runter
Presseartikel zur Verleihung
 
 

 

Bundesverdienstkreuz an Serap Cileli

Sendetermin: Dienstag, 30.August 2005 um 19.30-19.58 in HR / Hessenschau

Bundesverdienstkreuz für Serap Cileli

Serap Cileli, eine Hessin türkischer Abstammung trägt seit Dienstag das Bundesverdienstkreuz. Verliehen bekommen hat es die Publizistin für ihren unermüdlichen Einsatz gegen die Zwangsehe und die Blutrache in der Türkei. Cileli ist selbst Opfer einer Verheiratung gegen ihren Willen geworden.


Presseartikel vom 02.09.2005 / http://www.odenwaldkreis.de

Bundesverdienstkreuz für Serap Cileli
Die Schriftstellerin Serap Cileli ist am 30. August 2005 im Landratsamt in Erbach mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Im Auftrag von Bundespräsident Horst Köhler überreichte Hessens Sozialministerin Silke Lautenschläger die Auszeichnung. Frau Cileli, gebürtige Türkin, heute deutsche Staatsbürgerin, erhielt die hohe Anerkennung wegen ihres entschiedenen Einsatzes für Mädchen und Frauen, die von Zwangsheirat betroffen oder bedroht sind.

Staatsministerin übergibt Auszeichnung im Landratsamt Erbach –

Würdigende Worte des Landrats.

Die Schriftstellerin Serap Cileli ist am 30. August 2005 im Landratsamt in Erbach mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Im Auftrag von Bundespräsident Horst Köhler überreichte Hessens Sozialministerin Silke Lautenschläger die Auszeichnung. Frau Cileli, gebürtige Türkin, heute deutsche Staatsbürgerin, erhielt die hohe Anerkennung wegen ihres entschiedenen Einsatzes für Mädchen und Frauen, die von Zwangsheirat betroffen oder bedroht sind. Im Alter von 15 Jahren war sie selbst zur Ehe gezwungen worden. Staatsministerin Lautenschläger hob insbesondere das ehrenamtliche Engagement Cilelis hervor: Die heute 39 Jahre alte Frau sei „Rettungsanker in der Not und verständnisvolle Helferin“ für viele Frauen und Mädchen, jedoch auch einzelne türkische Jungen.
Als Gastgeber der Feierstunde würdigte der Landrat des Odenwaldkreises, Horst Schnur, das Wirken von Serap Cileli, die sich „nur aufgrund einer starken Persönlichkeit“ sowie dank ihres Gerechtigkeitssinns aus einer langen Leidenszeit habe lösen können. Eindrucksvoll sei dies in der Biographie „Wir sind eure Töchter, nicht eure Ehre“ belegt, die 1999 erschien. Vor allem damit habe Frau Cileli einen wichtigen Beitrag zur Integration ausländischer Menschen in unsere Gesellschaft geleistet.
Angeregt von Sabine Allmenröder (Erbach-Roßbach/Verband der Familienfrauen und -männer) und mit Unterstützung der Frauenbeauftragten des Odenwaldkreises Amarelle Opel, hatte der Landesfrauenrat die Schriftstellerin für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen. Allmenröder schilderte in einer umfassenden Laudatio den Lebensweg der Geehrten und ihr Wirken für die Gemeinschaft.
In ihrer Dankesrede sagte Serap Cileli, sie verstehe die Auszeichnung als „bundespolitisches Signal gegen die frauenverachtenden Praktiken“. Sie werde in ihrem Bemühen „um eine friedliche, gerechte und gleichberechtigte Gesellschaft“ nicht nachlassen. Die Glückwünsche des Kreistages an die neue Trägerin des Bundesverdienstkreuzes übermittelte Vorsitzender Rüdiger Holschuh. Mut und Engagement einer „besonderen Persönlichkeit“ sei hier berechtigte Ehre zuteil geworden.


FOTO:
Serap Cileli, aus der Türkei stammend, heute aber deutsche Staatsbürgerin, ist aufgrund ihres stetigen Einsatzes gegen Gewalt mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Unser Bild zeigt sie im Gespräch mit Landrat Horst Schnur, der bei der Ehrung die Rolle des Gastgebers im Landratsamt in Erbach übernommen hatte. Zum Bericht.


Hessische Sozialministerin prangert Zwangsheiraten an

(Deutschland) Ein konsequentes und massives Vorgehen gegen Zwangsheiraten hat die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger gefordert. "Zwangsheiraten sind keine private oder kulturelle Angelegenheit, sondern stellen einen Missbrauch und eine Menschenrechtsverletzung an jungen Frauen und Mädchen dar", erklärte die Ministerin.

Zwangsehen verstossen zwar gegen geltende Gesetze, werden aber in den wenigsten Fällens strafrechtlich verfolgt. Dies kritisierte die Sozialministerin des Bundeslandes Hessen bei der Übergabe des Bundesverdienstkreuzes an die gebürtige Türkin Serap Cileli, die sich dem Ministerium zufolge seit vielen Jahren für von Zwangsheirat bedrohte oder betroffene Mädchen und Frauen einsetzt.

In Deutschland werden nach den Worten Lautenschlägers vermehrt Zwangsverheiratungen bei Einwanderinnen und Einwandern festgestellt. Betroffen seien vor allem minderjährige Mädchen. Eine Zwangsheirat liege vor, wenn mindestens ein Partner mittels körperlicher oder psychischer Gewalt zur Eheschließung gezwungen werde. Die Betroffenen seien vor allem Mädchen und Frauen aus türkischem oder kurdischem Umfeld, aber auch Albanerinnen, Pakistanerinnen, Inderinnen oder Marokkanerinnen. Zwangsheiraten beschränkten sich jedoch nicht auf den islamischen Kulturkreis.

Quelle: Kipa (Katholische Internationale Presseagentur) / www.jesus.ch
Datum: 02.09.2005


(Deutschland) Ein konsequentes Vorgehen gegen Zwangsheiraten hat die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger (CDU) gefordert.

Zwangsheiraten seien keine private oder kulturelle Angelegenheit, sondern Missbrauch und Menschenrechtsverletzung, so die Ministerin bei der Übergabe des Bundesverdienstkreuzes an die gebürtige Türkin Serap Cileli, die sich laut Ministerium seit vielen Jahren für von Zwangsheirat bedrohte oder betroffene Mädchen und Frauen einsetzt. Lautenschläger kritisierte, dass Zwangsehen zwar gegen geltende Gesetze verstießen, aber in den wenigsten Fällens strafrechtlich verfolgt würden. In Deutschland würden Zwangsverheiratungen vermehrt bei Einwanderfamilien festgestellt und beschränkten sich nicht auf den islamischen Kulturkreis. (kna)

Quelle: RADIO VATIKAN - TAGESMELDUNGEN vom 01.09.2005


01. September 2005 / Odenwälder Echo- Odenwaldkreis

Ehrung für Menschenrechtlerin
Auszeichnung: Autorin Serap Cileli erhält Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

ERBACH (glb): „Ich bin gerührt, versuche mich zusammenzunehmen, weinen werde ich erst heut’ Abend“, Serap Cileli war sichtlich bewegt, als sie am Dienstag im Landratsamt in Erbach das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten hatte.

„Serap – Wir sind eure Töchter, nicht eure Ehre“, so der Titel ihres Buches, das seit dem Erscheinen 1999 die Diskussion um das Thema Zwangsheirat und Ehrenmord in bedeutendem Maße angeregt hat. Darüber hinaus hat sich die 39-Jährige, inzwischen deutsche Staatsangehörige, in großem Maße für Opfer von Zwangs-Ehen stark gemacht. Dass sie diese besondere Ehrung von der Hessischen Sozialministerin Silke Lautenschläger (CDU) entgegennehmen konnte, freute die in der Türkei geborene Autorin umso mehr, da dies ihr großer Wunsch gewesen sei.

Ergriffen, dankbar und mit Freude richte sie klare Worte an die Gäste: „Ich verstehe diese Auszeichnung auch als bundesweites Signal für Frauenrecht und Menschenwürde, gegen eine Parallelgesellschaft.“ Sie nehme die Auszeichnung in Dankbarkeit an alle, die sie auf ihren Weg unterstützten, aber auch für alle Opfer der Zwangsverheiratung und des so genannten Ehrenmordes entgegen. „Die Vergangenheit können wir nicht mehr ändern, die Zukunft schon, der Schlüssel hierzu liegt in der Gegenwart.“

Sie kündigte an, ihren Weg weiterzugehen, aufzuklären in Schulen und anderen Institutionen, die mit jungen Migrantinnen zu tun haben. Cileli will vorbeugend Familien aufklären und fordert vor allem von der Schulpolitik, alle bislang geduldeten Regelungen, junge Migrantinnen vom Sportunterricht, Sexualkunde, Klassenausflügen und anderen Unterrichtseinheiten auf Wunsch der Eltern zu befreien, konsequent zu unterbinden. Bildung sei die wichtigste Hilfe. Weiter forderte sie, das Morde im Zusammenhang des Ehrenkodexes gesondert aufgeführt werden sollten. Die Zwangsheirat solle auch Bestandteil des deutschen Strafgesetzes werden. In Deutschland geltende Gesetze und Werte sollten konsequent allen hier lebenden Bürgern zu Recht und Pflicht werden, eine passive Duldung einer Parallelgesellschaft unter Einbezug schwerster Verbrechen im Sinne des Grundgesetzes und der Menschenwürde hier dürfe es nicht mehr geben. Auch junge Männer seien vor Zwangsehen nicht sicher, bemerkte sie.

Zu verdanken hat Cileli die Auszeichnung vor allem Sabine Allmenröder, die Erbacherin ist Mitglied im Landesfrauenrat und Delegierte des Verbands Familie, Frauen und Kinder. Sie schlug Cileli zur Ehrung vor, und war erfreut, dass ihr Antrag über den Hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch zum Bundespräsidenten Horst Köhler gelangt war, dieser entschied am 6.Juli der Autorin das Bundesverdienstkreuz am Bande zu verleihen.

Mit Sabine Allmenröder war sich Sozialministerin Silke Lautenschläger einig, dass die dreifache Mutter Serap Cileli weit über ihr eigenes Schicksal hinaus sehr viel Mut und Tatendrang beweise. Trotz mehrerer Bedrohungen aus konservativ-islamitischen Kreisen setzte sie ihren Kampf gegen die Zwangs-Ehe unermüdlich fort, sorge für eine bundesweite Vernetzung zu diesem Thema, mache sich in Frauenverbänden auch im internationalen „Terre des Femmes“ dafür stark. Sie helfe in Einzelfällen, vermittle in Frauenhäuser und an hilfreiche Institutionen. Setze sich für Präventionsarbeit an Schulen und andern Jugendeinrichtungen sowie in den Familien selbst ein.

Landrat Horst Schnur sprach von „einer Verleihung, die in seiner Amtszeit ihres gleichen suche“. Nicht nur, dass Serap Cileli die für ihn bislang jüngste Empfängerin dieser großen bundesdeutschen Auszeichnung sei, auch ihr Engagement liege in einem ganz anderen Bereich als bei den anderen Ehrenträgern im Odenwaldkreis. Ihr Bestreben verlange das Einarbeiten in eine scheinbar fremde Welt, die mitten unter uns existiere. Umso erfreulicher für den Kreis sei es, dass sie im Odenwälder Frauenhaus Zuflucht und Hilfe sowie einen neuen Lebensbeginn gefunden habe. Gewürdigt wurde die Autorin und Menschenrechtlerin auch von „Terre des Femmes “- Vertreterin Angelika Bürkner und vom Kreistagsvorsitzenden Rüdiger Holschuh (SPD).

Hintergrund

Serap Cileli wurde in der Türkei geboren, wuchs dort bei den Großeltern auf, bis die Eltern – Gastarbeiter in Deutschland – sie nachholten. Mit 15 Jahren wurde sie das erste mal in die Türkei zwangsverheiratet. Aus dieser Ehe stammen ihre ersten beiden Kinder. Sie floh aus der Zwangs-Ehe zurück nach Deutschland. Vor ihrer Flucht noch lernte sie ihren heutigen Mann Ali Riza Cileli kennen. Sie fand zunächst bei ihren Eltern Zuflucht, diese stimmten aber einer Verbindung mit ihrem heutigen Ehemann nicht zu. Die Eltern arrangierten eine zweite Zwangsehe in der Türkei, Serap Cileli floh aus dem Elternhaus mit ihren beiden Kindern in das Odenwälder Frauenhaus. Es kostete sie und ihren künftigen Mann, der noch keine deutsche Aufenthaltsgenehmigung hatte, viel Mühe und Zeit bis zur Hochzeit. 1999 erschien die erste Auflage ihres Buches „Serap – Wir sind eure Töchter nicht eure Ehre“ im Michelstädter Neuthor -Verlag, zwei Jahre später eine zweite, überarbeitete Auflage. Zu dem Jungen und dem Mädchen aus der Zwangsehe kam eine Tochter aus ihrer heutigen Ehe.


Ausgezeichnete Autorin: Serap Cileli (links) wurde am Dienstag in Erbach von Hessens Sozialministerin Silke Lautenschläger (CDU) mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.
Foto: Gabriele Lermann


31.08.2005 / Main- Echo- Heimat

Signal gegen Gewalt

Bundesverdienstkreuz für Schriftstellerin Serap Cileli

Erbach (Odenwaldkreis- gbi): Für ihren entschiedenen Einsatz gegen die Zwangsverheiratung türkischer Mädchen ist die Erbacher Schriftstellerin Serap Cileli mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt worden. Die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger überreichte gestern die Auszeichnung

.

Foto: Manfred Giebenhain

Die 39- jährige gebürtige Türkin, die heute deutsche Staatsbürgerin ist, bezeichnete die Auszeichnung „als ein bundespolitisches Signal gegen frauenverachtende Gewalt“, der sie selbst zum Opfer fiel. Der Landesfrauenrat Hessen hatte die Schriftstellerin für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen. Sabine Allmenröder (Erbach) vom Verband der Familie, Frauen und Männer hielt die Laudatio. In Deutschland aufgewachsen, wurde sie mit 15 Jahren in der Türkei zwangsverheiratet. Gemeinsam mit ihren beiden Töchtern floh sie vor den Gewalttätigkeiten ihres Ehemannes nach Deutschland. Auch in ihrer Herkunftsfamilie bedroht, führte ihr Weg über das Erbacher Frauenhaus in die Freiheit. Unterstützt von ihrem Mann in zweiter Ehe und den inzwischen drei Kindern setzt sich die Frauenrechtlerin heute in mehreren Organisationen und für betroffene Frauen und Mädchen gegen „menschenverachtende Traditionen im Namen der Ehre“ in einer extremistisch ausgeprägten Form des Islam ein. Im Jahr 1999 erschien ihr autobiografisches Buch „ Serap- Wir sind Eure Töchter, nicht Eure Ehre“, das eine öffentliche Diskussion über die Unterdrückung türkischer Frauen auslöste.


30. 08. 2005 / Lautenschläger fordert: Zwangsverheiratungen stoppen

Einsatz von Serap Cileli mit Bundesverdienstkreuz gewürdigt
Sozialministerin für mehr Gleichberechtigung für Migrantinnen
“Zuwanderer müssen Grundgesetz achten“

Wiesbaden/Erbach. Die Hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger hat gefordert, konsequent und massiv gegen Zwangsheiraten vorzugehen. „Zwangsheiraten sind keine private oder kulturelle Angelegenheit, sondern stellen einen Missbrauch und eine Menschenrechtsverletzung an jungen Frauen und Mädchen dar“, erklärte sie heute in Erbach (Odenwald) anlässlich der Übergabe des Bundesverdienstkreuzes an Serap Cileli. Die gebürtige Türkin, die heute deutsche Staatsbürgerin ist, wurde für ihren Einsatz für Mädchen und Frauen, die von Zwangsheirat bedroht oder betroffen sind, ausgezeichnet. Sie war im Alter von fünfzehn Jahren selbst zur Ehe gezwungen worden.

Auch in Deutschland werden nach den Worten der Ministerin vermehrt Zwangsverheiratungen bei Einwanderinnen und Einwandern festgestellt. Betroffen sind vor allem minderjährige Mädchen Eine Zwangsheirat liegt vor, wenn mindestens ein Partner mittels körperlicher oder psychischer Gewalt zur Eheschließung gezwungen wird. Die unter Zwang verheirateten Mädchen und jungen Frauen stammen vor allem aus türkischem oder kurdischem Umfeld. Betroffene sind aber auch Albanerinnen, Pakistanerinnen, Inderinnen oder Marokkanerinnen. Das Phänomen der Zwangsheirat ist aber nicht auf den islamischen Kulturkreis beschränkt. Es kommt in unterschiedlichen religiösen und ethnischen Gruppen vor. In Deutschland sind insbesondere türkische Mädchen und Frauen betroffen, weil türkische Staatsangehörige die größte Gruppe unter den Migranten stellen.

„Die Zwangsehe verstößt zwar eindeutig gegen geltende Gesetze sowie gegen das Menschenrechtsabkommen der Vereinten Nationen, doch bislang wird dieses strafwürdige Unrecht nur in den wenigsten Fällen strafrechtlich verfolgt“, so Silke Lautenschläger. Dies sei insbesondere auf mangelnde Kenntnis und mangelndes Bewusstsein sowohl in der Öffentlichkeit als auch bei den Opfern selbst zurückzuführen. Vor diesem Hintergrund sei wirkungsvolle Aufklärung sehr wichtig, insbesondere im Schulunterricht. Betroffene junge Frauen und Mädchen müssten sich ihrer Rechte auf freie Partnerwahl und ein selbst bestimmtes Leben stärker bewusst werden.

Auf Initiative der unionsregierten Länder hat der Bundesrat einen Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Zwangsheirat und zum besseren Schutz der Opfer von Zwangsheirat beschlossen und dem Bundestag zugeleitet. Er sieht vor, im Strafgesetzbuch einen neuen Tatbestand einzuführen und im Zivilrecht die Aufhebung der Ehe zu erleichtern, wenn ein Fall von Zwangsheirat vorliegt. „Der Staat muss sicherstellen, dass alle kulturellen und religiösen Gruppen in Deutschland das Grundgesetz achten. Das Recht auf Gleichberechtigung steht allen in Deutschland lebenden Menschen zu“, betonte die Ministerin. In einem freiheitlichen Wertesystem könne es nicht hingenommen werden, dass demokratische Gesetze missachtet würden und sich Subkulturen herausbildeten, in denen die alten Traditionen der Herkunftsländer vorherrschten und insbesondere Mädchen und Frauen benachteiligt, unterdrückt, misshandelt und sogar ermordet würden, angeblich im Namen der „Ehre“ wie das Verbrechen an einer jungen Türkin im Juni in Wiesbaden gezeigt habe.

Zwangsheiraten und „Ehrenmorde“ belegen nach Ansicht von Silke Lautenschläger die Gefahr von Parallelgesellschaften, in denen sich Zuwanderer abschotten, und unterstreichen die Notwendigkeit eines gemeinsamen Wertefundaments für das Zusammenleben. Der Bildung von Parallelgesellschaften müsse durch verstärkte Integrationsbemühungen entgegen gewirkt werden. Das Beherrschen der deutschen Sprache sei hierbei ein wichtiger Schlüssel. Denn mangelnde Sprachkompetenz beeinträchtige die Bildungs- und Kontaktchancen, was wiederum Abhängigkeiten und Unwissenheit über die eigenen Rechte zur Folge habe.

Serap Cileli – Hilfe für über 100 Mädchen und Frauen
Sozialministerin Lautenschläger würdigte in der Laudatio den langjährigen Kampf von Serap Cileli gegen die Zwangsheirat und ihr besonderes ehrenamtliches Engagement auf diesem Gebiet. „Serap Cileli zeigt seit vielen Jahren einen enormen persönlichen Einsatz in der Arbeit mit betroffenen Frauen und Mädchen. Sie ist Rettungsanker in der Not, verständnisvolle Helferin und setzt sich mit einem hohen Maß an Durchsetzungsvermögen und großer Tatkraft couragiert für die Rechte der Frauen ein.“ Seit 1994 hat sie über 100 Frauen und Mädchen sowie auch einzelne türkische Jungen betreut. Zur Zeit kümmert sie sich um acht Mädchen zwischen 13 und 21 Jahren.

Weiterer Schwerpunkt ihres Engagements stellen zahlreiche öffentliche Auftritte und Interviews in Schulen, Fernsehen, Radio und Zeitung dar, in denen sie über die Problematik der Zwangsverheiratungen berichtet. In ihrem auf Deutsch und Türkisch erschienenen Buch „Wir sind eure Töchter, nicht eure Ehre“ beschreibt die aus einer Zwangsehe Geflüchtete ihre dramatische Lebensgeschichte, die der von so vielen Zwangsverheirateten gleicht. Die Veröffentlichung und eine Dokumentation führten dazu, dass sich viele Migrantinnen mit ihren Problemen an sie wenden konnten.

Frau Cileli hat eine Internetseite zum Thema aufgebaut, um über die Problematik zu informieren, Betroffenen Mut zu machen und ihnen Unterstützungsmöglichkeiten aufzuzeigen (www.serap-cileli.de). Sie ist Ansprechpartnerin und Leiterin der Arbeitsgruppe „Zusammenleben“ im Rahmen der Agenda 21 des Odenwaldkreises. Seit 2002 ist Frau Cileli Mitglied und unterstützt ehrenamtlich die Frauenorganisation „Terre de Femmes“ und die Kampagnen „Stoppt Zwangsheirat“ und „Nein zu Verbrechen im Namen der Ehre“. Gemeinsam mit dem Frauenbüro des Odenwaldkreises organisiert sie seit 2001 ehrenamtlich Deutschkurse für türkische Frauen in Erbach. Ihr besonderes Anliegen ist eine offizielle Kriseninterventionsstelle für moslemische Frauen im Odenwald. Dieses Projekt beginnt jetzt unter dem Namen „Arbeitsgemeinschaft Krisensituation von Migrantinnen“ in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt, dem Diakonischen Werk und anderen Partnern Gestalt anzunehmen.

Link: http://www.sozialministerium.hessen.de


30.08.2005 / http://www.radio-odenwald.de

Erbach. Serap Cileli erhält Bundesverdienstkreuz
Geschrieben von fl. : Serap Cileli, gebürtige Türkin und inzwischen deutsche Staatsbürgerin, erhält heute für ihren Einsatz für Mädchen und Frauen, die von Zwangsheirat bedroht sind, das Bundesverdienstkreuz. Sie war im Alter von 15 Jahren selbst zur Ehe gezwungen worden. Ihre Erlebnisse und Erfahrungen hat sie in dem Buch "Wir sind Eure Töchter, nicht Eure Ehre" eindrucksvoll geschildert. Auch nach dem Bucherfolg hat sie sich immer wieder für die von Zwangsheirat betroffenen Frauen eingesetzt. Mit dem Bundesverdienstkreuz, das ihr in Erbach von der hessischen Sozialministerin Silke Lautenschläger überreicht wird, wird dieses Engagement gewürdigt.

Mehr zur Preisträgerin und dem Thema Zwangsheirat und Ehrenmord:
www.serap-cileli.de


Leute und Geschichten aus dem Odenwald



Serap Cileli

Sie ist eine der jüngsten Bundesverdienstkreuz-Trägerinnen:

Serap Cileli, die mutige Kämpferin für Menschenrechte und gegen Gewalt an Frauen. Seit ein paar Jahren lebt die junge Frau im Odenwald. Hier hat sie Zuflucht vor ihrer gewalttätigen Familie gefunden. Im Michelstädter Neuthor- Verlag hat sie ihr vielbeachtetes Buch herausgebracht "Wir sind eure Töchter und nicht eure Ehre". Nun wurde die 39jährige Frau, die inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen hat, mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Gegen Zwangsheirat und Ehrenmord

Serap Cileli hat ein ansteckendes Lachen. Sie nennt sich Optimistin. Ihre Freunde schätzen ihren Humor. Die Quelle meiner Kraft sind mein Mann und meine Kinder, sagt sie lachend. Doch wenn es um ihr Thema geht, wird sie ernst. Zwangsheirat ist Gewalt gegen Frauen und ein Verstoß gegen die Menschenrechte - meint Serap Cileli. Keine Religion und keine Kultur könne diese Gewalt rechtfertigen.
Ohne Wenn und Aber steht für sie fest "Wer hier in Deutschland lebt, muß die geltenden Gesetze achten". Mädchen und Frauen müssen die gleichen Ausbildungsmöglichkeiten bekommen wie Männer, müssen heiraten und sich kleiden dürfen, wen und wie sie wollen. Und dafür kämpft sie. Gibt Interviews, schreibt Zeitungsartikel, hält Vorträge, geht in Schulen, Moscheen und Jugendclubs und ist die Kontaktadresse für muslimische Mädchen, die sich aus dem Korsett ihrer traditionsverhafteten Familien befreien wollen.
Kein Wunder, dass eine junge Frau mit solch klaren Worten und Taten viele Feinde hat. Unter Muslimen, aber auch unter Deutschen, die oft zuviel Toleranz mit den Intoleranten hätten. Cilelis Adresse ist geheim. Ihre Kinder lässt aus Angst vor Entführung nicht alleine in die Schule gehen. Doch Serap Cileli lebt in einem dichten Netz von Freunden und Mitstreitern. Und sie hat eine Kämpfernatur.

Als Serap Cileli 15 war, wurde sie von der eigenen Familie aus Deutschland nach Anatolien entführt und dort mit einem älteren Mann zwangsverheiratet. Nach Jahren flüchtete sie mit ihren zwei Kindern nach Deutschland. Zu ihrer Familie. In der irrigen Hoffnung dort verstanden zu werden. Doch die Familie hatte nichts Besseres im Sinn als sie erneut zwangszuverheiraten - um die angekratzte "Familienehre" wiederherzustellen. Serap flüchtete erneut, nun in ein Frauenhaus im Odenwald. Und schrieb dort ihr aufrüttelndes Buch "Wir sind eure Töchter, nicht eure Ehre". Darin erzählt sie ihre eigene Geschichte.

Sie war die erste, die die Tabu-Themen in Deutschland öffentlich machte.

Die offen über Zwangsheirat und Verbrechen an Töchtern "in Namen der Ehre" sprach. Ihr Vorbild machte vielen jungen Musliminnen Mut. Cileli ist Rettungsanker und Ansprechpartnerin geworden. Dutzende von E-Mails Betroffener erreichen sie täglich.
Zusammen mit vielen Menschenrechtsorganisationen fordert sie ein konsequentes Vorgehen gegen Zwangsheiraten. Es solle ein eigener Straftatbestand werden.
Nur so könnten muslimische Eltern überzeugt werden.

Die eigenen Eltern haben sie verstoßen. Das schmerzt noch immer. Doch sie hat inzwischen eine eigene Familie. Serap Cileli ist wieder verheiratet, aus Liebe, mit einem jungen Türken.
Er ist stolz auf seine kämpferische Frau.


©2005 Gabi Schwall / http://www.gabischwall.de/Serap_Cileli.htm


 
 

< zurück

 
hoch
Hauptseite