Frau, die ihre Meinung offen sagt. Sie hilft jungen muslimischen Frauen bei der Flucht vor Zwangsheirat und extremen religiösen Zwängen. Deshalb steht sie in Deutschland unter Staatsschutz. Am Dienstagabend hat Çileli in Vaihingen ihr neues Buch vorgestellt: „Eure Ehre – unser Leid“.


20.10.2008 / Fränkischer Tag Bamberg

Serap Cileli stößt mit Buch leidenschaftliche Debatte an

Großer Andrang herrschte im nahezu voll besetzten Saal der Stadtbücherei, als die deutsch- türkische Autorin Serap Cileli unlängst ihr neuestes Buch vorstellte. „Eure Ehre – Unser Leid“ heißt ihr zweites Werk. Schon der Titel ließ erahnen, dass die 42-jährige Schriftstellerin, die seit 1974 in Deutschland lebt, viel zu sagen hat.


11. Oktober 2008 / Jahrgang 59, Nr. 41 / BAYERNKURIER

„Der Islam bedarf der Reformation“

Die Menschenrechtlerin Serap Cileli zu kulturellen Problemen und Türken am Scheideweg

Frankfurt – Wohin geht die Türkei, wohin die Türken in Deutschland? Zur Frankfurter Buchmesse, zu der die Türkei als Gastland eingeladen ist, sprach Michael Weiser mit der Menschenrechtlerin Serap Cileli.

Bayernkurier: Sie haben selbst schlimme Erfahrungen gemacht. Was fühlt ein Kind, was fühlt eine Junge Frau, die gegen ihren Willen verheiratet wird?

Serap Cileli: Ich war 15 Jahre alt, als ich verheiratet wurde, und bin nun 42. Das ist zu lange her, als dass ich authentisch von meinen Gefühlen berichten könnte. Aber von meiner Arbeit mit jungen Frauen weiß ich: Minderjährig und unter Zwang verheiratet zu werden, ist körperliche und seelische Vergewaltigung. Die Frauen sind schwer traumatisiert. Man fühlt sich ausgeliefert, hilflos. Viele wissen nicht, wohin sie sich wenden sollen.

Bayernkurier: Handelt es sich bei Zwangsverheiratungen und Ehrenmorden auch hierzulande um Einzelfälle, oder erkennen Sie darin ein kulturelles, spezifisch islamisches Phänomen?

Cileli: Das ist leider ein kulturelles Phänomen. Was wir wahrnehmen, ist nur die Spitze des Eisbergs. Bei den ermordeten Frauen muss man sich überlegen, was die zuvor schon an Gewalt erlitten hatten. Und bei dieser Gewalt gegen Frauen handelt es sich nicht um Einzelfälle. Einige Leute behaupten, dass sich das innerhalb der nächsten ein, zwei Generationen geben wird. Aber so optimistisch bin ich nicht, im Gegenteil: Ich stelle fest, dass sich hierzulande lebende Türken mehr und mehr traditionalisieren und einem orthodoxen Islam zuneigen.

Bayernkurier: Ist der Islam reformierbar?

Cileli: Derzeit nicht, auch wenn er einer Reformation bedürfte. Und so bringt auch ein Islam-Gipfel nichts. Erst, wenn das Denken in diesen Gesellschaften sozusagen säkularisiert worden ist, können wir uns an einen Runden Tisch setzen und sprechen. Bislang fehlt es an einem Minimum an Basis. Stellen Sie sich vor: Wenn ein Deutscher eine Türkin heiraten will, dann muss er zuvor konvertieren und sich auch beschneiden lassen. Das nenne ich rassistisch. Und wenn ein Vater seine Tochter vom Sportunterricht in der Schule fernhält, weil er um ihre Keuschheit fürchtet, ist das mittelalterlich. Darüber kann man aber auch nicht streiten.

Bayernkurier: Hat man in Deutschland zu lange die Augen verschlossen?

Cileli: Ja, und man tut es noch immer. Ich wurde wegen meiner Kritik gegen Gewalt an Frauen schon als ausländerfeindlich bezeichnet – von Deutschen. Das Problem wird noch immer verneint und verdrängt, und so wird in Deutschland weiterhin Unrecht geduldet. Wo bleiben da die Menschenrechte? Wo bleibt mein Recht auf Meinungsfreiheit? Ich lebe an einem geheim gehaltenen Ort. Wenn ich den Fuß vor die Tür setze, müssen die Behörden benachrichtigt werden. Vorträge halte ich unter dem Schutz des Staates. Es gibt Gutmenschen, die behaupten, ich schürte Ausländerhass und bestätigte Rechtsradikale. So lange man in Deutschland so naiv ist, werden auch Schandmorde und Zwangsverheiratungen geduldet.

Bayernkurier: Das lässt nichts Gutes für die Integration vermuten?

Cileli: Die Integration ist gescheitert. Wenn man sich die dritte, vierte Generation der Türken in Deutschland ansieht, stellt man fest, dass 40 Prozent keinen Schulabschluss haben, und viele keine Berufsausbildung. Es gibt nur 30 000 türkische Studenten, wenn man die mitzählt, die aus der Türkei gekommen sind, um hier zu studieren. Viele junge Türken sprechen kaum richtig Deutsch, sie sind nicht qualifiziert. Wie sollen sie integriert werden?

Bayernkurier: Was müsste man schnellstens ändern?

Cileli: Man müsste den Einfluss der Moscheen zurückdrängen, die nationalistischen türkischen Vereine besser kontrollieren, und auch die Medien beobachten. Türkische Medien tragen viel zur Desintegration bei. So wie Erdogan, als er von der Menschenrechtsverletzung der Assimilation sprach. Die türkischen Medien sprachen nach der Feuer¬katastrophe in Ludwigshafen sofort von einem Brandanschlag von Ausländerhassern. So wird Stimmung gemacht.

Bayernkurier: Kann man in Deutschland schon von rechtsfreien Räumen sprechen?

Cileli: Ja, auf jeden Fall. Beispiel Kopftuch. Es wird im Islam nicht verlangt, das Haupt zu verhüllen. Das Kopftuch ist kein religiöses Kleidungsstück, es ist ein politisches Zeichen und das Banner der Islamisten. Ich fordere muslimische Frauen auf, sich nicht selbst zu belügen. Sie ziehen nicht wirklich aus freiem Willen das Kopftuch auf, sondern um Druck zu entgehen. Dahinter stecken Männer, die Frauen auf ihre Sexualität reduzieren, sie als heuchlerisch, unbeherrscht und unkontrollierbar bezeichnen, als Gefahr für die Gesellschaft. Wer nach den Regeln der Scharia leben will, soll das in Ländern tun, die sich zur Scharia bekennen, aber nicht hier. Zum Kopftuch gibt es leider kein bundeseinheitliches Gesetz, das regeln die Länder unterschiedlich. Ich fordere, das Kopftuch aus Universitäten, Schulen und Kindergärten zu verbannen.

Bayernkurier: Wohin entwickelt sich die Türkei?

Cileli: Weg vom Staat Atatürks, hin zum Islamismus. Ich sehe die Türkei längst nicht auf dem Weg in die Europäische Union. Menschenrechte, Minderheitenrechte, Rechte von Tieren – von A bis Z fehlt es. So lange diese Mängel nicht abgestellt sind, und das sehe ich für die nächsten hundert Jahre nicht, ist die Türkei nicht auf dem Weg in die EU.


09.10.2008 / Rhein-Main

Der steinige Weg zur Integration

Ein Höhepunkt der Interkulturellen Wochen war die Diskussionsveranstaltung «Europa im Dialog – Vom Zusammenleben der Kulturen zu der Kultur des Zusammenlebens» im Kreishaus in Dietzenbach. Fachleute aus der Politik, den Universitäten und aus der praktischen Arbeit der Integration diskutierten über den schwierigen Weg zum Zusammenleben der Kulturen. Sie machten deutlich, wie kompliziert es ist, Lösungen zu finden.

Serap Cileli, Autorin der Bücher «Wir sind eure Töchter – nicht eure Ehre» und «Eure Ehre, unser Leid: Ich kämpfe gegen Zwangsehe und Ehrenmord» , sieht bei ihrer täglichen Arbeit mit türkischen Frauen, dass die Realität eine ganz andere ist. «Ich wünsche mir die Vielfalt der Kulturen und die Bildungsgleichheit. Aber es ist leider ganz anders. Die Väter arbeiten, die Mütter bleiben zu Hause. Und noch immer ist es so, dass viele türkische Männer ihre Frauen direkt aus der Türkei holen und diese nicht einmal die Chance auf einen Sprachkurs bekommen.»


06. Oktober 2008 / Berliner Zeitung – Nummer 234

Türkentragödien

Von Sabine Rennefanz

Serap Cileli und Hatice Akyün sind in Zuwandererfamilien aufgewachsen und schreiben darüber: Die eine will kämpfen, die andere unterhalten

BERLIN. Ihre Telefonnummer hält Serap Cileli geheim, sie achtet darauf, nicht allein auf die Straße zu gehen, nicht mal in ihrem Heimatort, einer Kleinstadt im Odenwald, deren Namen sie nicht nennen will. Sie hat Angst, denn sie wird häufig von Familien bedroht, deren Töchtern sie geholfen hat. Beim Gespräch in einem Restaurant in Berlin sitzt ihr zweiter Mann neben ihr.
Serap Cileli, gebürtige Türkin, trägt ein schlichtes weißes Hemd, sie hat ein weiches und zugleich ernstes Gesicht. Mit 15 wurde sie gegen ihren Willen von den Eltern an einen älteren Mann in die Türkei verheiratet. Erst nachdem sie zwei Kinder bekommen hatte, setzte sie die Scheidung durch und konnte nach Deutschland zurückkehren. Da war 1991, sie war 25. Serap Cileli war in den neunziger Jahren eine der ersten, die über das Thema Zwangsheirat öffentlich gesprochen haben. Sie steckt sich eine Zigarette an und spricht über ihre Arbeit. Sie erzählt von den jungen Musliminnen, 12 oder 13 Jahre alt, die sie in waghalsigen Aktionen von ihrer Familien entführt, um sie vor einer Verheiratung zu retten. Sie versteckt die Mädchen unter einer Wolldecke auf dem Rücksitz ihres Autos und bringt sie in Frauenhäuser. Manchmal bleiben sie auch bei ihr in der Wohnung. Fluchthelferin, so nennt sich Serap Cileli.
"Es sind keine Einzelfälle", sagt sie. Über dreihundert Mädchen und Frauen haben sich in den vergangenen Jahren bei ihr gemeldet. Sie fürchteten, dass sie gegen ihren Willen verheiratet werden, sie wurden bedroht, weil sie keine Jungfrau mehr waren. Auch vierzig Inzestopfer seien darunter. Die Unterdrückung der Frau sei typisch in türkisch-muslimischen Familien.
Das Buch von Serap Cileli, der Fluchthelferin, heißt "Eure Ehre, unser Leid" (Blanvalet-Verlag), es kommt heute heraus und handelt ebenfalls von deutsch-türkischen Familien, aber es ist nicht heiter, sondern eine Kampfschrift.


Oktober 2008 / Von Frau zu Frau / Nr. 9

Interview „Ich kämpfe für die Rechte der Frauen!“


21. 09.2008 / Der Burg Spiegel

„Eure Töchter, nicht Eure Ehre“
Vortrag über die Kultur der Muslime und ihre Schattenseiten


16. September 2008 / FÜR SIE / 20/2008

Im Namen der Ehre/ Gewalt gegen Frauen

Serap Cileli im Interview mit Michael Kraske


13.09.2008 / WAZ

Emanzipation der Einwanderinnen- In zwei Welten / Von Britta Heidemann
Wie selbstbestimmt, wie integriert leben Türkinnen heute in Deutschland?


11.09.2008 / Volksstimme

Mit dem eigenen Schicksal in den Kampf für Andere

Vortragsveranstaltung im Bildungszentrum der Konrad- Adenauer-Stiftung Schloss Wendgräben


11. 09. 2008 / Frankfurter Allgemeine Zeitung

Streit über das Kopftuch

Ein Kniefall vor dem Fundamentalismus?

Von Karen Krüger

12. September 2008- Für Streit sorgt eine von der Berliner Integrationssenatorin Heidi Knake-Werner und der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales herausgegebene Informationsbroschüre, mit der für mehr Toleranz gegenüber Frauen mit Kopftuch geworben werden soll. Unter dem Titel „Mit Kopftuch außen vor?“ schildert das achtzehn Seiten starke Heftchen Diskriminierungserfahrungen von kopftuchtragenden Frauen am Arbeits- und Ausbildungsplatz, bei der Wohnungssuche und im Gesundheitswesen.
Als Grundlage dienten Gespräche mit dreißig Musliminnen, einer Leiterin einer Erziehungsschule und einem Vertreter einer islamischen Religionsgemeinschaft. Zudem wurden Projekte für Migrantinnen befragt. Laut der Verfasser ist das Tragen des Kopftuchs das Resultat eines individuellen Entscheidungsprozesses, bei dem religiöse Gründe, Familientraditionen, aber auch „ein Moment des sich Auflehnens gegen eine Bevormundung seitens des Staates“ – gemeint ist das Neutralitätsgesetz – eine Rolle spielten. Es gehe nicht um ein Ja oder Nein zum Kopftuch, sondern um Aufklärung, Vorurteilsabbau und um Wege zur Beseitigung bestehender Ungleichbehandlung, schreibt die Integrationssenatorin im Vorwort der Broschüre.

Partei ergriffen

Die türkischstämmigen Frauenrechtlerinnen Seyran Ates und Serap Cileli sehen das anders. Im „Focus“ hatte Cileli die Schrift einen „Kniefall vor dem Fundamentalismus“ genannt, Ates bezeichnete sie als „Pamphlet für den Fundamentalismus“. Wer die muslimische Sitte des Kopftuchtragens ablehne, werde darin zum Rassisten erklärt. Gegenüber dieser Zeitung sagte Ates: „Mit der Broschüre ergreift die Senatsverwaltung für Integration Partei für kopftuchtragende Frauen. Man muss aber darüber diskutieren, ob es tatsächlich eine Diskriminierung ist, wenn ein Arbeitgeber keine Frau mit Kopftuch einstellen will. Wenn zum Beispiel ein muslimischer Arbeitgeber das nicht möchte, dann ist das keine Diskriminierung im Sinne des Diskriminierungsgesetzes, sondern es drückt seine politische und religiöse Position aus.“

Nach Ansicht von Ates fällt der Senat mit der Broschüre den säkularen Muslimen in den Rücken. „Die kopftuchtragenden Frauen werden ausschließlich als Opfer dargestellt, dabei werden Musliminnen, die sich gegen ein Kopftuch entscheiden, oft gerade von diesen und den immer religiöser werdenden muslimischen Gemeinschaften diskriminiert. Wenn man schon eine Broschüre macht, hätte man auch diesen Aspekt mit aufnehmen müssen. Die Diskussion innerhalb der Muslime wird völlig ausgeblendet“, sagte sie.

Berlins Beauftragter für Integration und Migration, Günter Piening, hat die Kritik zurückgewiesen. Würde es hingenommen werden, dass es für Frauen mit Kopftuch schwieriger ist, einen Arbeitsplatz zu finden, hieße das in letzter Konsequenz, die Ziele der Frauen- und Bürgerrechtsbewegungen auf den Kopf zu stellen: „Den Frauen bliebe dann nur ein Leben mit Heim und Herd und die entsprechende Abhängigkeit von den Männern.“ Auch der Sprecher des Türkischen Bundes Berlin-Brandenburg (TBB), Safter Cinar, reagierte mit Unverständnis. Die Broschüre treffe keine Aussage darüber, ob das Tragen eines Kopftuches religiös gerechtfertigt sei oder nicht, sei aber auch nicht der geeinigte Ort, um über das Für und Wider des Kopftuchs zu streiten.


15.9.2008 / Tagesspiegel

GAZETELER Rückblick

Kopftuch schafft klare Fronten Wie türkische Blätter über den Streit um eine Senatsbroschüre berichten

Von Suzan Gülfirat

Nur zwei türkische Tageszeitungen berichteten in der vergangenen Woche über den Streit um die Kopftuchbroschüre des Senats: die „Türkiye“ und die „Zaman“. Beide machten kein Hehl daraus, was sie von der Kritik zweier Frauenrechtlerinnen über die Broschüre halten. „Sie verdienen ihr Geld mit der Ablehnung des Kopftuchs“, schrieb die „Zaman“ über einen Kommentar. Dies zielt auf die Anwältin Seyran Ates und die Autorin Serap Cileli. „Erneut stehen wir einer dem Geiste schädigenden Diskussion gegenüber“, heißt es. „Die Argumente, die zur Sprache gebracht werden, sind subjektiv, polarisierend, destruktiv und aggressiv genug, um es in die Medien zu schaffen.“ Die umstrittene Broschüre „Mit Kopftuch außen vor?“ wurde von der Integrationssenatorin Heidi Knacke-Werner (Linke) herausgegeben. Sie soll auf die Situation muslimischer Frauen mit Kopftuch aufmerksam machen. Vor allem finden sich darin „Diskriminierungserfahrungen“ von Kopftuchträgerinnen bei der Jobsuche, in Schulen und im Alltag. Ates und Cileli kritisieren die Broschüre als „viel zu einseitig“, denn sie gehe nicht darauf ein, dass Musliminen ohne Kopftuch von Kopftuch tragenden Frauen diskriminiert werden. Heidi Knake-Werner falle damit „säkularen Musliminen in den Rücken“.

Die „Türkiye“ machte schon im Titel deutlich, auf wessen Seite sie steht: „Widerstand gegen die Intoleranten“. In der Unterzeile hieß es: „Gegen Broschüren, die verteilt werden, damit Frauen mit Kopftüchern nicht diskriminiert werden, gibt es Kritik von alt bekannter Stelle. Die ungerechte Ablehnung lässt die Kreise mit gesundem Menschenverstand ‚Das kann doch wohl nicht wahr sein’ sagen.“ Im Text kamen immerhin Kritiker und Befürworter der Broschüre zu Wort. Deren beide Kritikerinnen kamen nicht gut weg. „Serap Cileli meint, dass die Broschüre ein Kniefall vor den Fundamentalisten sei. Seyran Ates kann die Broschüre über das Kopftuch nicht verdauen.“

„Türkiye“ wie auch „Zaman“ zitierten ausführlich aus der Senatsbroschüre. Dagegen verloren die „Hürriyet“ und die „Milliyet“ über die Kopftuch-Broschüre kein einziges Wort. Ihre Positionen zum Thema Kopftuch sind jedoch bekannt. Zuletzt protestierten die beiden Zeitungen heftig dagegen, als die türkische Regierung das Kopftuch in den Universitäten erlauben wollte. Seit Gründung der Republik 1923 gilt in der Türkei in öffentlichen Gebäuden ein striktes Kopftuchverbot. Auch Studentinnen und Schülerinnen ist es nicht erlaubt, ihren Kopf zu verhüllen. „Türkiye“ und „Zaman“ dagegen verteidigen immer wieder vehement das Kopftuch. Unter anderem deshalb werden sie von vielen religiösen Türken bevorzugt gelesen.

Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 15.09.2008


09.09.2008 / TAZ

Frauenrechtlerinnen gegen Senatsbroschüre

Aufgewärmter Kopftuchstreit

Ein Infoheft gegen Diskriminierung von Kopftuchträgerinnen wird als "Kniefall vor Fundamentalisten" kritisiert. Integrationsbeauftragter und Türkischer Bund kritisieren die Kritik. VON ALKE WIERTH

Große Aufregung über eine kleine Nachricht: Gerade mal zwanzig Zeilen lang ist die Meldung im Wochenmagazin Focus, in der die türkischstämmigen Frauenrechtlerinnen Seyran Ates und Serap Çileli eine Broschüre kritisieren, die die Berliner Landesstelle für Gleichbehandlung schon im Juli veröffentlicht hat. Als "Pamphlet für das Kopftuch" (Ates), gar als "Kniefall vor den Fundamentalisten" (Çileli), bezeichnen die beiden das zwanzig Seiten starke Heftchen mit dem Titel "Mit Kopftuch außen vor?", in dem es um Diskrimierungserfahrungen Kopftuch tragender Musliminnen auf dem Arbeitsmarkt geht.

Herausgeber der Schrift sind die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales sowie der Integrationsbeauftragte des Landes. Nicht nur dort stößt die harsche Kritik auf Unverständnis: "Die Broschüre richtet sich an Kopftuch tragende Frauen mit Diskriminierungserfahrungen", so eine Sprecherin der Senatsverwaltung. Ihnen solle dabei geholfen werden, sich gegen solche Benachteiligungen zu wehren - wie es die Aufgabe der Landesstelle für Gleichbehandlung eben vorsehe. Auch der Türkische Bund Berlin-Brandenburg (TBB) übt Kritik an der Kritik: "Gegen Diskriminierungen jeglicher Art muss konsequent angegangen werden", sagt TBB-Sprecher Safter Çinar. Die Broschüre treffe keine Aussage darüber, ob das Tragen eines Kopftuchs religiös gerechtfertigt sei oder nicht: Auch diese Debatte müsse und solle geführt werden, so Çinar, "allerdings an anderer Stelle". Kritikerin Seyran Ates sieht das anders. Niemand bestreite die Diskriminierungserfahrungen von Kopftuchträgerinnen, sagte die Anwältin gegenüber der taz: "Das ist ein altes Thema."

Das aber heute differenzierter behandelt werden müsse: "Wir haben eine politische Entwicklung in den Reihen der Kopftuchträgerinnen." Es sei die Aufgabe einer Integrationsbehörde, das zu beleuchten. Auch Serap Çileli will "die Diskriminierung von Kopftuch tragenden Frauen auf dem Arbeitsmarkt nicht wegdiskutieren." Aber die Frauen grenzten sich mit der Entscheidung für das Kopftuch ja selbst aus, meint die Autorin mehrerer Bücher über das Leben türkischstämmiger Familien in Deutschland. Ihr fehlt in der Broschüre der Hinweis, dass das Tragen des Kopftuchs kein Zwang ist: "Darüber aufzuklären sollte eigentlich die Aufgabe des Staates sein!" Indem der Senat stattdessen nur die Diskriminierung von Kopftuchträgerinnen anprangere, signalisiere er religiösen Familien, es sei okay, wenn ihre Frauen und Mädchen Kopftücher tragen, so Çileli.

Er sei "überrascht und erschrocken" über diese Kritik, sagte Berlins Integrationsbeauftragter Günter Piening der taz: "Die Argumentation hat manchmal den Unterton, dass die Frauen ja selbst schuld seien, wenn sie keine Arbeit fänden." Selbstbestimmungsrechte von Frauen seien aber "unabhängig davon, ob diese Kopftuch tragen oder nicht."


07.09.2008 / Berliner Zeitung

Empörung über Kopftuch-Broschüre des Senats

Frauenrechtlerin Serap Cileli spricht von einem "Kniefall vor den Fundamentalisten"

Berlin - Eine Broschüre des Berliner Senats, die sich gegen die Diskriminierung von Kopftuch-Trägerinnen richtet, stößt auf Kritik. Die türkischstämmige Frauenrechtlerin Serap Cileli sprach im Magazin «Focus» von einem «Kniefall vor den Fundamentalisten». Die Berliner Anwältin Seyran Ates beklagte, wer die muslimische Sitte des Kopftuchs ablehne, werde in dem «Pamphlet» zum «Rassisten erklärt». Die Broschüre mit dem Titel «Mit Kopftuch außen vor?» wurde von Integrationssenatorin Heidi Knake-Werner (Linke) herausgegeben. Darin heißt es unter anderem, das Tragen eines Kopftuchs aus religiösen Motiven sei nicht immer das Ergebnis von Unterdrückung oder Zwang.


12.06.2008 / islam.de

„Mensch als Ware?!“ Wie gehen wir mit dem Sklavenhandel des 21. Jahrhundert um?
Zwischen aufgeregtem populistischen Geschnatter und wirksamen Programmen gegen Sklavenhandel - Auch Zwangsehe und Ehrenmord Thema

In Berlin fand zum dritten Mal der „Liberal International Day“ statt. Ausrichter waren die Friedrich-Naumann-Stiftung und die Deutsche Gruppe der LIBERAL INTERNATINAL (DGLI). Das Thema in diesem Jahr lautete „Mensch als Ware?!“

Deutschland gilt als Einwanderungsland und Zielgebiet gerade auch für illegale Migration. Die Globalisierung sowie die Folgen des Zusammenbruchs der kommunistischen Herrschaft in Osteuropa sind einiger der Ursachen für Menschenhandel, Zwangsprostitution und Verletzung von Menschenrechten. Der Mensch läuft Gefahr, zur schlichten Ware degradiert zu werden, seine Würde und seine Freiheit sind stark gefährdet. Gleich zu Beginn sagte Mirco Dragowski, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses (FDP), „die Täter zeigen keinerlei Respekt für die Opfer.“

Da Menschenrechte auch die Grundlage für eine demokratische Gemeinschaft sind, käme es ständig auch zu Angriffen auf die Demokratie seitens der Täter, erklärte er ferner. Die 1967 in Rumänien geborene Journalistin Inge Bell, Mitautorin des Buches „Verkauft, versklavt, zum Sex gezwungen- das große Geschäft mit der Ware Frau“ wies nochmals auf ihren Beitrag im ARD „Weltspiegel“ hin. Inge Bell stellte 2000 fest, dass auch Soldaten der Bundeswehr mit minderjährigen Prostituierten im Kosovo Sex hatten. Bis heute schweige das Verteidigungsministerium dazu, nach dem Motto, „deutsche Soldaten gehen nicht ins Bordell. Sex mit Minderjährigen haben sie erst recht nicht.“

Bell sprach das strukturelle Problem in Osteuropa an, durch den wilden Kapitalismus seinen die meisten Opfer des Menschenhandels Osteuropäer. Obwohl Rumänien und Bulgarien seit 2007 der EU angehörten, seinen diese Staaten nur „Entwicklungsländer mit EU-Kosmetik.“

Die Journalistin bezeichnete diese Länder auch als perspektivlos. Es sei sehr leicht, gerade junge Mädchen aus diesen Regionen mit Jobs als Hotelangestellte oder Kellnerin nach Deutschland zu locken. Menschenhändler lieferten die oft ahnungslosen jungen Frauen an deutsche Bordelle ab und kassierten eine Vermittlungsgebühr.

Die Würde der Frau werde von den geldgierigen Mädchenhändlern und Bordellbetreibern verletzt. Bell forderte auch eine Bestrafung der Freier, wenn diese sich mit Sexsklavinnen einließen. Leider führe das Thema Menschenhandel in Deutschland nur ein Schattendasein. 2005 habe man 775 Opfer von Menschenhandel registriert. Da die Polizei unterfinanziert und personell schwach sei, widme man sich den großen Delikten wie Rauschgifthandel zuerst und vernachlässige den Menschenhandel.

Bell forderte auch dazu auf, Polizei und Staatsanwälte besonders zu schulen für das Thema Menschenhandel. Oft machten Zwangsprostituierte keine Aussagen, da in ihren Ländern die Polizei- und Justizbehörden als vielfach korrupt bekannt seinen. Die Mädchen aus Osteuropa vertreten oft die Auffassung, dass es hier ebenfalls so sei. Die Zuhälter würden den unfreiwillig im Bordell arbeitenden Frauen auch immer dieses Märchen erzählen.

Eine Trumpfkarte haben die Menschenhändler aber, gerade bei Mädchen aus Gebieten, die nicht zur EU gehören - die der Abschiebung. Sagt eine Zwangsprostituierte aus vor der Polizei, würde sie oft in ihr Heimatland dann abgeschoben. Heike Rudat, Leiterin eines Schwerpunktdezernates zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität im Berliner Landeskriminalamt, wies darauf hin, hier könne man noch die Frauen in ein Zeugenschutzprogramm nehmen. Aber die polizeiliche Hoheit ende an der Grenze. Die menschenverachtenden Verbrecher bedrohten dann die im Heimatland der Zwangsprostituierten lebenden Eltern und Geschwister. Oft reiche schon der sanfte Hinweis, man möge an die Verwandten denken, um eine Frau an einer Aussage zu hindern.

„Der Frau droht Abschiebung, die Täter, sowohl Menschenhändler als auch Freier, bleiben hier.“ Ein Umstand falle Bell bei Prozessen auch immer wieder auf. Die Menschenhändler werden durch gut bezahlte und renommierte Anwälte vertreten. Dem sprach Henny Engels bei. Sie als Geschäftsführerin des „Deutschen Frauenrates“ wisse nur zu genau, wie staatliche Beratungsstellen für Zwangsprostituierte um jeden Cent kämpfen müssen. Auch dürfe nicht vergessen werden, dass die oft traumatisierten Frauen fachärztliche Hilfe benötigten. Da die von Menschenhändlern hierher gebrachten Frauen nicht krankenversichert seien, würde nicht jeder Antrag auf ärztliche Betreuung durch deutsche Behörden bewilligt. Zum Vorgang der Bundeswehrsoldaten im Kosovo meinte Henny Engels „die Bundesrepublik Deutschland mache sich lächerlich.“ Einerseits will man die Menschenrechte hochhalten, aber Ermittlungen gegen Bundeswehrsoldaten werden behindert.

Über Zwangsehe wird viel geredet und fast gar nichts dagegen getan

Auch das Thema Zwangsverheiratung und sogenannte Ehrenmord wurde angesprochen. Die deutsche Schriftstellerin türkischer Abstammung Serap Cileli machte darauf aufmerksam, dass es Zwangsverheiratungen nicht nur in muslimischen Gesellschaften allein gäbe. Auch bei armenischen Christen habe man dies beobachtet. Cileli verwies außerdem darauf, dass bei dem Thema Zwangsverheiratung nicht nur Mädchen die betroffenen seien. So habe sie bisher 300 Mädchen und 25 Jungen betreut, die sich vertrauensvoll an sie gewandt hätten, da sie gegen ihren Willen mit einem Partner verheiratet werden sollten. Das jüngste Opfer sei gerade mal 11 Jahre alt gewesen. Ein trauriger Umstand sei es auch, dass viel über die Zwangsehe geredet werde, aber staatliche finanzielle Hilfe auf diesem Gebiet sehr selten sei. In ganz Deutschland gebe es nur 4 Kriseneinrichtungen. Im 17 Millionen Einwohner Bundesland Nordrhein-Westfalen nur eine einzige Einrichtung, in Bielefeld, fuhr Cileli fort.

Menschenrechte und Islam bildeten eine Einheit

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Königshaus sagte „Tötung ist nie eine Ehre“. Auch in der Türkei sei der Ehrenmord verboten. Peter Schütt, Buchautor und seit 1991 Muslim, sagte, „Ehre und Mord sind Widersprüche für sich.“
Der Islam habe bei seiner Einführung das Töten von neugeborenen Mädchen strengstens untersagt. Vor der islamischen Zeit war es der Normalfall, Mädchen gleich bei der Geburt lebendig zu begraben. Schütt betonte, Blutvergießen sei im Islam ein Sakrileg. Das gelte „sowohl für Selbstmordattentate als auch Sterbehilfe.“

Menschenrechte und Islam bildeten eine Einheit, erklärte Peter Schütt. „Alle Religionen werden vom Islam respektiert. Der Islam respektiert auch das Grundgesetz.“ Zu den Menschenrechten gehöre auch die freie Partnerwahl, der Koran billige dies sowohl den Männern und den Frauen zu. Auch die Religion zu wechseln gestatte der Koran. „Die Religionsfreiheit heißt ja auch, ich kann eine andere Religion mir suchen. Dies zählt für mich ebenfalls zu den Menschenrechten.“ Er sei doch ein lebendes Beispiel für den Wandel, teilte Peter Schütt mit . Er sei mit 19 Jahren katholisch gewesen, dann sei er Kommunist bis zu seinem 50 Lebensjahr gewesen. „Jetzt bin ich Muslim, es bleibt auch so,“ teilte er mit. (VTN)


06.06.2008 / Arnold Magazin für Schorndorf und Umgebung

SERAP CILELI

Von: Renata Engels

So Mutig wie einst die Schorndorfer Weiber..
…eine Frau über die man dies mit Sicherheit sagen kann ist Serap Cileli

Genau deshalb wurde die Türkin am 16. März für ihr couragiertes Anprangern von Menschrechtsverletzungen bei muslimischen Frauen, ins besondere ihr öffentliches Eintreten gegen die Zwangsehe, mit dem Barbara Künkelin Preis ausgezeichnet."Wir sind eure Töchter und nicht eure Ehre". Lautet der Titel des Buches der inzwischen 41jährigen Serap Cileli über Ihre eigeneLebensgeschichte, mit der sie Aufsehen erregte:Durch einen Selbstmordversuch entgeht sie mit zwölf Jahren der ersten von Ihren Eltern arrangierten Zwangsehe.Durch ihren, Suizidversuch gewinnt sie aber nur wenig Zeit. Bereits drei Jahre später wird sie in der Türkei mit einem 10 Jahre älteren Mann zwangsverheiratet.

"Ich wurde zu rebellisch, das wollten meine Eltern vermeiden, sie wußten, daß ich in der Türkei keine andere Wahl hatte", erklärt Cileli. Ihre Ehe wurde eine Qual. Der Mann hatte kein Interesse und ließ Frau und inzwischen zwei Kinder hungern. Cileli magerte auf 58 Kilo ab, bekam Lungenentzündung und Gelbsucht und blieb trotzdem eingeschlossen in der Großfamilie. Erst als sie mit Selbstmord und dem Umbringen ihrer Kinder drohte, willigte der Vater in eine Trennung von ihrem Mann ein. Nach Jahren der Entbehrung flüchtete sie mit ihren zwei Kindern nach Deutschland. Zu ihrer Familie. In der irrigen Hoffnung dort verstanden zu werden.
och die Familie hat nichts Besseres im Sinn als sie erneut zwangszuverheiraten - um die angekratzte "Familienehre" wiederherzustellen.Wenige Tage vor der Verlobung flieht sie heimlich - durch die Tiefgarage und mit Unterstützung von Freunden. "Jede Frau, die von zu Hause flüchtet, ist von einem Ehrenmord bedroht."Nur durch diese erneute Flucht in ein Frauenhaus im Odenwald gelingt es ihr, ein Leben in Freiheit zu beginnen.Ali ihr jetziger Mann ist es der Nach Ihrer Flucht Serap auf die Idee bringt Ihre Geschichte nieder zu schreiben, erst einmal nur um das Erlebte zu verarbeiten. Sie bezeichnet sich heute als Optimistin, hat ein ansteckendes Lachen und Ihre Freunde schätzen ihren Humor, etwas was Sie sich mit und durch Ihre neue Familie erarbeitet hat. Die Quelle meiner Kraft sind mein Mann und meine Kinder, sagt sie lachend.
Doch wenn es um ihr Thema geht, wird sie sehr ernst: „Zwangsheirat ist Gewalt gegen Frauen und ein Verstoß gegen die Menschenrechte“ - meint Serap Cileli.
Keine Religion und keine Kultur könne diese Gewalt rechtfertigen. Ohne Wenn und Aber steht für sie fest "Wer hier in Deutschland lebt, muß die geltenden Gesetze achten". Mädchen und Frauen müssen die gleichen Ausbildungsmöglichkeiten bekommen wie Männer, müssen heiraten und sich kleiden dürfen, wen und wie sie wollen. Und dafür kämpft sie. Gibt Interviews, schreibt Zeitungsartikel, hält Vorträge, geht in Schulen, Moscheen und Jugendclubs und ist die Kontaktadresse für muslimische Mädchen, die sich aus dem Korsett ihrer traditionsverhafteten Familien befreien wollen.Kein Wunder, dass eine junge Frau mit solch klaren Worten und Taten viele Feinde hat. Unter Muslimen, aber auch unter Deutschen, die oft zuviel Toleranz mit den Intoleranten hätten. Cilelis Adresse ist geheim. Ihre Kinder lässt aus Angst vor Entführung nicht alleine in die Schule gehen. Doch Serap Cileli lebt in einem dichten Netz von Freunden und Mitstreitern. Und sie hat eine Kämpfernatur. Trotz dieser Bedrohung engagiert sich Serap Cileli weiter für ihr Thema. Gemeinsam mit Terre des Femmes tritt sie für unterdrückte islamische Mädchen ein, will über eine Kampagne an Schulen deren Selbstbewusstsein stärken. Und sie plädiert dafür, das Zuzugsalter für Ehegatten von 18 auf 21 Jahre weiter anzuheben. Sie hofft, dass das Zustandekommen von arrangierten Ehen damit erschwert werden könne. Gesetzesänderungen seien ein Signal an die Gesellschaft, dass Zwangsehen nicht geduldet werden.In seiner Laudatio zum Barbara Künkelin Preis betonte Justizminister Professor Dr.Ulrich Goll dass es der breiten Öffentlichkeit kaum bewusst sei, was die Frauen und Mädchen in muslimischen Ländern durchstehen müssten. Deshalb, müssten wir unsere Anstrengungen in diese Richtung gewaltig verstärken.
Es sei außerdem äußerst wichtig, gegen Parallelgesellschaften anzugehen, um ein friedliches Zusammenleben der Menschen zu gewährleisten, betonte der baden-württembergische Justizminister.

Seit Oktober 2004 zählte die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes acht Fälle von Ehrenmorden, seit 1996 waren es bundesweit mindestens 40. "Wir bekommen es tagtäglich mit: junge Frauen, die vor ihrem Ehemann fliehen wollen, Väter, die ihre Töchter zwangsverheiraten", sagt Myria Böhmecke, Leiterin der Kampagne "Nein zu Verbrechen im Nahmen der Ehre" bei Terre des Femmes. 104 Fälle von Zwangsheirat, Unterdrückung im Namen der Ehre oder konkreter Ehrenmord-Gefahr bearbeitete die Organisation allein im vergangenen Jahr bundesweit. "Es gibt diese Parallelwelt", sagt Böhmeke, und mit schuld daran seien die Deutschen selbst. "Unter dem Deckmantel der Multikulti-Gesellschaft ist lange weggeschaut worden", kritisiert sie. Nun geschähen "hier vor unseren Augen Menschenrechtsverletzungen, die nicht geschehen dürfen".

Da wundert es kaum dass die Preisträgerin bei der Verleihung in Ihrem Schlusswort so deutliche Worte spricht: „Wenn ich von deutschen Politikern und Kirchenvertretern leichtgläubig und naiv Folgendes höre; „Muslime sind ein Teil der Gesellschaft und der gemeinsamen Kultur“, dann sehe Ich rot. Ich Frage mich, wenn der Forschritt und die Freiheit für die muslimischen Frauen, ihr Recht auf Scheidung, auf freie Partnerwahl, auf ein Selbstbestimmtes Leben ihr Recht auf Trennung von Vätern, Ehemännern oder deren männlichen Verwandten, in unserer aufgeklärten Zivilisation verweigert wird, worin sehen Sie die kulturelle Bereicherung und die demokratische Grundeinstellung der Muslime?

Nichts zeige doch die Kulturellen Unterschiede zwischen den westeuropäischen und islamischen Gesellschaften deutlicher, als die Stellung der muslimischen Frau in der Gesellschaft, sichtbar durch Kleidung und Kopftuch, auch hierzulande auf unseren Straßen.“

 
 

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