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Presseartikel zur Verleihung
 
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Die Auszeichnung trägt den Namen des 1880 in Wiesbaden- Biebrich geborenen Widerstandskämpfers Generaloberst Ludwig Beck.

Ludwig Beck wurde am 29. Juni 1880 in Biebrich geboren. 1935 wurde er Chef des Generalstabs der Wehrmacht, als der er Hitlers Kriegspläne scharf aber erfolglos bekämpfte. Im August 1938 trat Generaloberst Beck von seinem Posten zurück und wurde zum führenden Kopf des deutschen Widerstandes gegen Hitler. Im Falle eines Erfolges des Attentates auf Hitler war Beck als oberster Repräsentant des Staates vorgesehen; nach dem Scheitern des Attentates aber wurde er am 20. Juli 1944 in Berlin von den Nazis zum Selbstmord gezwungen.


Ludwig-Beck-Preis 2006

Fatma Bläser und Serap Cileli sind die diesjährigen Preisträger

Fatma Bläser und Serap Cileli heißen die diesjährigen Preisträgerinnen des Ludwig-Beck-Preises für Zivilcourage der Landeshauptstadt Wiesbaden. Die beiden deutsch-türkischen Autorinnen nahmen als Rednerinnen an der bundesweit beachteten Demonstration und Kundgebung gegen "Ehrenmorde" am 30. Juni 2005 in Wiesbaden teil und bezogen erneut öffentlich Stellung gegen Gewalt an Frauen. Anlass war die Ermordung von Gönül Karabey, die am 13. Juni 2005 in Wiesbaden von ihrem Bruder erschossen wurde. Die Schriftstellerinnen stehen mit ihrem Engagement für schwer benachteiligte Mitmenschen ein sowie für elementare Werte des Grundgesetztes und der Menschenrechtscharta. Dabei nehmen sie erhebliche persönliche Nachteile in Kauf, da sie Beschimpfungen und Bedrohungen ausgesetzt sind.

Die mit 2.500 Euro dotierte Auszeichnung wird den beiden Preisträgerinnen während einer Feierstunde am 12. Juli im Festsaal des Rathauses durch Oberbürgermeister Hildebrand Diehl und Stadtverordnetenvorsteherin Angelika Thiels überreicht.

Für den Festvortrag konnte Kardinal Karl Lehmann, Bischof von Mainz und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, gewonnen werden. An der feierlichen Preisverleihung werden sich auch die Wilhelm-Heinrich-von-Riehl-Schule und die Diltheyschule themenbezogen mit einem Filmbeitrag und einer Ausstellung beteiligen. Der Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage der Landeshauptstadt Wiesbaden wird finanziell von der Thüga AG, der SV Sparkassenversicherung Holding AG und der Nassauischen Sparkasse unterstützt.

Vertreter des Polizeipräsidiums Westhessen und die FDP-Stadtverordnetenfraktion hatten die beiden Autorinnen als Preisträgerinnen vorgeschlagen. Das siebzehnköpfige Auswahlgremium, war diesem Vorschlag mit großer Mehrheit gefolgt.

Die 41-jährige Fatma Bläser, deren Familie aus Ostanatolien stammt und die in Deutschland vor Zwangsverheiratung und Morddrohungen ihrer Familie flüchtete, machte ihre Geschichte in ihrem Buch "Hennamond" öffentlich. "Ich habe mich nach einem aufrichtigen Leben gesehnt, einem Leben ohne Heimlichkeiten und Verbiegungen, nach Klarheit und einer Luft, in der ich atmen konnte", schreibt Fatma Bläser in ihrem Buch.

Zwangsverheiratung ist ein in Deutschland noch immer stark tabuisiertes, aber weit verbreitetes Phänomen in Immigrantenfamilien. Fast jede vierte Frau türkischer Abstammung gab bei einer in Berlin durchgeführten repräsentativen Umfrage an, dass ihre Heirat gegen ihren Willen durchgesetzt worden ist. Gemeint sind nicht die so genannten "arrangierten" Ehen, sondern solche, bei denen Gewalt angewendet wurde.

Auch die 40-jährige Serap Cileli, die aus einer jahrelangen Zwangsehe ausbrechen konnte, meldete sich mit einem Buch zu Wort: "Wir sind eure Töchter, nicht eure Ehre". Zwangsheirat sei Gewalt an Frauen und ein Verstoß gegen die Menschenrechte; keine Religion und keine Kultur könne diese Gewalt rechtfertigen, ist die tiefe Überzeugung von Serap Cileli, einer der jüngsten Bundesverdienstkreuz-Trägerinnen - Verleihung am 30. August 2005. Sie kämpft für die Freiheit der muslimischen Frau, sie gibt Interviews, schreibt Zeitungsartikel, hält Vorträge, geht in Schulen, Moscheen und Jugendclubs und ist die Kontaktadresse für muslimische Mädchen, die Rat, Hilfe und Unterstützung suchen.

Link: www.wiesbaden.de


14.07.2006 / Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der Boden Anatoliens ist rot vom Blut dieser Frauen

Beck-Preis für Zivilcourage an Fatma Bläser und Serap Cileli

olko. WIESBADEN: Drastisch beschreibt Cileli am Mittwoch die Tötung, Verstümmelung und Misshandlung von Frauen, die nicht mehr jungfräulich in die Ehe gehen. „Der Boden Anatoliens ist rot vom Blut dieser Frauen“, sagt sie und verlangt von den Deutschen, Zivilcourage zu zeigen und sich der auch hierzulande tabuisierten Probleme der Zwangsehen und der Ehrenmorde anzunehmen. Auch müsse Deutschland in den Verhandlungen mit der Türkei über einen EU- Beitritt die Achtung von Frauen-, Menschen- und Minderheitenrechten einfordern.


13. Juli 2006 / Wiesbadener Tagblatt

Mutig im Alltag

Türkinnen für Freiheit der muslimischen Frau

Gegen Zwangsheirat und Ehrenmorde engagieren sich die Türkinnen Fatma Bläser und Serap Cileli: Sie nahmen im Rathaus den Ludwig-Beck-Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden entgegen, der mit 2 500 Euro dotiert ist.

Von Ingeborg Toth

Die Preisverleihung fand gestern Abend im Festsaal des Rathauses statt. Oberbürgermeister Hildebrand Diehl begrüßte neben den Preisträgerinnen Gäste aus vielen gesellschaftlichen Bereichen: Kirche, Bundeswehr, Politik, Wirtschaft, Polizei und Verwaltung. Besonders erfreut zeigte sich Diehl, dass Karl Kardinal Lehmann gekommen war, um die Festrede zu halten. Diehl nannte Lehmann den "beliebtesten Mainzer in Wiesbaden".

Beiden Preisträgerinnen kämpfen als Schriftstellerinnen für die Freiheit der muslimischen Frau. In Wiesbaden wurde man auf sie aufmerksam, als sie an einer Demonstration gegen Ehrenmorde teilnahmen und Stellung bezogen zu dem Fall einer jungen Türkin, die von ihrem Bruder erschossen wurde. Auch wenn es heute noch zu früh sei, von einem Mord zu sprechen - es bleibt das Urteil eines Wiesbadener Gerichts abzuwarten - so hätten Fatma Bläser und Serap Cileli doch eindrucksvoll Stellung bezogen gegen Gewalt gegen Frauen, die sich nicht einem Ehrenkondex beugen könnten, der mit dem Verlust der Menschenrechte einhergeht. Diehl sieht, dass die beiden Preisträgerinnen auch weiterhin Kraft und Mut brauchen, um den einmal als richtig erachteten Weg fortzusetzen. Wir alle dürften "nicht fragliche Ehrbegriffe als Ausdrucksform einer anderen Kultur" akzeptieren.

Lehmann sieht in der Zivilcourage, die von Trägern des Ludwig-Beck-Preises verlangt wird, die Entschlossenheit, "abweichende Ansichten offen zu vertreten". Zivilcourage sei das Gegenteil von Bequemlichkeit, Servilität, Konformismus, Opportunismus und Heuchelei". Wie man am Beispiel der beiden Preisträgerinnen sehe, "brauchen wir auch mitten in der Demokratie für unser Zusammenleben einen solchen ungewöhnlichen Mut".

Ausstellungsplakate zum Leben Ludwig Becks präsentierte die 12. Jahrgangsstufe der Diltheyschule. Beck wurde als führender Kopf der Widerstandsbewegung gegen Hitler dargestellt, der als neues Staatsoberhaupt vorgesehen war. Die neunte Jahrgangsstufe der Wilhelm-Heinrich-von-Riehl-Schule ging auf die Straße, um mit der Kamera Meinungen zum Thema Zivilcourage einzufangen. Der Film wurde im Festsaal gezeigt.


13.07.2006 / Wiesbadener Tagblatt

"Lassen uns nicht einschüchtern"

Fatma Bläser und Serap Cileli kämpfen für Rechte muslimischer Frauen

Von Nicola Brauch

Was Zivilcourage bedeutet, danach muss man Fatma Bläser und Serap Cileli nicht fragen - "Zivilcourage ist unser Leben", sagt die 40-jährige Serap Cileli. Seit vielen Jahren setzen sich die beiden deutsch-türkischen Autorinnen gegen die Unterdrückung muslimischer Frauen ein, machen sich gegen Zwangsverheiratung stark und kämpfen gegen Inzest und Ehrenmord.

"Wir möchten auf die Menschenrechtsverletzungen gegen muslimische Frauen hier wie auch in der Türkei aufmerksam machen", erklärt Serap Cileli. "Wir wollen über die Ungerechtigkeit, die geschieht, sprechen, die Leute wachrütteln, damit sie hinsehen und sich wehren", pflichtet ihr Fatma Bläser bei.

Beide Frauen wissen wovon sie sprechen, sie sollten selbst zwangsverheiratet werden. Fatma Bläser gelang die Flucht aus der Familie und sie heiratete einen Deutschen. Ihre Familie verfolgte die heute 41-Jährige jedoch, es gab sogar Morddrohungen. Serap Cileli wurde mit als 15-Jährige zwangsverheiratet, wurde Mutter zweier Kinder, fand sich mit ihrer Situation ohne Rechte nicht ab und bat ihre Eltern um die Einwilligung in die Scheidung, bis diese zögernd einwilligten. Sie lernte einen Mann kennen und lieben, doch für die Familie war damit die Familienehre verletzt. Sie flüchtete mit ihren Kindern nach Deutschland. Als ihre Eltern sie zu einer zweiten Zwangsehe drängten, floh sie ins Frauenhaus. 1993 schließlich heiratete sie ihre große Liebe.

Beide Frauen schildern ihre Erfahrungen in Büchern ("Henna Mond" und "Wir sind Eure Töchter, nicht Eure Ehre") und haben sich die Hilfe für Frauen in ähnlichen Situationen zur Lebensaufgabe gemacht. So war es für sie auch keine Frage, an der Wiesbadener Demonstration gegen Ehrenmorde im Juni 2005 teilzunehmen, nachdem hier die 20-jährige Gönül Karabey von ihrem Bruder erschossen wurde, weil sie einen Deutschen liebte. "Das war ein Ehrenmord", sind beide überzeugt, "solche Morde geschehen in der Türkei tagtäglich."

Cileli und Bläser haben etliche Mädchen und Jungen (auch die sind von Zwangsheirat bedroht), bei der Flucht geholfen und ihnen sehr oft damit das Leben gerettet. Immer wieder wurden sie als "Nestbeschmutzer" und "Vaterlandsverräterinnen" beschimpft, es gab Morddrohungen, "doch wir lassen uns nicht einschüchtern". Den Ludwig-Beck-Preis sehen sie als Anerkennung für ihre Arbeit: "Er macht uns Mut, weiterzumachen, macht anderen Mut, uns dabei zu unterstützen und macht hoffentlich Mädchen und Jungen in ähnlichen Situationen Mut, sich zu wehren."


13. Juli 2006 / Rhein Main Presse

"Zivilcourage ist unser Leben"

Die Preisträgerinnen zeigten Durchsetzungskraft

bra. WIESBADEN Was Zivilcourage bedeutet, danach muss man Fatma Bläser und Serap Cileli nicht fragen - "Zivilcourage ist unser Leben", sagt die 40-jährige Serap Cileli. Seit vielen Jahren setzen sich die beiden deutsch-türkischen Autorinnen gegen die Unterdrückung muslimischer Frauen ein, machen sich gegen Zwangsverheiratung stark und kämpfen gegen Inzest und Ehrenmord. "Wir möchten auf die Menschenrechtsverletzungen gegen Frauen hier wie auch in der Türkei aufmerksam machen", erklärt Serap Cileli. "Wir wollen über die Ungerechtigkeit, die geschieht, sprechen, die Leute wachrütteln, damit sie hinsehen und sich wehren", pflichtet ihr Fatma Bläser (41) bei. Beide Frauen wissen wovon sie sprechen, sie sollten selbst zwangsverheiratet werden. Fatma Bläser gelang die Flucht aus der Familie, sie heiratete einen Deutschen, obwohl ihre Familie sie verfolgte und mit Mord drohte. Serap Cileli wurde als 15-Jährige zwangsverheiratet, wurde Mutter zweier Kinder, fand sich mit ihrer Situation ohne Rechte nicht ab und bat ihre Eltern um die Scheidung, bis diese zögernd nachgaben. Sie lernte einen Mann kennen und lieben, doch für die Familie war damit die Familienehre verletzt. Sie flüchtete mit ihren Kindern nach Deutschland. Als ihre Eltern sie zu einer zweiten Zwangsehe drängten, floh sie ins Frauenhaus. 1993 schließlich heiratete sie ihre große Liebe.

Beide Frauen schildern ihre Erfahrungen in Büchern ("Henna Mond" und "Wir sind Eure Töchter, nicht Eure Ehre") und haben sich die Hilfe für Frauen in ähnlichen Situationen zur Lebensaufgabe gemacht. So war es für sie auch keine Frage, an der Wiesbadener Demonstration gegen Ehrenmorde im Juni 2005 teilzunehmen, nachdem hier die 20-jährige Gönül Karabey von ihrem Bruder erschossen wurde, weil sie einen Deutschen liebte. "Das war ein Ehrenmord", sind beide überzeugt, "solche Morde geschehen in der Türkei tagtäglich."

Cileli und Bläser haben etliche Mädchen und Jungen (auch die sind von Zwangsheirat bedroht), bei der Flucht geholfen und ihnen sehr oft damit das Leben gerettet. Immer wieder wurden sie als "Nestbeschmutzer" und "Vaterlandsveräterinnen" beschimpft, es gab Morddrohungen, "doch wir lassen uns nicht einschüchtern". Den Ludwig-Beck-Preis sehen sie als Anerkennung für ihre Arbeit: "Er macht uns Mut, weiterzumachen, macht anderen Mut, uns dabei zu unterstützen und macht hoffentlich Mädchen und Jungen in ähnlichen Situationen Mut, sich zu wehren."


13.07.2006 / Rhein Main Presse

Auszeichnung für Zivilcourage

Serap Cileli und Fatma Bläser erhalten Ludwig-Beck-Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden

Von Ingeborg Toth

WIESBADEN Gegen Zwangsheirat und Ehrenmorde engagieren sich die Türkinnen Fatma Bläser und Serap Cileli: Sie nahmen im Rathaus den Ludwig-Beck-Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden entgegen, der mit 2 500 Euro dotiert ist.
Die Preisverleihung fand gestern Abend im Festsaal des Rathauses statt. Oberbürgermeister Hildebrand Diehl begrüßte neben den Preisträgerinnen Gäste aus vielen gesellschaftlichen Bereichen: Kirche, Bundeswehr, Politik, Wirtschaft, Polizei und Verwaltung. Besonders erfreut zeigte sich Diehl, dass Karl Kardinal Lehmann gekommen war, um die Festrede zu halten. Diehl nannte Lehmann den "beliebtesten Mainzer in Wiesbaden".

Beiden Preisträgerinnen kämpfen als Schriftstellerinnen für die Freiheit der muslimischen Frau. In Wiesbaden wurde man auf sie aufmerksam, als sie an einer Demonstration gegen Ehrenmorde teilnahmen und Stellung bezogen zu dem Fall einer jungen Türkin, die von ihrem Bruder erschossen wurde. Auch wenn es heute noch zu früh sei, von einem Mord zu sprechen - es bleibt das Urteil eines Wiesbadener Gerichts abzuwarten - so hätten Fatma Bläser und Serap Cileli doch eindrucksvoll Stellung bezogen gegen Gewalt gegen Frauen, die sich nicht einem Ehrenkondex beugen könnten, der mit dem Verlust der Menschenrechte einhergeht. Diehl sieht, dass die beiden Preisträgerinnen auch weiterhin Kraft und Mut brauchen, um den einmal als richtig erachteten Weg fortzusetzen. Wir alle dürften "nicht fragliche Ehrbegriffe als Ausdrucksform einer anderen Kultur" akzeptieren.

Lehmann sieht in der Zivilcourage, die von Trägern des Ludwig-Beck-Preises verlangt wird, die Entschlossenheit, "abweichende Ansichten offen zu vertreten". Zivilcourage sei das Gegenteil von Bequemlichkeit, Servilität, Konformismus, Opportunismus und Heuchelei". Wie man am Beispiel der beiden Preisträgerinnen sehe, "brauchen wir auch mitten in der Demokratie für unser Zusammenleben einen solchen ungewöhnlichen Mut".

Ausstellungsplakate zum Leben Ludwig Becks präsentierte die 12. Jahrgangsstufe der Diltheyschule. Beck wurde als führender Kopf der Widerstandsbewegung gegen Hitler dargestellt, der als neues Staatsoberhaupt vorgesehen war. Die neunte Jahrgangsstufe der Wilhelm-Heinrich-von-Riehl-Schule ging auf die Straße, um mit der Kamera Meinungen zum Thema Zivilcourage einzufangen. Der Film wurde im Festsaal gezeigt.

 
 

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