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„Wenn die Ehre es verlangt!“
 
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Tatzeit: April. 2004/Istanbul
Name: Nuran H. (14)
Tat/Hintergrund:
Auf dem Weg zum Markt wird sie von dem 21-jährigen Mevlüt S. entführt. Vier Tage lang hielt er sie in seiner Wohnung gefangen. Schließlich sprang Nuran aus dem Fenster und die Nachbarn riefen Polizei. Das sie vergewaltigt wurde war für die Familie von Nuran gleichgültig. Unrein ist unrein, so sieht es das ungeschriebene Gesetz der Ehre. Die Familienehre ist befleckt - und muss mit Blut gereinigt werden. Mehr als 30 Angehörige des Clans fällten das Todesurteil:
Nach dem Abendessen legte der Vater Mehmet H. seine 14-jährige Tochter Nuran ein Kabel um den Hals und zog es zu, bis das Mädchen tot war. Die Leiche verscharrten die Angehörigen zunächst provisorisch im Hühnerstall, um sie zwei Tage später aufs andere Bosporusufer zu fahren und dort im Wald zu vergraben "Ich habe meine Ehre gereinigt", rief Mehmet H.

Tatzeit:Februar.2004/Istanbul
Name: Güldünya T. (22)
Tat/Hintergrund:
Sie wurde durch den Ehemann Ihrer Cousine vergewaltigt Als sie Schwanger wurde ahnte sie, dass sie nicht mehr lange zu leben hatte.
Der Stammesrat hat das Urteil gefällt; entweder sollte Güldünya ihren Vergewaltiger Heiraten oder sie musste für die Ehre sterben. Alle sind einverstanden auch Güldünya, doch nur einer will nicht: Servet T. (28)! Der Vater ihres Kindes, möchte sie nicht zur Zweitfrau nehmen. Ferit, ihr 17-jährige Bruder gibt Güldünya ein Seil und verlangte von ihr, sich damit zu erhängen. Sie flieht und bat um Polizeischutz. Doch die Beamten waren davon überzeugt, dass die männlichen Familienmitglieder keine weiteren Mordabsichten hegten. Knapp drei Monate nach der Geburt, wird Sie von ihrem Bruder Ferit auf offener Straße angeschossen. Im Krankenhaus bat sie erneut um Polizeischutz - ohne Erfolg. Ferit blieb weiter auf freiem Fuß. In der Nacht drang ihr Mörder in das unbewachte Krankenhaus ein und schoss Güldünya in den Kopf.

Tatzeit: November. 2002 Yalimköy (Mardin- Südost)
Name: Semse A. (35)
Tat/Hintergrund:
Die unverheiratete Semse wird von einem Nachbarn Halil A. (55) vergewaltigt und wird dadurch schwanger. Ihre Vergewaltiger nahm sie zur Zweitfrau - einem Vorschlag des Dorf- Imams folgend, der damit ihr Leben retten wollte, willigte Semse erleichtert ein. Doch Ihren Brüdern reichte das nicht:„Sie hat die Familienehre befleckt“ sagen die Brüder „der von keinem Leichenwäscher abzuwaschen ist. Der Familienrat tagt und fällt das Urteil: Im November lauerten die Brüder der jungen Frau (im 5 Monat Schwanger) vor dem Dorf auf und überfielen sie mit Steinen und Messer. Doch Semse lebte noch, als eine Armeepatrouille sie fand: Acht Monate lang lag Semse im Koma. Am 07. Juni. 2003 starb sie. Das Baby starb im Mutterleib. Ihre Familie verweigerte die Annahme der Leiche und überließ sie der behördlichen Bestattung in einem Armengrab. Doch stattdessen wurde ihre Beerdigung am 20. Juni. 2003 zu einer Demonstration gegen die Ehrenmorde.

 

 
 

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