Bundesverdienstkreuz an Serap Cileli
Sendetermin: Dienstag, 30.August
2005 um 19.30-19.58 in HR / Hessenschau
Bundesverdienstkreuz für
Serap Cileli

Serap Cileli, eine Hessin türkischer
Abstammung trägt seit Dienstag das Bundesverdienstkreuz. Verliehen
bekommen hat es die Publizistin für ihren unermüdlichen Einsatz
gegen die Zwangsehe und die Blutrache in der Türkei. Cileli ist
selbst Opfer einer Verheiratung gegen ihren Willen geworden.
Presseartikel vom 02.09.2005
/ http://www.odenwaldkreis.de
Bundesverdienstkreuz für
Serap Cileli
Die Schriftstellerin Serap Cileli ist am 30. August 2005 im Landratsamt
in Erbach mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik
Deutschland ausgezeichnet worden. Im Auftrag von Bundespräsident
Horst Köhler überreichte Hessens Sozialministerin Silke Lautenschläger
die Auszeichnung. Frau Cileli, gebürtige Türkin, heute deutsche
Staatsbürgerin, erhielt die hohe Anerkennung wegen ihres entschiedenen
Einsatzes für Mädchen und Frauen, die von Zwangsheirat betroffen
oder bedroht sind.
Staatsministerin übergibt
Auszeichnung im Landratsamt Erbach –
Würdigende Worte des Landrats.
Die Schriftstellerin Serap Cileli
ist am 30. August 2005 im Landratsamt in Erbach mit dem Verdienstkreuz
am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet
worden. Im Auftrag von Bundespräsident Horst Köhler überreichte
Hessens Sozialministerin Silke Lautenschläger die Auszeichnung.
Frau Cileli, gebürtige Türkin, heute deutsche Staatsbürgerin,
erhielt die hohe Anerkennung wegen ihres entschiedenen Einsatzes für
Mädchen und Frauen, die von Zwangsheirat betroffen oder bedroht
sind. Im Alter von 15 Jahren war sie selbst zur Ehe gezwungen worden.
Staatsministerin Lautenschläger hob insbesondere das ehrenamtliche
Engagement Cilelis hervor: Die heute 39 Jahre alte Frau sei „Rettungsanker
in der Not und verständnisvolle Helferin“ für viele
Frauen und Mädchen, jedoch auch einzelne türkische Jungen.
Als Gastgeber der Feierstunde würdigte der Landrat des Odenwaldkreises,
Horst Schnur, das Wirken von Serap Cileli, die sich „nur aufgrund
einer starken Persönlichkeit“ sowie dank ihres Gerechtigkeitssinns
aus einer langen Leidenszeit habe lösen können. Eindrucksvoll
sei dies in der Biographie „Wir sind eure Töchter, nicht
eure Ehre“ belegt, die 1999 erschien. Vor allem damit habe Frau
Cileli einen wichtigen Beitrag zur Integration ausländischer Menschen
in unsere Gesellschaft geleistet.
Angeregt von Sabine Allmenröder (Erbach-Roßbach/Verband der
Familienfrauen und -männer) und mit Unterstützung der Frauenbeauftragten
des Odenwaldkreises Amarelle Opel, hatte der Landesfrauenrat die Schriftstellerin
für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen. Allmenröder schilderte
in einer umfassenden Laudatio den Lebensweg der Geehrten und ihr Wirken
für die Gemeinschaft.
In ihrer Dankesrede sagte Serap Cileli, sie verstehe die Auszeichnung
als „bundespolitisches Signal gegen die frauenverachtenden Praktiken“.
Sie werde in ihrem Bemühen „um eine friedliche, gerechte
und gleichberechtigte Gesellschaft“ nicht nachlassen. Die Glückwünsche
des Kreistages an die neue Trägerin des Bundesverdienstkreuzes
übermittelte Vorsitzender Rüdiger Holschuh. Mut und Engagement
einer „besonderen Persönlichkeit“ sei hier berechtigte
Ehre zuteil geworden.
FOTO:
Serap Cileli, aus der Türkei stammend, heute aber deutsche Staatsbürgerin,
ist aufgrund ihres stetigen Einsatzes gegen Gewalt mit dem Bundesverdienstkreuz
ausgezeichnet worden. Unser Bild zeigt sie im Gespräch mit Landrat
Horst Schnur, der bei der Ehrung die Rolle des Gastgebers im Landratsamt
in Erbach übernommen hatte. Zum Bericht.
Hessische Sozialministerin prangert
Zwangsheiraten an
(Deutschland) Ein konsequentes
und massives Vorgehen gegen Zwangsheiraten hat die hessische Sozialministerin
Silke Lautenschläger gefordert. "Zwangsheiraten sind keine
private oder kulturelle Angelegenheit, sondern stellen einen Missbrauch
und eine Menschenrechtsverletzung an jungen Frauen und Mädchen
dar", erklärte die Ministerin.
Zwangsehen verstossen zwar gegen
geltende Gesetze, werden aber in den wenigsten Fällens strafrechtlich
verfolgt. Dies kritisierte die Sozialministerin des Bundeslandes Hessen
bei der Übergabe des Bundesverdienstkreuzes an die gebürtige
Türkin Serap Cileli, die sich dem Ministerium zufolge seit vielen
Jahren für von Zwangsheirat bedrohte oder betroffene Mädchen
und Frauen einsetzt.
In Deutschland werden nach den
Worten Lautenschlägers vermehrt Zwangsverheiratungen bei Einwanderinnen
und Einwandern festgestellt. Betroffen seien vor allem minderjährige
Mädchen. Eine Zwangsheirat liege vor, wenn mindestens ein Partner
mittels körperlicher oder psychischer Gewalt zur Eheschließung
gezwungen werde. Die Betroffenen seien vor allem Mädchen und Frauen
aus türkischem oder kurdischem Umfeld, aber auch Albanerinnen,
Pakistanerinnen, Inderinnen oder Marokkanerinnen. Zwangsheiraten beschränkten
sich jedoch nicht auf den islamischen Kulturkreis.
Quelle: Kipa (Katholische Internationale
Presseagentur) / www.jesus.ch
Datum: 02.09.2005
(Deutschland) Ein konsequentes
Vorgehen gegen Zwangsheiraten hat die hessische Sozialministerin Silke
Lautenschläger (CDU) gefordert.
Zwangsheiraten seien keine private
oder kulturelle Angelegenheit, sondern Missbrauch und Menschenrechtsverletzung,
so die Ministerin bei der Übergabe des Bundesverdienstkreuzes an
die gebürtige Türkin Serap Cileli, die sich laut Ministerium
seit vielen Jahren für von Zwangsheirat bedrohte oder betroffene
Mädchen und Frauen einsetzt. Lautenschläger kritisierte, dass
Zwangsehen zwar gegen geltende Gesetze verstießen, aber in den
wenigsten Fällens strafrechtlich verfolgt würden. In Deutschland
würden Zwangsverheiratungen vermehrt bei Einwanderfamilien festgestellt
und beschränkten sich nicht auf den islamischen Kulturkreis. (kna)
Quelle: RADIO VATIKAN - TAGESMELDUNGEN
vom 01.09.2005
01. September 2005 /
Odenwälder Echo- Odenwaldkreis
Ehrung für Menschenrechtlerin
Auszeichnung: Autorin Serap Cileli erhält Verdienstkreuz am Bande
des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
ERBACH (glb): „Ich bin gerührt,
versuche mich zusammenzunehmen, weinen werde ich erst heut’ Abend“,
Serap Cileli war sichtlich bewegt, als sie am Dienstag im Landratsamt
in Erbach das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik
Deutschland erhalten hatte.
„Serap – Wir sind
eure Töchter, nicht eure Ehre“, so der Titel ihres Buches,
das seit dem Erscheinen 1999 die Diskussion um das Thema Zwangsheirat
und Ehrenmord in bedeutendem Maße angeregt hat. Darüber hinaus
hat sich die 39-Jährige, inzwischen deutsche Staatsangehörige,
in großem Maße für Opfer von Zwangs-Ehen stark gemacht.
Dass sie diese besondere Ehrung von der Hessischen Sozialministerin
Silke Lautenschläger (CDU) entgegennehmen konnte, freute die in
der Türkei geborene Autorin umso mehr, da dies ihr großer
Wunsch gewesen sei.
Ergriffen, dankbar und mit Freude
richte sie klare Worte an die Gäste: „Ich verstehe diese
Auszeichnung auch als bundesweites Signal für Frauenrecht und Menschenwürde,
gegen eine Parallelgesellschaft.“ Sie nehme die Auszeichnung in
Dankbarkeit an alle, die sie auf ihren Weg unterstützten, aber
auch für alle Opfer der Zwangsverheiratung und des so genannten
Ehrenmordes entgegen. „Die Vergangenheit können wir nicht
mehr ändern, die Zukunft schon, der Schlüssel hierzu liegt
in der Gegenwart.“
Sie kündigte an, ihren Weg
weiterzugehen, aufzuklären in Schulen und anderen Institutionen,
die mit jungen Migrantinnen zu tun haben. Cileli will vorbeugend Familien
aufklären und fordert vor allem von der Schulpolitik, alle bislang
geduldeten Regelungen, junge Migrantinnen vom Sportunterricht, Sexualkunde,
Klassenausflügen und anderen Unterrichtseinheiten auf Wunsch der
Eltern zu befreien, konsequent zu unterbinden. Bildung sei die wichtigste
Hilfe. Weiter forderte sie, das Morde im Zusammenhang des Ehrenkodexes
gesondert aufgeführt werden sollten. Die Zwangsheirat solle auch
Bestandteil des deutschen Strafgesetzes werden. In Deutschland geltende
Gesetze und Werte sollten konsequent allen hier lebenden Bürgern
zu Recht und Pflicht werden, eine passive Duldung einer Parallelgesellschaft
unter Einbezug schwerster Verbrechen im Sinne des Grundgesetzes und
der Menschenwürde hier dürfe es nicht mehr geben. Auch junge
Männer seien vor Zwangsehen nicht sicher, bemerkte sie.
Zu verdanken hat Cileli die Auszeichnung
vor allem Sabine Allmenröder, die Erbacherin ist Mitglied im Landesfrauenrat
und Delegierte des Verbands Familie, Frauen und Kinder. Sie schlug Cileli
zur Ehrung vor, und war erfreut, dass ihr Antrag über den Hessischen
Ministerpräsidenten Roland Koch zum Bundespräsidenten Horst
Köhler gelangt war, dieser entschied am 6.Juli der Autorin das
Bundesverdienstkreuz am Bande zu verleihen.
Mit Sabine Allmenröder war
sich Sozialministerin Silke Lautenschläger einig, dass die dreifache
Mutter Serap Cileli weit über ihr eigenes Schicksal hinaus sehr
viel Mut und Tatendrang beweise. Trotz mehrerer Bedrohungen aus konservativ-islamitischen
Kreisen setzte sie ihren Kampf gegen die Zwangs-Ehe unermüdlich
fort, sorge für eine bundesweite Vernetzung zu diesem Thema, mache
sich in Frauenverbänden auch im internationalen „Terre des
Femmes“ dafür stark. Sie helfe in Einzelfällen, vermittle
in Frauenhäuser und an hilfreiche Institutionen. Setze sich für
Präventionsarbeit an Schulen und andern Jugendeinrichtungen sowie
in den Familien selbst ein.
Landrat Horst Schnur sprach von
„einer Verleihung, die in seiner Amtszeit ihres gleichen suche“.
Nicht nur, dass Serap Cileli die für ihn bislang jüngste Empfängerin
dieser großen bundesdeutschen Auszeichnung sei, auch ihr Engagement
liege in einem ganz anderen Bereich als bei den anderen Ehrenträgern
im Odenwaldkreis. Ihr Bestreben verlange das Einarbeiten in eine scheinbar
fremde Welt, die mitten unter uns existiere. Umso erfreulicher für
den Kreis sei es, dass sie im Odenwälder Frauenhaus Zuflucht und
Hilfe sowie einen neuen Lebensbeginn gefunden habe. Gewürdigt wurde
die Autorin und Menschenrechtlerin auch von „Terre des Femmes
“- Vertreterin Angelika Bürkner und vom Kreistagsvorsitzenden
Rüdiger Holschuh (SPD).
Hintergrund
Serap Cileli wurde in der Türkei
geboren, wuchs dort bei den Großeltern auf, bis die Eltern –
Gastarbeiter in Deutschland – sie nachholten. Mit 15 Jahren wurde
sie das erste mal in die Türkei zwangsverheiratet. Aus dieser Ehe
stammen ihre ersten beiden Kinder. Sie floh aus der Zwangs-Ehe zurück
nach Deutschland. Vor ihrer Flucht noch lernte sie ihren heutigen Mann
Ali Riza Cileli kennen. Sie fand zunächst bei ihren Eltern Zuflucht,
diese stimmten aber einer Verbindung mit ihrem heutigen Ehemann nicht
zu. Die Eltern arrangierten eine zweite Zwangsehe in der Türkei,
Serap Cileli floh aus dem Elternhaus mit ihren beiden Kindern in das
Odenwälder Frauenhaus. Es kostete sie und ihren künftigen
Mann, der noch keine deutsche Aufenthaltsgenehmigung hatte, viel Mühe
und Zeit bis zur Hochzeit. 1999 erschien die erste Auflage ihres Buches
„Serap – Wir sind eure Töchter nicht eure Ehre“
im Michelstädter Neuthor -Verlag, zwei Jahre später eine zweite,
überarbeitete Auflage. Zu dem Jungen und dem Mädchen aus der
Zwangsehe kam eine Tochter aus ihrer heutigen Ehe.
Ausgezeichnete Autorin: Serap
Cileli (links) wurde am Dienstag in Erbach von Hessens Sozialministerin
Silke Lautenschläger (CDU) mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande
ausgezeichnet.
Foto: Gabriele Lermann
31.08.2005 /
Main- Echo- Heimat
Signal gegen Gewalt
Bundesverdienstkreuz für Schriftstellerin
Serap Cileli
Erbach (Odenwaldkreis- gbi): Für ihren entschiedenen
Einsatz gegen die Zwangsverheiratung türkischer Mädchen ist
die Erbacher Schriftstellerin Serap Cileli mit dem Bundesverdienstkreuz
am Bande geehrt worden. Die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger
überreichte gestern die Auszeichnung
.
Foto: Manfred Giebenhain
Die 39- jährige gebürtige
Türkin, die heute deutsche Staatsbürgerin ist, bezeichnete
die Auszeichnung „als ein bundespolitisches Signal gegen frauenverachtende
Gewalt“, der sie selbst zum Opfer fiel. Der Landesfrauenrat Hessen
hatte die Schriftstellerin für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen.
Sabine Allmenröder (Erbach) vom Verband der Familie, Frauen und
Männer hielt die Laudatio. In Deutschland aufgewachsen, wurde sie
mit 15 Jahren in der Türkei zwangsverheiratet. Gemeinsam mit ihren
beiden Töchtern floh sie vor den Gewalttätigkeiten ihres Ehemannes
nach Deutschland. Auch in ihrer Herkunftsfamilie bedroht, führte
ihr Weg über das Erbacher Frauenhaus in die Freiheit. Unterstützt
von ihrem Mann in zweiter Ehe und den inzwischen drei Kindern setzt
sich die Frauenrechtlerin heute in mehreren Organisationen und für
betroffene Frauen und Mädchen gegen „menschenverachtende
Traditionen im Namen der Ehre“ in einer extremistisch ausgeprägten
Form des Islam ein. Im Jahr 1999 erschien ihr autobiografisches Buch
„ Serap- Wir sind Eure Töchter, nicht Eure Ehre“, das
eine öffentliche Diskussion über die Unterdrückung türkischer
Frauen auslöste.
30. 08. 2005
/ Lautenschläger fordert: Zwangsverheiratungen
stoppen
Einsatz von Serap Cileli mit Bundesverdienstkreuz
gewürdigt
Sozialministerin für mehr Gleichberechtigung für Migrantinnen
“Zuwanderer müssen Grundgesetz achten“
Wiesbaden/Erbach. Die Hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger
hat gefordert, konsequent und massiv gegen Zwangsheiraten vorzugehen.
„Zwangsheiraten sind keine private oder kulturelle Angelegenheit,
sondern stellen einen Missbrauch und eine Menschenrechtsverletzung an
jungen Frauen und Mädchen dar“, erklärte sie heute in
Erbach (Odenwald) anlässlich der Übergabe des Bundesverdienstkreuzes
an Serap Cileli. Die gebürtige Türkin, die heute deutsche
Staatsbürgerin ist, wurde für ihren Einsatz für Mädchen
und Frauen, die von Zwangsheirat bedroht oder betroffen sind, ausgezeichnet.
Sie war im Alter von fünfzehn Jahren selbst zur Ehe gezwungen worden.
Auch in Deutschland werden nach den Worten der Ministerin vermehrt Zwangsverheiratungen
bei Einwanderinnen und Einwandern festgestellt. Betroffen sind vor allem
minderjährige Mädchen Eine Zwangsheirat liegt vor, wenn mindestens
ein Partner mittels körperlicher oder psychischer Gewalt zur Eheschließung
gezwungen wird. Die unter Zwang verheirateten Mädchen und jungen
Frauen stammen vor allem aus türkischem oder kurdischem Umfeld.
Betroffene sind aber auch Albanerinnen, Pakistanerinnen, Inderinnen
oder Marokkanerinnen. Das Phänomen der Zwangsheirat ist aber nicht
auf den islamischen Kulturkreis beschränkt. Es kommt in unterschiedlichen
religiösen und ethnischen Gruppen vor. In Deutschland sind insbesondere
türkische Mädchen und Frauen betroffen, weil türkische
Staatsangehörige die größte Gruppe unter den Migranten
stellen.
„Die Zwangsehe verstößt zwar eindeutig gegen geltende
Gesetze sowie gegen das Menschenrechtsabkommen der Vereinten Nationen,
doch bislang wird dieses strafwürdige Unrecht nur in den wenigsten
Fällen strafrechtlich verfolgt“, so Silke Lautenschläger.
Dies sei insbesondere auf mangelnde Kenntnis und mangelndes Bewusstsein
sowohl in der Öffentlichkeit als auch bei den Opfern selbst zurückzuführen.
Vor diesem Hintergrund sei wirkungsvolle Aufklärung sehr wichtig,
insbesondere im Schulunterricht. Betroffene junge Frauen und Mädchen
müssten sich ihrer Rechte auf freie Partnerwahl und ein selbst
bestimmtes Leben stärker bewusst werden.
Auf Initiative der unionsregierten Länder hat der Bundesrat einen
Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Zwangsheirat und zum besseren
Schutz der Opfer von Zwangsheirat beschlossen und dem Bundestag zugeleitet.
Er sieht vor, im Strafgesetzbuch einen neuen Tatbestand einzuführen
und im Zivilrecht die Aufhebung der Ehe zu erleichtern, wenn ein Fall
von Zwangsheirat vorliegt. „Der Staat muss sicherstellen, dass
alle kulturellen und religiösen Gruppen in Deutschland das Grundgesetz
achten. Das Recht auf Gleichberechtigung steht allen in Deutschland
lebenden Menschen zu“, betonte die Ministerin. In einem freiheitlichen
Wertesystem könne es nicht hingenommen werden, dass demokratische
Gesetze missachtet würden und sich Subkulturen herausbildeten,
in denen die alten Traditionen der Herkunftsländer vorherrschten
und insbesondere Mädchen und Frauen benachteiligt, unterdrückt,
misshandelt und sogar ermordet würden, angeblich im Namen der „Ehre“
wie das Verbrechen an einer jungen Türkin im Juni in Wiesbaden
gezeigt habe.
Zwangsheiraten und „Ehrenmorde“ belegen nach Ansicht von
Silke Lautenschläger die Gefahr von Parallelgesellschaften, in
denen sich Zuwanderer abschotten, und unterstreichen die Notwendigkeit
eines gemeinsamen Wertefundaments für das Zusammenleben. Der Bildung
von Parallelgesellschaften müsse durch verstärkte Integrationsbemühungen
entgegen gewirkt werden. Das Beherrschen der deutschen Sprache sei hierbei
ein wichtiger Schlüssel. Denn mangelnde Sprachkompetenz beeinträchtige
die Bildungs- und Kontaktchancen, was wiederum Abhängigkeiten und
Unwissenheit über die eigenen Rechte zur Folge habe.
Serap Cileli – Hilfe für über
100 Mädchen und Frauen
Sozialministerin Lautenschläger würdigte in der Laudatio den
langjährigen Kampf von Serap Cileli gegen die Zwangsheirat und
ihr besonderes ehrenamtliches Engagement auf diesem Gebiet. „Serap
Cileli zeigt seit vielen Jahren einen enormen persönlichen Einsatz
in der Arbeit mit betroffenen Frauen und Mädchen. Sie ist Rettungsanker
in der Not, verständnisvolle Helferin und setzt sich mit einem
hohen Maß an Durchsetzungsvermögen und großer Tatkraft
couragiert für die Rechte der Frauen ein.“ Seit 1994 hat
sie über 100 Frauen und Mädchen sowie auch einzelne türkische
Jungen betreut. Zur Zeit kümmert sie sich um acht Mädchen
zwischen 13 und 21 Jahren.
Weiterer Schwerpunkt ihres Engagements stellen zahlreiche öffentliche
Auftritte und Interviews in Schulen, Fernsehen, Radio und Zeitung dar,
in denen sie über die Problematik der Zwangsverheiratungen berichtet.
In ihrem auf Deutsch und Türkisch erschienenen Buch „Wir
sind eure Töchter, nicht eure Ehre“ beschreibt die aus einer
Zwangsehe Geflüchtete ihre dramatische Lebensgeschichte, die der
von so vielen Zwangsverheirateten gleicht. Die Veröffentlichung
und eine Dokumentation führten dazu, dass sich viele Migrantinnen
mit ihren Problemen an sie wenden konnten.
Frau Cileli hat eine Internetseite zum Thema aufgebaut, um über
die Problematik zu informieren, Betroffenen Mut zu machen und ihnen
Unterstützungsmöglichkeiten aufzuzeigen (www.serap-cileli.de).
Sie ist Ansprechpartnerin und Leiterin der Arbeitsgruppe „Zusammenleben“
im Rahmen der Agenda 21 des Odenwaldkreises. Seit 2002 ist Frau Cileli
Mitglied und unterstützt ehrenamtlich die Frauenorganisation „Terre
de Femmes“ und die Kampagnen „Stoppt Zwangsheirat“
und „Nein zu Verbrechen im Namen der Ehre“. Gemeinsam mit
dem Frauenbüro des Odenwaldkreises organisiert sie seit 2001 ehrenamtlich
Deutschkurse für türkische Frauen in Erbach. Ihr besonderes
Anliegen ist eine offizielle Kriseninterventionsstelle für moslemische
Frauen im Odenwald. Dieses Projekt beginnt jetzt unter dem Namen „Arbeitsgemeinschaft
Krisensituation von Migrantinnen“ in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt,
dem Diakonischen Werk und anderen Partnern Gestalt anzunehmen.
Link:
http://www.sozialministerium.hessen.de
30.08.2005 /
http://www.radio-odenwald.de
Erbach. Serap Cileli erhält
Bundesverdienstkreuz
Geschrieben von fl. : Serap Cileli, gebürtige Türkin und inzwischen
deutsche Staatsbürgerin, erhält heute für ihren Einsatz
für Mädchen und Frauen, die von Zwangsheirat bedroht sind,
das Bundesverdienstkreuz. Sie war im Alter von 15 Jahren selbst zur
Ehe gezwungen worden. Ihre Erlebnisse und Erfahrungen hat sie in dem
Buch "Wir sind Eure Töchter, nicht Eure Ehre" eindrucksvoll
geschildert. Auch nach dem Bucherfolg hat sie sich immer wieder für
die von Zwangsheirat betroffenen Frauen eingesetzt. Mit dem Bundesverdienstkreuz,
das ihr in Erbach von der hessischen Sozialministerin Silke Lautenschläger
überreicht wird, wird dieses Engagement gewürdigt.

Mehr zur Preisträgerin und
dem Thema Zwangsheirat und Ehrenmord:
www.serap-cileli.de
Leute und Geschichten aus dem
Odenwald

Serap Cileli
Sie ist eine der jüngsten
Bundesverdienstkreuz-Trägerinnen:
Serap Cileli, die mutige Kämpferin
für Menschenrechte und gegen Gewalt an Frauen. Seit ein paar Jahren
lebt die junge Frau im Odenwald. Hier hat sie Zuflucht vor ihrer gewalttätigen
Familie gefunden. Im Michelstädter Neuthor- Verlag hat sie ihr
vielbeachtetes Buch herausgebracht "Wir sind eure Töchter
und nicht eure Ehre". Nun wurde die 39jährige Frau, die inzwischen
die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen hat, mit dem Bundesverdienstkreuz
am Bande ausgezeichnet.
Gegen Zwangsheirat und Ehrenmord
Serap Cileli hat ein ansteckendes
Lachen. Sie nennt sich Optimistin. Ihre Freunde schätzen ihren
Humor. Die Quelle meiner Kraft sind mein Mann und meine Kinder, sagt
sie lachend. Doch wenn es um ihr Thema geht, wird sie ernst. Zwangsheirat
ist Gewalt gegen Frauen und ein Verstoß gegen die Menschenrechte
- meint Serap Cileli. Keine Religion und keine Kultur könne diese
Gewalt rechtfertigen.
Ohne Wenn und Aber steht für sie fest "Wer hier in Deutschland
lebt, muß die geltenden Gesetze achten". Mädchen und
Frauen müssen die gleichen Ausbildungsmöglichkeiten bekommen
wie Männer, müssen heiraten und sich kleiden dürfen,
wen und wie sie wollen. Und dafür kämpft sie. Gibt Interviews,
schreibt Zeitungsartikel, hält Vorträge, geht in Schulen,
Moscheen und Jugendclubs und ist die Kontaktadresse für muslimische
Mädchen, die sich aus dem Korsett ihrer traditionsverhafteten Familien
befreien wollen.
Kein Wunder, dass eine junge Frau mit solch klaren Worten und Taten
viele Feinde hat. Unter Muslimen, aber auch unter Deutschen, die oft
zuviel Toleranz mit den Intoleranten hätten. Cilelis Adresse ist
geheim. Ihre Kinder lässt aus Angst vor Entführung nicht alleine
in die Schule gehen. Doch Serap Cileli lebt in einem dichten Netz von
Freunden und Mitstreitern. Und sie hat eine Kämpfernatur.
Als Serap Cileli 15 war, wurde
sie von der eigenen Familie aus Deutschland nach Anatolien entführt
und dort mit einem älteren Mann zwangsverheiratet. Nach Jahren
flüchtete sie mit ihren zwei Kindern nach Deutschland. Zu ihrer
Familie. In der irrigen Hoffnung dort verstanden zu werden. Doch die
Familie hatte nichts Besseres im Sinn als sie erneut zwangszuverheiraten
- um die angekratzte "Familienehre" wiederherzustellen. Serap
flüchtete erneut, nun in ein Frauenhaus im Odenwald. Und schrieb
dort ihr aufrüttelndes Buch "Wir sind eure Töchter, nicht
eure Ehre". Darin erzählt sie ihre eigene Geschichte.
Sie war die erste, die die Tabu-Themen
in Deutschland öffentlich machte.
Die offen über Zwangsheirat
und Verbrechen an Töchtern "in Namen der Ehre" sprach.
Ihr Vorbild machte vielen jungen Musliminnen Mut. Cileli ist Rettungsanker
und Ansprechpartnerin geworden. Dutzende von E-Mails Betroffener erreichen
sie täglich.
Zusammen mit vielen Menschenrechtsorganisationen fordert sie ein konsequentes
Vorgehen gegen Zwangsheiraten. Es solle ein eigener Straftatbestand
werden.
Nur so könnten muslimische Eltern überzeugt werden.
Die eigenen Eltern haben sie verstoßen.
Das schmerzt noch immer. Doch sie hat inzwischen eine eigene Familie.
Serap Cileli ist wieder verheiratet, aus Liebe, mit einem jungen Türken.
Er ist stolz auf seine kämpferische Frau.
©2005 Gabi Schwall / http://www.gabischwall.de/Serap_Cileli.htm