5.11.2009
/ SCHWABACHER TAGBLATT
Im Namen der Ehre?
Serap Cileli kämpft für Gleichberechtigung
von Musliminnen Im Namen der Ehre? «Wenn Menschen in dieses Land
kommen, müssen sie sich an das Wertesystem dieses Landes anpassen
und sich an die Gesetze des Landes halten», so lautet eine Kernbotschaft
von Serap Cileli. Die deutsch-türkische Buchautorin und Menschenrechtlerin
hatte auf Einladung der CSU und der Europäischen Volkspartei (EVP)
im Schwabacher Bürgerhaus aus ihren Büchern gelesen und sich
der Diskussion gestellt.
SCHWABACH
(wog) – Sehr genau und differenziert schilderte Serap Cileli zahlreiche
«muslimisch motivierte und traditionell legitimierte Menschenrechtsverletzungen
im Namen der Ehre» mitten in Deutschland und betonte: «Mein
Engagement gilt der Gleichberechtigung muslimischer Frauen. Wir müssen
diejenigen Muslime hier in Deutschland unterstützen, die demokratisch,
integriert und laizistisch denken und damit die Rechte der Frauen stärken.»
CSU-Kreisvorsitzender Karl Freller betonte die
Notwendigkeit zu differenzieren. Er kenne etliche Menschen islamischen
Glaubens, die sich für die Demokratie und für eine Weiterentwicklung
ihrer Religion im Sinne der Menschenrechte einsetzen. Um gerade auch
den Kurs dieser besonnenen Muslime, den Brückenbauern, zu stützen,
müssten Menschenrechtsverletzungen, die im Namen einer Religion
verübt würden, beim Namen genannt und verhindert werden. «Unrecht
darf keine Zukunft haben», sagte Freller, und hob das gute Miteinander
hervor, dass in Schwabach zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen
und Religionen bestehe.
«Religion ist die Grundfeste der europäischen
Kultur», unterstrich der Schwabacher CSU-Europaabgeordnete Martin
Kastler. Es sei aber ein Missbrauch der Religion, wenn sie als Deckmantel
benutzt werde, um die Menschenrechte auszuhebeln. «Deutschland
und Europa dürfen keine Parallelgesellschaften zulassen, in denen
die Menschenrechte nicht gelten. Wir brauchen eine wehrhafte Demokratie
in Deutschland und Europa», so Kastler.
Kritik an der Politik
Die wehrhafte Demokratie in Deutschland sei in
Gefahr, wenn die Öffentlichkeit im Sinne der «Political Correctness»
nicht ausreichend auf Missstände reagiere, warnte Serap Cileli
eindringlich. Sie kritisierte die deutsche Gesellschaft und Politik.
Sie sei etwa gegenüber islamistischen Propagandisten viel zu nachsichtig
und falle auf deren Tarnung herein: «Täuschung ist für
diese ausdrücklich erlaubt, wenn sie ihrer Meinung nach die Sache
des Islams vertreten. Sie geben sich demokratisch in der Öffentlichkeit,
sitzen bei Podiumsdiskussionen und in Fernseh-Talkrunden. Aber im Verborgenen
agitieren sie gegen die freie Gesellschaft in Deutschland.»
Dass Mädchen sogar im minderjährigen
Alter zwangsverheiratet werden, komme, wie Cileli selbst erleben musste,
durchaus vor. Daher hat sie die Hilfsorganisation «Peri»
gegründet, mit der sie rund 400 Mädchen betreut, die gegen
ihren Willen verheiratet wurden oder werden sollten. Cileli erzählt
von ihr bekannten Fällen, dass türkische Mädchen aus
Deutschland in den Sommerferien in der Türkei mit einem fremden
und oft viel älteren Mann verheiratet würden. Nach den Sommerferien
tauchten sie dann oftmals nicht mehr in der Schule auf oder hätten
ein sichtlich verändertes Wesen. «Wir brauchen dringend mehr
Schulpsychologen, die solche Missstände aufdecken.» forderte
Cileli.
Als Suizid getarnt
Leider könnten nicht alle Mädchen und
Frauen ihre nach der deutschen Rechtsordnung zustehenden Rechte, wie
etwa Selbstbestimmung, wahrnehmen, da ihnen Repressionen durch ihre
männlichen Verwandten drohen. Die Gewalt könne bis hin zum
Mord im Zeichen der Familienehre gehen.
Sie selber wisse von mehr als 70 Ehrenmord-Fällen
allein in den letzten neun Jahren in Deutschland, sagte Cileli. «Viele
Ehrenmorde werden aber auch als Unfälle und Selbstmorde getarnt,
so dass die Dunkelziffer wohl höher ist.» Dabei sei die Schuldfrage
an sich zweitrangig: Es sei sogar vorgekommen, dass Mädchen ermordet
wurden, weil sie vergewaltigt worden seien.
«Es ist eine Tatsache, dass
die Frau im Islam noch immer nicht gleichberechtigt ist», analysiert
Cileli. Überfällig sei eine theologische Reformation des Islams:
Daher fordert Cileli die islamischen Fachleute und Theologen auf, den
Koran von diskriminierenden Stellen zu befreien – damit sich nie
mehr ein Mörder auf den diesen berufen könne.
28.10.2009
/ SCHWABACHER TAGBLATT
Für Gleichberechtigung
Türkische Menschenrechtlerin Serap Cileli in Schwabach
SCHWABACH
- Die prominente deutsch-türkische Menschenrechtlerin und Buchautorin
Serap Cileli liest aus ihren Werken «Eure Ehre – Unser Leid»
und «Wir sind eure Töchter, nicht eure Ehre» am Samstag,
31. Oktober, 19.30 Uhr, im Bürgerhaus.
Cileli macht den Auftakt zu einer Reihe von Autorenlesungen,
die die CSU Schwabach in den nächsten Monaten veranstalten will.
An die Lesung soll sich eine Diskussion anschließen. Kreisvorsitzender
Karl Freller wird in das Thema einführen, der Fachjournalist Wolfram
Göll moderiert die Diskussion, und der Schwabacher Europa-Abgeordnete
Martin Kastler von der Fraktion der Europäischen Volkspartei EVP,
die Mitveranstalter ist, wird das Schlusswort sprechen.
Gegen Zwangsehen
Serap Cileli ist bekannt geworden durch ihr entschlossenes
Engagement für die Rechte muslimischer Frauen und ihren Kampf gegen
Zwangsehen. Ein Schicksal, dass sie in ihrer Kindheit selbst ereilte
und sie in ihren Büchern thematisiert.
Für ihren Einsatz als Menschrechtlerin hat
Cileli bereits zahlreiche Ehrungen erhalten, 2005 zeichnete Bundespräsident
Horst Köhler sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande aus. Parteiübergreifend
erfährt Cileli für ihre Arbeit große Anerkennung. Erst
im vergangenen Jahr erhielt sie den Olympe-de-Gouges-Preis der Arbeitsgemeinschaft
Sozialdemokratischer Frauen in Hessen mit den Worten: «Wir alle
müssen die Arbeit von Frauen wie Serap Cileli unterstützen.
Ihr Mut verdient unseren Respekt.»
Mut deswegen, weil Cileli trotz zahlreicher Anfeindungen
nicht davor zurückschreckt, ihre oftmals kritische Meinung in die
politischen und gesellschaftlichen Debatten einzubringen und Freiheit
und Gleichberechtigung für muslimische Frauen einzufordern.
Zu viel «political correctness»
Mit Kritik spart die Autorin auch
nicht auf der anderen Seite: So wirft sie der deutschen Gesellschaft
und Politik gleichermaßen vor, ihre Werte von Freiheit und Gleichberechtigung
bei türkisch-arabischen Zuwanderern aus lauter «political
correctness» zu verraten und die Augen vor der muslimisch-traditionalistisch
motivierten Gewalt gegen Frauen zu verschließen – unter
dem Deckmantel falsch verstandener religiöser Toleranz.
26.10.2009
/ Rheinische Post
Kein Kuschel-Kongress
Interview: Zu lange zu tolerant gewesen
>>> Vorhanden
als PDF-Datei
02.10.2009
/ Hanauer Anzeiger
Wenn Ehe zum Gefängnis wird
Interkulturelle Woche mit Lesung von Serap Cileli
>>> Vorhanden
als PDF-Datei
02.10.2009
/ Frankfurter Neue Presse
Wie Ausländer hier leben
Çileli setzt sich für
verzweifelte Musliminnen ein
Von Renate Casey
Zwangsehe, Ehrenmorde und häusliche
Gewalt sind die Lebensthemen von Serap Çileli. Die engagierte,
ehrenamtliche Sozialarbeiterin las in Schöneck aus ihrem neuen
Buch und stellte das Thema zur Diskussion.
Schöneck. Es sind Schicksale,
die aufwühlen: Eine junge Türkin wird vom Vater vergewaltigt
und später zum Selbstmord aufgefordert, elfjährige Mädchen
werden zwangsverheiratet, junge Frauen von ihren Brüdern getötet
– und das mitten in Deutschland.
Eine der ersten Türkinnen
in Deutschland, die archaische Traditionen wie Zwangsehe, Blutrache,
Versklavung und Flucht schonungslos aufdeckte, ist Serap Çileli.
Zur Interkulturellen Woche hatten der Schönecker und Karbener Ausländerbeirat
die Autorin in den Kilianstädter Bürgertreff eingeladen.
«Eure Ehre – unser
Leid» heißt Çilelis zweites Buch, mit dessen Auszügen
sie bei den mehr als 60 Gästen große Emotionen auslöste.
«In patriarchalisch strukturierten Gesellschaften gelten die weiblichen
Mitglieder eines Familienverbandes als Trägerinnen und Bewahrerinnen
der Familienehre», erklärte Çileli. «Reinheit,
sprich «Jungfräulichkeit», sei der Garant für
Achtung und Respekt der Familien. Werde sie verletzt, könne nach
deren Regeln die so zerstörte «Ehre» nur durch Tötung
des betreffenden Mädchens wieder hergestellt werden. Ein selbstbestimmtes
Leben sei deshalb vielen Frauen (und auch Männern) nicht möglich.
In ihrem Buch lässt Çileli
Betroffene zu Wort kommen und berichtet von ihrer eigenen leidvollen
Geschichte. Sie wurde 1966 im türkischen Adana geboren, zog 1974
mit ihrer Familie nach Deutschland. Mit 15 Jahren wurde sie in der Türkei
zwangsverheiratet. Sieben Jahre durchlebte sie ein Martyrium, bis sie
nach Deutschland floh.
Seitdem setzt sie sich mit ihrem
Verein «Peri» («Die gute Fee») für verzweifelte
muslimische Frauen ein, die sich in ausweglosen Situationen an sie wenden.
40 Inzestopfer betreut sie pro Jahr, die Hälfte davon seien suizidgefährdet.
Viele junge Frauen würden von ihren Familien zum Suizid aufgefordert.
Çileli wurde ob ihres Engagements
mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem 2005 mit dem Bundesverdienstkreuz
für ihr Engagement gegen Zwangsehen und Ehrenmorde, 2006 mit dem
Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage.
Während der Forumsdiskussion
mit Politikern und Integrationsbeauftragten unter der Leitung von Jetty
Sabander vom Ausländerbeirat Karben forderte Çileli mehr
Beratungsstellen und ein Kopftuchverbot. «Das Kopftuch ist die
politische Fahne des Islam.» Zudem gebe es im Koran keine Rechtfertigung
für Gewalt. «Er muss überarbeitet werden, denn der Islam
ist frauenfeindlich.» Einen Islamunterricht an deutschen Schulen
in deutscher Sprache forderten alle Beteiligten.
19.06.09
/ Pforzheimer Zeitung
Schriftstellerin Serap Cileli
spricht in Maulbronn
Mit sanfter Stimme erzählt
sie von erschütternden Schicksalen junger Musliminnen, die unter
der Autorität ihrer Väter leiden und in jungen Jahren zwangsverheiratet
werden. Dabei spricht die türkischstämmige Schriftstellerin
und Menschenrechtlerin Serap Cileli von Lebensgeschichten, die keine
Einzelfälle sind.
Seit 1994 hat sie allein in Deutschland
über 400 Betroffene betreut, 90 Prozent davon aus der dritten Generation
türkischer Migrantenfamilien. 13 Schwarz-Weiß-Aufnahmen reihen
sich auf der Fensterbank in der Maulbronner Feuerwache. Sie stehen für
70 Opfer von Ehrenmorden, die seit 1996 ums Leben gekommen sind, weil
sie sich dem westlichen Lebensstil anpassten, sich gegen die Zwangsehe
auflehnten und damit die Familienehre verletzten.
Familienehre als höchstes
Gut
„Die Ehre der Familie ist
für die Muslime das höchste Gut“, erklärt Cileli
den 50 Besuchern bei der Lesung aus ihrem zweiten Buch „Eure Ehre
– unser Leid. Ich kämpfe gegen Zwangsehe und Ehrenmord“.
Was viele sicherlich noch nicht wussten: Fast die Hälfte der von
Cileli betreuten Musliminnen sind gebildete Frauen. „Grund dafür,
dass sie sich nicht auflehnen, sind die Erziehung und der soziale Druck“,
weiß die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Hauptgrund,
weshalb die Muslime auch in der dritten Generation in Deutschland nach
wie vor in einer Parallelgesellschaft lebten und nicht integriert seien,
bilde die Tatsache, dass jährlich 20 000 sogenannte „Importbräute“
nach einer Zwangsheirat in der Türkei in die Bundesrepublik kommen.
Und eine Erziehung fortführen, wie die erste Generation.
„Indem ich auf die Menschenrechtsverletzungen
in muslimischen Familien aufmerksam mache, möchte ich keinesfalls
unter den Tisch kehren, dass auch Einheimischen Gewalt widerfährt“,
betont Cileli. Allerdings sei die Gewalt als Erziehungsinstrument in
muslimischen Familien dreimal so häufig, wie in deutschen. Jedes
fünfte türkische Kind werde von den Eltern geschlagen. „Das
sind unsere Kinder, denen wir die Hand reichen müssen und denen
wir Schutz bieten müssen“, mahnt die Menschenrechtlerin.
Hilferufe nehmen immer mehr zu
Die Hilferufe haben bei ihr in
den vergangenen Jahren zugenommen. Nach wie vor bewältigt Cileli
die Aufgabe allein, betroffenen Frauen aber auch Männern bei der
Flucht zu helfen. „Nicht selten werde ich dabei von ihren Familien
bedroht“, sagt sie. Dass ihre Arbeit nach wie vor auf Kritik stoße,
sei ihre größte Motivation weiterzumachen. Anke Baumgärte